Allgemeine Berichte | 06.01.2025

MVZ Pellenz soll Abhilfe schaffen

Lösung gegen Ärztemangel

Auf dem ehemaligen Areal der RHI Magnesita an der Alten Chaussee in Kruft könnte schon bald ein Medizinisches Versorgungszentrum ntstehen. Foto: Cornel Schlüter

Kruft. Die Ortsgemeinde Kruft und die Verbandsgemeinde Pellenz arbeiten bereits seit geraumer Zeit daran, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine patientenorientierte hausärztliche Versorgung in der Pellenz und darüber hinaus sicherzustellen. Jetzt kamen die Beteiligten zusammen, um das angedachte Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Kruft auf den Weg zu bringen. Dazu hatte die VG Pellenz die potenziellen beteiligten, Ärztinnen, Krankenhaus und Projektentwickler, zum Austausch eingeladen.

Schnelles Handeln ist in der Verbandsgemeinde Pellenz mit ihren rund 17.500 Einwohner in fünf Ortsgemeinden angesagt. In Kruft praktizieren aktuell zwar noch alle drei ansässigen Hausärztinnen, aber dies wird sich laut Ankündigung der Ärztinnen schon zum 31. März 2025 ändern. Zudem zeichnet sich ab, dass in der Region mittelfristig weitere Mediziner aufhören. Aber nicht nur die Ärzte werden knapp, auch der Mangel an Medizinischen Fachangestellten (MFA) führt bereits heute in vielen Praxen zu großen Problemen. Daher drängt die Zeit massiv.

Standortfrage

Seine Heimat könnte das MVZ, so die derzeitige Planung, auf dem ehemaligen Areal der RHI Magnesita, das seit vergangenem Sommer im Besitz der Ortsgemeinde Kruft ist, finden. „Eine zeitnahe Umsetzung wäre hier am schnellsten möglich. Zudem bietet die Lage an der „Alten Chaussee“ viele weitere Vorteile“, so Walter Kill, Ortsbürgermeister von Kruft.

Einer der Beteiligten ist Projektentwickler Serjoscha Hellinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Doetsch & Hellinger Immobilien GmbH. Er ergänzt: „Das MVZ soll mittelfristig zu einem Gesundheitszentrum ausgebaut werden. Das Areal bietet mit seinen rund 4,8 Hektar viel Raum und hat eine optimale Anbindung an den ÖPNV.“

Synergien nutzen

Ein weiterer Beteiligter könnte als Träger des MVZ das St. Nikolaus-Stiftshospital in Andernach werden, das mit dem MVZ St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach bereits eine entsprechende Einrichtung betreibt und das notwendige Know-how einbringen würde. „Für alle Beteiligten könnten sich Synergieeffekte ergeben. So würde die gesicherte ambulante Versorgung vor Ort durch das MVZ die Zentrale Notaufnahme unseres Krankenhauses entlasten. Das MVZ könnte z. B. auch in die Weiterbildung von Assistenzärzten eingebunden werden. Da wir die betriebswirtschaftliche Organisation übernehmen würden, könnten sich die Ärzte und MFA primär auf die Patientenbehandlung konzentrieren. Ein MVZ sorgt zudem für effiziente Strukturen, zumal auch kosteneinsparende Synergien durch die gemeinsame Nutzung von z. B. Räumlichkeiten und Medizintechnik entstehen, erläutert Sina Prangenberg, Kaufmännische Leiterin des MVZ St. Nikolaus-Stiftshospitals, den Nutzen eines MVZ.

Ärzte gesucht

Die drei Ärztinnen in Kruft versorgten zuletzt insgesamt rund 4.600 Einwohner in Kruft. Gesucht wird jetzt ein(e) Nachfolger(in), die/der die Praxis von Dr. Monika Plate-Tries übernehmen könnte. Und auch für das geplante MVZ werden Allgemeinmediziner oder Internisten gesucht. Ihren Sitz können die Krufter Ärztinnen in das geplante MVZ einbringen, müssten dann aber noch für mindestens drei Jahre im MVZ angestellt sein. „Wir sind teilweise mehr oder weniger in einem Alter, in dem man über den Ruhestand nachdenkt. Gleichzeitig möchte man aber auch seine Patienten, die man zum Teil über Jahrzehnte betreut hat, weiterhin in guten Händen wissen. Daher sollte aus unserer Sicht ein Weg gefunden werden, der die sich verändernden Bedürfnisse einer neuen Generation von Medizinern Rechnung trägt, unseren Angestellten Sicherheit gibt, die Patientenversorgung sicherstellt und uns die Möglichkeit bietet, den Übergang aktiv zu gestalten“, so Dr. Helga Niermann.

Anforderungen derÄrzteschaft gerecht werden

Die Vorstellung vom Berufsleben hat sich bei der jungen Generation an Ärzten gewandelt. Sie wünschen sich heute häufig geregelte Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit, um die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf zu ermöglichen. „Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Medizin immer weiblicher wird. Hier bietet das MVZ sehr flexible Möglichkeiten, da eine Vollzeitstelle mit bis zu vier Teilzeitstellen ausgefüllt werden kann. Zudem bietet das Angestelltenverhältnis jungen Ärzten, die das wirtschaftliche und finanzielle Risiko einer eigenen Arztpraxis nicht eingehen möchten, mehr Sicherheit“, fasst die Fachärztin für Allgemeinmedizin Christine Kempkes die Vorteile für die Ärzteschaft zusammen.

Gesundheitszentrum im Visier

Nach dem Start des MVZ ist ferner angedacht, neben der Allgemeinmedizin ggf. weitere Fachrichtungen anzudocken. „Wir möchten aus dem MVZ ein Gesundheitszentrum machen, dass neben der hausärztlichen Versorgung auch andere Bereiche, etwa Fachärzte oder weitere Gesundheitsberufe einschließt. Selbstverständlich sind auch Mediziner herzlich willkommen, die sich ohne MVZ-Beteiligung in unserem neuen Quartier ansiedeln möchten. Wir bitten alle Interessierten mit uns in Kontakt zu treten“, gibt Walter Kill die Richtung vor.

Verbandsbürgermeister Sebastian Busch ergänzt: „Wer sich jetzt frühzeitig einbringt und die Herausforderung MVZ annimmt, kann die Entwicklung des MVZ Pellenz aktiv mitgestalten und zum Erfolg der Einrichtung beitragen. Zudem unterstützen wir, vorbehaltlich der weiteren Zustimmung des Rates, im Rahmen der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in der Verbandsgemeinde Pellenz Praxisübernahmen oder auch die Niederlassung neuer Arzt- und Facharztpraxen mit einem Förderbetrag in Höhe von bis zu 20.000 Euro.“

Bürgermeister Sebastian Busch zieht ein durchaus ergebnisorientiertes Fazit. „In dem konstruktiven Austausch sind wir tief ins Thema eingestiegen. Hierfür danke ich allen Beteiligten. Mit ein bis zwei interessierten Ärztinnen haben wir für den Start ins MVZ eine Basis, die die Umsetzung erleichtern könnte. Hinzukommen könnten mit dem St. Nikolaus-Stiftshospital und Doetsch & Hellinger zwei kompetente und erfahrene Partner. Dass es auf diesem Weg noch jede Menge Details zu klären gilt, hat das Gespräch klar gezeigt. Wir möchten aber nun an den Start gehen und würden uns sehr über Interessensbekundungen freuen.“

Interessenten können sich bei der Ortsgemeindeverwaltung Kruft, Ortbürgermeister Walter Kill, melden. Tel: 02652-6592, E-Mail: verwaltung@ortsgemeinde-kruft.de.

Pressemitteilung

Verbandsgemeindeverwaltung Pellenz

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