Allgemeine Berichte | 30.01.2019

27 Rheinbacher Bürger jüdischen Glaubens wurden hier ermordet

Malyj Trostenez, Tötungsort für viele Juden aus Bonn und Umgebung

Astrid Mehmel spricht bei der Ausstellungseröffnung zu den zahlreichen Zuhörern.Fotos: Pertz

Rheinbach. Der Verein Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn zeigt zur Zeit im Rheinbacher Rathausfoyer eine eindrucksvolle Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez – Geschichte und Erinnerung in Bonn“.

Auf zehn Roll-ups wird erklärt, was in Malyj Trostenez geschah, die damalige Situation in Bonn vorgestellt und an Bonner Familien erinnert, die dort ermordet wurden. Ergänzt wird die Ausstellung durch Informationen zu den Rheinbacher Juden, die in Malyj Trostenez umgekommen sind. Für die Juden aus Bonn und Umgebung hatte Malyj Trostenez eine besondere Bedeutung. Seit 1941 wurden die jüdischen Bürger der Region in ihren Wohnhäusern verhaftet und in das Sammellager Endenich, einem ehemaligen Kloster untergebracht. Über zweihundert von ihnen deportierte man im Juli 1942 mit dem Zug über Köln nach Minsk und kurz darauf in das nahe Malyj Trostenez. Hier wurden sie entweder erschossen oder durch Vergasen umgebracht.

Die Ausstellung stellt in Kurzbiographien sechs Bonner Familien vor, aus deren Mitte Väter, Mütter oder Kinder in Malyj Trostenez umgekommen sind. Zum Beispiel wird das Ehepaar Max und Edith Herz aus Beuel mit ihrer Tochter Ruth genannt. Während Sohn Rafael zusammen mit Verwandten noch nach Palästina fliehen konnten, wurden die drei anderen Familienmitglieder am 1. August 1941 in Endenich interniert. Fast ein Jahr später, einen Tag vor ihrer Deportation nach Malyj Trostenez schrieb die 17-jährige Ruth einen Abschiedsbrief an ihren Onkel. Sie war sich der der misslichen Lage, in der sich ihre Familie und die anderen Juden befanden, sehr bewusst.

Dennoch macht dieser Brief deutlich, dass diese junge Frau immer noch Hoffnung auf ein besseres Leben hatte: „…Es ist ein Glück, dass wir alle drei noch jung sind und uns vor keiner Arbeit scheuen. Auch werden wir uns in jeder Lebenslage zurechtfinden… Es ist eine harte Schule durch die ich gehen muss, meine schönsten Jugendjahre gehen dahin, aber ich hoffe, es wird mir einmal doch noch zu Gute kommen.“ Sechs Tage nach dem Versand dieses Briefes waren Max, Edith und Ruth Herz tot. Man hatte sie in Malyj Trostenez ermordet.

Aus Rheinbach waren in Endenich 32 Juden interniert. 27 von ihnen mussten am 18. Juli 1942 ihre Koffer und Rucksäcke packen und wurden nach Köln gebracht, wie Rheinbachs Stadtarchivar bei der Ausstellungseröffnung berichtet. Mit über 1.100 anderen Juden aus Köln, Bonn und Umgebung wurden sie dann von Köln-Deutz aus im „Transportzug Da 219“ nach Minsk und kurz darauf zum Tötungsort Malyj Trostenez gebracht. Kein Rheinbacher Jude überlebte die Deportation. Unter den Opfern war auch das Ehepaar Benedikt und Johanna Schweitzer.

Es lebte zuletzt unter der Adresse Unterdorf 54 in Wormersdorf. Benedikt, Mitglied im Turnverein, war mit 66 Jahren der älteste Rheinbacher Jude, der in Malyj Trostenez umgebracht wurde. Von der Familie Marx aus der Langgasse kamen dort nicht nur das Ehepaar Josef und Ida Marx zu Tode, sondern auch deren Kinder Ruth, Edith und Günther. Günther war gerade einmal 10 Jahre alt. Andere Rheinbacher Familien, die unter den Opfern in Malyj Trostinez Angehörige hatten, waren die Familien Geisel, Sommer, Schwarz, Salm, Wolf, Eis, Weber und Rolef.

Bei der Eröffnung der Ausstellung betonte Bürgermeister Stefan Raetz, dass es auch 77 Jahre nach den Deportationen zur Vernichtungsstätte Malyj Trostenez immer noch wichtig sei, an diese schrecklichen Ereignisse zu erinnern. „Wir sind aufgerufen, wachsam zu sein, damit so etwas nicht mehr geschieht“, appellierte Raetz an die Zuhörer.

Anschließend erläuterte Astrid Mehmel, Leitern der Gedenkstätte Bonn und Kuratorin der Ausstellung, dass in Malyj Trostenez rund 40 – 60.000 Menschen, zumeist Juden, ermordet wurden. Dennoch ist vielen dieser Vernichtungsort unbekannt. Erst als in den 1960 er Jahren Georg Heuser, der in den 1940er Jahren als Abteilungsleiter beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Minsk arbeitete, in Koblenz vor Gericht gestellt wurde, änderte sich dies. Heuser, der nach dem Krieg Karriere machte und es bis zum Leiter des Verfassungsschutzes in Rheinland Pfalz brachte, wurde 1963 schuldig gesprochen, in Minsk/Malyj Trostenez an der planmäßigen Ermordung von 11.103 Menschen beteiligt gewesen zu sein.

Die Ausstellung ist bis zum 15. Februar im Rathausfoyer zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Am Dienstag, 12. Februar, steht die Kuratorin der Ausstellung, Astrid Mehmel, zur Verfügung, um Interessierten das Gezeigte zu erläutern. Die zwei Führungen beginnen um 15 und 17.30 Uhr.

Eine telefonische Anmeldung im Stadtarchiv Rheinbach Tel.: (0 22 26) 91 75 50 ist erforderlich. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs sind in der übrigen Zeit gerne bereit, Schulklassen oder anderen Gruppen ebenfalls vor Ort nähere Informationen zur Ausstellung zu geben. Auch hier ist eine vorherige Anmeldung beim Stadtarchiv notwendig.

Auch die Wormersdorfer Benedikt und Johanna Schweitzer wurden in Malyj Trostenez ermordet.

Auch die Wormersdorfer Benedikt und Johanna Schweitzer wurden in Malyj Trostenez ermordet. Foto: Picasa

Astrid Mehmel spricht bei der Ausstellungseröffnung zu den zahlreichen Zuhörern.Fotos: Pertz

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Julia Doll : Lieber Roman, ja absolut, sehe ich ganz genauso
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Ignaz Wrobel: Bedauerlich und fragwürdig finde ich, dass offenbar nicht die konstruktive Mitarbeit (!!!) in kommunalen Gremien zur grundlegenden Mitwirkung bei solchen Entscheidungen gesucht wird. Ich würde mich...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Dauerauftrag 2026
Werksverkauf Anhausen
Gesundheit im Blick
Gesundheit im Blick
100 Jahre Eifelverein Dernau
Empfohlene Artikel
Die Vierklässler entdecken die Römerwelt.  Fotos: Grundschule Rheinbrohl
7

Rheinbrohl. Ein außergewöhnliches Projekt voller Entdeckungen, Abenteuer und lebendiger Geschichte liegt hinter den vierten Klassen der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl. In den vergangenen Wochen verwandelte sich der Unterricht in eine kleine Römerwelt. Im Rahmen eines umfangreichen Römerprojekts tauchten die Kinder tief in das Leben der alten Römer ein und erfuhren Geschichte nicht nur aus Büchern, sondern mit allen Sinnen.

Weiterlesen

Gemeinsam mit dem Ersten Beigeordneten Hans Dieter Wirtz und dem Moderator Frank Lohse (Mitte, von links) begrüßt Bürgermeister Sven Schnieber (Mitte, rechts) die zahlreichen Teilnehmenden des Betreuungsgipfels.Foto: Stadt Meckenheim
9

Meckenheim. Aktuelle Herausforderungen im Bereich Kindertagesbetreuung zu identifizieren und tragfähige Perspektiven für eine verlässliche und qualitativ hochwertige Betreuung zu eröffnen, mit diesem Ziel hatte die Stadt Meckenheim in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) zum ersten Betreuungsgipfel U6 in den Ratssaal eingeladen. Fachkräfte aus den Kindertageseinrichtungen, Vertreterinnen...

Weiterlesen

7

Meckenheim. Steigende Temperaturen und immer häufiger auftretende Hitzewellen stellen die Städte vor neue Herausforderungen. Um die Lebensqualität auch an heißen Tagen zu stärken, startet die Stadt Meckenheim ein neues Beteiligungsprojekt im Rahmen der kommunalen Klimafolgenanpassung: Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern soll eine Cooling Spots Karte für das Stadtgebiet erstellt werden.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Meckenheim geht beim Fußverkehrs-Check mit, von links: Christoph Overs, Leiter der Geschäftsstelle und der Koordinierungsstelle Zukunftsnetz Mobilität NRW Rheinland, die städtische Mobilitätsmanagerin Liena Humke, Umweltplanerin und Mobilitätsmanagerin Nele Allerchen, Bürgermeister Sven Schnieber und der Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW Oliver Krischer. Foto: go.Rheinland GmbH / Smilla Dankert
7

Fußverkehrs-Check NRW 2026: Meckenheim ist dabei

Die Apfelstadt wurde vom Ministerium als Teilnehmerin ausgewählt

Meckenheim. Es ist die umweltfreundlichste Fortbewegungsart der Welt. Deshalb soll das Gehen in Meckenheim nun mehr Aufmerksamkeit bekommen: Beim landesweiten Wettbewerb um einen professionellen „Fußverkehrs-Check“ wurde Meckenheim vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Zukunftsnetz Mobilität NRW als teilnehmende Stadt ausgewählt.

Weiterlesen

Symbolbild.
10

Odendorf. In Odendorf wurde eine Absackung der Fahrbahn und Bürgersteige im Bereich der Hausnummern 14 bis 21 in der Odinstraße festgestellt. Um die Ursache dieser Absackung zu ermitteln und entsprechende Reparaturen durchzuführen, ist eine Vollsperrung der Odinstraße in diesem Abschnitt vom 04. bis 08. Mai erforderlich.

Weiterlesen

Die Unfallstelle auf der B327.
208

Die verunglückte Fahrerin soll einen weiteren PKW überholt haben

30.04.: Tödlicher Unfall auf der B327 - Zeugen gesucht

Gödenroth. Im Zuge der Ermittlungen zum schweren Verkehrsunfall auf der B327 haben sich Hinweise auf zwei bisher unbekannte Fahrzeugführer ergeben, die wertvolle Informationen zum Unfallhergang liefern könnten.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund um´s Haus
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Image Anzeige
Daueranzeige 2026
Titelanzeige
Rund ums Hause Mayen/Mendig
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Stellenanzeige Kaufmännische/r Angestellte/r
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Tank leer?
Erzieher
Minijob
Innovatives rund um Andernach
SB Wahlen
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 17