Hochschule Bonn Rhein-Sieg
Lyrik im Chemie-Hörsaal
13. RheinHexenSlam in der Hochschule war ein voller Erfolg
Rheinbach. Getreu dem entspannten Umgang mit Gedichten war auch der Umgang mit der Zeit locker, als vor Kurzem der Rhein-Hexen-Slam zum dreizehnten Mal stattfand. Drei Slammer waren zu Beginn des Abends noch unterwegs, und so wurde der erste Auftritt eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Unter den rund 250 Zuschauern - ein Besucherrekord - in den Hörsälen eins und zwei der Hochschule Bonn Rhein-Sieg musste aber deswegen nicht gar Langeweile aufkommen, denn Moderator Lasse Samström war schon anwesend und sorgte für Unterhaltung. Für alle Erst-Besucher erklärte er zunächst die Regeln, und natürlich bekamen die Bewohner der benachbarten Apfelstadt auch wieder einen lieb gemeinten Seitenhieb des Ex-Merlers.
Die Slammer betreten die Bühne
Schließlich bat Lasse Samström seine „wunderhübsche Lottofee“ Liam auf die Bühne, um die Reihenfolge der Teilnehmer zu ziehen und verkünden. Es folgten zwei Vorrunden. Der gerade erst eingetroffene Michael Goehre aus Essen war direkt als Erster dran und gab Anekdoten aus seinem DJ-Leben zum Besten.
Der Zuschauer lernte: Die Gummibärenbande gibt es auch auf Russisch. Als Zweites porträtierte er seinen veganen Heavy-Metal-Freund Sven.
Rita Apel aus Bremen trug als erste Frau des Abends vor. „Auf jeden Topf passt ein Deckel“, auf diesem Sprichwort baute sie ihre Beobachtungen zur Liebe auf und ließ damit manch einen Zuschauer Tränen lachen. In der zweiten Runde überzeugte sie mit einer modernen Max-und-Moritz-Variante mit geschäftstüchtigen Protagonisten.
Humor, der vor allem die Eltern-Generation denn die zahlreich erschienenen Studenten ansprach, lieferte Wilko. Der Dransdorfer präsentierte einen Dialog mit seinem zweiten Ich Heinz und Gedanken zu Kittelschürzen und Pimkie-Kleidung, durchzogen von schwarzem Humor und einigen ernsten Sätzen, die dem Publikum das Lachen im Halse stecken ließen.
Gewagt war im katholischen Rheinbach der erste Text des Erlangers Felix Kaden, in dem er die zehn Gebote humorvoll kommentierte. Sein zweiter Auftritt hingegen war ganz ernst, zeichnete er doch den traurigen Lebensverlauf eines leistungsgetriebenen Jungen nach.
Sven Hensel trat mit zwei nachdenklichen Texten auf. Insbesondere Text zwei, ein mutiges Plädoyer dafür, sich selbst nicht als Fehler zu sehen; und dass es doch völlig egal ist, welchen Menschen wir lieben.
Ein besonderer Gast war die 18-jährige Sarah Alteneichinger aus Basel, die für ein Jahr von Slam zu Slam durch den deutschsprachigen Raum reist. Wortgewaltig und stilistisch anmutig reflektierte sie ihr Aufwachsen in einer Patchwork-Familie und warum sie niemals achtzehn werden wollte. Mit diesem sprachlichen Feuerwerk erreichte die Schweizer U20-Meisterin nach Runde zwei die Führung.
Einen ganz anderen Stil hatte der letzte Slammer der Runde, Ingo Nordmann aus Bonn. Er rappte seine Kurztexte. Die Themen waren ein buntes Sammelsurium aus Dinos, Dreirädern und derb coolen Mensakarten. Damit lag er nach Runde eins gar an der Spitze.
Finale kurz vor 23 Uhr
Es ging bereits auf elf Uhr zu, als Lasse Samström schließlich eine Premiere in der Geschichte des Rhein-Hexen-Slams: Ins Finale hatten es ausschließlich Frauen geschafft! Umso bemerkenswerter, als sie die beiden einzigen waren.
Nach einer Runde Schere-Stein-Papier begann Rita Apel und löste wahre Lachsalven aus, indem sie ihre Top-Idee zum Frustabbau vorstellte: Eine Person begebe sich in ein Großbekleidungsgeschäft seiner Wahl, falte so lange Ware zusammen, bis sie für einen Verkäufer gehalten wird, und lasse dann nur noch Sätze fallen wie „Hamma nich da!“
Auch Sarah Alteneichinger blieb ihrem Stil treu und begab sich wieder auf Sinnsuche.
Rita Apel triumphierte
Am Ende dann die große Applaus-Abstimmung, die gar nicht leicht auszuwerten war, so begeistert klatschte das Publikum für beide Finalistinnen. Rita Apel erhielt den begehrten silbernen Hexenturm aus dem CF-Atelier und wie alle Slammer das „Bier ohne Namen“ aus dem Brauhaus Rheinbach.
Im Anschluss hatten die Zuschauer die Gelegenheit, auf dem After-Show-Empfang mit den Slammern ins Gespräch zu kommen und deren Bücher käuflich zu erwerben. Dr. Armin Erhardt, Leiter der Hochschul- und Kreisbibliothek und Rheinbach-liest-Powerfrau Steffi Scherer zeigten sich unisono zufrieden mit der Resonanz: „Beide Formate, ob Zu-Gast-auf-dem Sofa, als auch der RheinHexenSlam haben heute neue Freunde gefunden.“
Moderator Lasse Samström.
Rita Apel aus Bremen siegte beim 13. Slam.
