Der Theaterkreis Sankt Pantaleon verwandelte das Unkeler Pfarrheim
„Männerwirtschaft“ war ein grandioser Erfolg
Mit Verwechslungen und Verkleidungen sorgen die Schauspieler für Lachsalven und Freudentränen
Unkel. Kaum dass sich der Vorhang zur Premiere der jüngsten Aufführung des Theaterkreis Sankt Pantaleon im Unkeler Pfarrheim am Corneliaweg geöffnet hatte, glaubten die Zuschauer im „falschen Film“ zu sein. Gekommen waren sie um eine Komödie zu sehen und dann stand da doch tatsächlich ein Mann auf einem kleinen Hocker und war im Begriff sich aufzuhängen. Ein Anruf hielt ihn zunächst davon ab, seinem Leben ein Ende zu setzen. Im Laufe des Gesprächs gab er sich als Gastwirt zu erkennen, der eine todsichere Methode kennen würde, der Schlinge des Finanzamtes zu entschlüpfen.
Noch war er der realen Schlingen nicht entschlüpft, als Susi Schrill, Nomen est omen, auftauchte, in deren Rolle Marita Zimmermann geschlüpft war. Spätestens da konnten sich die Zuschauer sicher sein, wie gewohnt eine Komödie zu sehen zu bekommen. Die gefährliche Situation ignorierend, begab sich Stammgast Susi auf die Suche nach ihrem samtweichen „Versasche“-Tuch. Als sie dieses gefunden hatte, verließ sie die Kneipe, das Lied „Hinter’m Horizont geht’s weiter“ auf den Lippen, mit dem lapidaren Hinweis, dass der Knoten am Seil viel zu dünn sei.
Alles was das Komödiantenherz begehrt
Es sollte noch besser kommen, hat Uschi Schilling doch wirklich alles in ihre „Männerwirtschaft“, gepackt, was das Komödiantenherz nur begehren kann. Als da zunächst wären Rudolf Zimmermann als selbstmörderischer Klaus Biedermann, und sein Bruder Gabriel, gespielt von Christopher Mohr, die vergessen hatten, dass es längst nicht mehr reicht, als Kneipier hinter dem Zapfkreuz einer heruntergekommenen Wirtschaft auf Stammgäste zu warten.
Finanzielle Unterstützung seiner scharfzüngigen Verlobten Sonja, gespielt von Nadine Jammel, um die Karre aus dem Dreck zu ziehen und so einer Landung des Pleitegeiers zu entkommen, hatte Klaus gerade angelehnt, als sich der zweite Stammgast, Freibier-Fetischist Arno, dessen Rolle Ralf Friedrich übernommen hat, trotz Ruhetag sein Bierchen selbst zapfte. Und dann war da ja auch noch ein weiterer Stammgast, der sich einige Zeit zwecks „Zwangsurlaub auf Staatskosten“ rar gemacht hatte. In einem rosa-gelben Trainingsanzug ließ Andreas Kuhsel die Zuschauer geradezu erblinden als Goldkettchen-behangener Zwinker-Eddy. Dem Freund schneller Schlitten und scharfer Bräute war klar, warum die Kneipe nicht lief. „Hier muss Kunst in Unkeler Kneipen her statt dieses Resterampen-Inventars. Und natürlich sind Frauen die beste Medizin für’s Geschäft. Das Auge trinkt schließlich mit“, unterwies er die harmlosen Brüder, bevor er nach seinem Knastaufenthalt sofort auf die mannstolle Susi ansprang. Die wäre sofort bereit gewesen, als Lotusblüte die Gäste zu animieren, was die Brüder aber strikt ablehnten. Da warteten sie doch lieber auf Eddys Oberweitendamen.
Angesichts deren Ankunft war Klaus ganz begeistert zu hören, dass seine Sonja in Urlaub fahren wollte. Geradezu enthusiastisch schwärme er von „blauen Palmen“ und „grüner See“, die auf seine Holde warten würden, was diese wiederum mehr als misstrauisch werden ließ. Vor der angeblichen Abfahrt avisierte sie ihm jedoch noch den Besuch ihrer besten Freundin, der Staubsaugervertreterin Rosi Brums. In Person von Gisela Dommermuth trifft die dann allerdings auf den ahnungslosen Gabriel, der glaubt, eine von Eddys Oberweitendamen vor sich zu haben. Der Schreck fährt ihm in die Glieder, als diese ihm anbietet, ihm im Gästezimmer Erleichterung zu verschaffen. Das überlässt er lieber seinem Bruder, dessen Begeisterung über das „geschmeidige Hin- und Hergleiten“ ihm das Blut in den Adern erfrieren ließ, den Zuschauern dagegen die Tränen in die Augen trieb, bis Klaus dann die Verwechslung aufklärte.
Verkleidungen par excellence
Damit aber nicht genug. Selbst „Charlies Tante“ ließ grüßen wenn auch in Form von Franzi, in die sich Klaus Dank blonder Zöpfe und Dirndl verwandelt hatte. Damit aber nicht genug: Ihren Hut tief ins Gesichts gezogen erschien Sonja als Ehemann mit Rosi als Frau, um sich von der Situation in der Kneipe zu überzeugen. Während sie ihren Verlobten in seiner neuen Rolle sofort erkannt hatte, ist Arno hin und weg von der Schönheit. Schließlich hatte er ja auch schon so reichlich Bier genossen, das bekanntlich weibliche Hormone beinhaltete, sodass wirre Zeig rede und nicht nur mehr einparken könne, kommentierte Gabriel das Liebeswerben des Gastes.
Weniger zimperlich ging Arno mit Susi um. Die ihre Füße seiner Meinung nach nur mit italienischem Schuhwerk ausstatten sollte, wenn dieses Geigenkastengröße aufweise, lästerte er. Das aber konnte Frau Schrill nicht tangieren, tauchte doch just Zwinker-Eddy auf, dem sich die liebeshungrige Besucherin sofort an den Hals warf. Zum Entsetzen von dessen Verlobte, als die sich Rosi ihrem Eddy handgreiflich zu erkennen gab. Damit war auch die Maskerade von Sonja aufgeflogen, die wutentbrannt die Verlobung mit Klaus auflöste.
Nur noch zwei weitere Aufführungen
In diesem unglaublichen Gestolperer von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen war ein stiller Gast etwas untergegangen: Gabi Müller von Beruf Finanzbeamtin, deren Part Ingrid Crone-Berkele übernahm. In die Wirtschaft gekommen war sie, um ihren Tanztee-Partner Gabriel zu treffen. Statt zarte Bande geknüpft zu haben, wurde ihr nun unterstellt, nur Informationen über die wahre Finanzanlage der Brüder ausspionieren zu wollen. Enttäuscht, dass Gabriel ihr so etwas zutrauen konnte, verließ sie einen sichtlich verwirrten Kneipier. Der hatte zwar immer behauptet, dass die Ehe der einzige Krieg sei, bei dem man mit dem Feind schlafe, seine Abneigung gegen eine spätere Heirat schien jedoch bei Gabi ins Wanken geraten, zu sein. Ob da noch was zu retten ist bei Gabriel und Klaus privat wie beruflich? Und wie übersteht Zwinker-Eddy die Abreibung seiner überaus resoluten Rosi? Auch ob die beiden Stammgäste Susi und Arno eventuell nach dem Motto, „Was sich liebt, das neckt sich“, sogar zueinanderfinden sollten, das alles Zuschauer nur erfahren, sofern es bei Stefan Florian im Foto-Porst-Laden, Frankfurter Straße 25, noch Karten für eine der beiden letzten Aufführungen im Pfarrheim, Corneliaweg, am Freitag, 15. April ab 20 Uhr sowie am Samstag, 16. April ab 19.30 Uhr, gibt.
DL
Unberührt von dem Selbstmordversuch von Klaus schwadroniert Susi von ihrem „Versasche“ Tuch.
„Frauen sind die beste Medizin für’s Geschäft. Das Auge trinkt mit!“ verrät Zwinker-Eddy den Brüdern.
