Chor R(h)eingehört aus Unkel
Magische Momente
Unkel. Für die Bewohner und Bewohnerinnen des Altenheims Christinenstift sollte es ein Tag der Freude werden. Ein besonderer Tag. Ein Tag voller Musik.
Samstagvormittag, 10 Uhr: Eine Abordnung des Chors „R(h)eingehört“ aus Unkel macht sich bereit für einen ganz besonderen Auftritt. Etwa zehn Sänger und Sängerinnen absolvieren im Eingangsbereich zunächst den obligatorischen Coronatest und danach ein kurzes Einsingen in der kleinen Kapelle des Christinenstifts. Um halb elf geht es ins sogenannte „Atrium“ des Altenheims, ein wahrhaft ungewöhnlicher Konzertsaal. Auf drei Etagen verteilt sitzen die Senioren in den Fluren, die von unten nach oben durch diesen großen Lichtschacht miteinander verbunden sind. Unten der Chor mit seiner Leiterin Beate Eggenstein am mitgebrachten E-Piano, und dann erklingt: „Einmal am Rhein“ von Willi Ostermann. „Wer hat nicht mal am Rhein in lauer Sommernacht/ beim Glase Wein vom Glücke träumend zugebracht? Selig berauscht/ Küsse getauscht…“.
Ein Chormitglied erzählt später: „Es hat sofort gekribbelt bei mir, weil man spürte, dass diese Musik den Menschen hier wirklich etwas bedeutet. Ganz still saßen sie da, haben gelauscht, geschwärmt, und dann unmittelbar mitgeschunkelt und mitgesungen.“ Es folgen weitere Stücke aus dem aktuellen Repertoire des Chores, dessen Mitglieder aus der Verbandsgemeinde Unkel und aus Bad Honnef kommen: „Rheinische Lieder“ (W. Ostermann), „Komm an den Rhein“ (Schlösser-Jussenhoven) oder „Wenn die Reben am Rhein wieder blühen“ (Jupp Schmitz). Dazwischen gibt es immer wieder Applaus und einzelne Ausrufe „Wie schön!“, „Herrlich!“, ehe dann der Moment für zwei Soloauftritte der Chor-Sopransängerin Hyeong-Uen Nölken gekommen ist: ein Walzerlied und „Die kleine Bank am Rhein“ (Walter Stock).
„Spätestens da hatte ich fast einen Kloß im Hals“, so einer der Sänger im Anschluss. „Vereinzelt habe ich Freudentränchen gesehen. Das zu erleben, so eine Freude, war auch für uns im Chor ein wirklich magischer Moment.“ Das letzte Lied erklingt, die „Lorelei“, mit dem wunderbaren Text von Heinrich Heine: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“. Eine knappe Dreiviertelstunde ist vergangen. Die Leitern der Sozialen Betreuung im Haus, Michaela Kuhsel, überreicht den ehrenamtlichen Chormitgliedern für ihren Auftritt ein kleines Präsent. Eine Bewohnerin fragt: „Kommen Sie bald wieder? - Ich könnte das jeden Tag hören.“ Leider sei das nicht möglich, aber das Versprechen wiederzukommen, das gibt Chorleiterin Beate Eggenstein gerne. In den nächsten Wochen und Monaten wolle man zunächst noch Weihnachtslieder in der Fußgängerzone in Bad Honnef singen und dann weitere Altenheime besuchen. „
Wir wollen gerne so viel wie möglich auftreten. Aber wir sind ein kleiner Chor (rund ein Dutzend Sänger und Sängerinnen), da ist das schwierig. Für mehr Auftritte braucht es eine breitere Basis.“ Man suche dafür gezielt nach Interessierten im Alter zwischen 30 und 50 mit Lust am Singen, vor allem Männer-, aber auch Frauenstimmen. Geprobt wird immer montagabends.
Dann kündigt die Musikpädagogin für den Frühling in Unkel aber doch noch ein weiteres Konzert mit Rhein- und Weinliedern an: „Im September waren wir damit bereits in der Oberen Burg in Rheinbreitbach zu Gast. Die Resonanz war großartig!“ Für das nächste Jahr sei ansonsten ein neues Programm mit Weihnachtsliedern geplant. Informationen dazu soll es demnächst auf der Facebookseite des Chores und der gerade neu entstehenden Internetseite geben.
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