Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Veranstaltung des Geschichtsvereins Weißenthurm.

Marie Juchacz – eine starke Frau

30.12.2019 - 10:16

Weißenthurm. Der 13. Dezember 1919 – ein wichtiges Datum in der „großen“ wie auch in der regionalen Geschichte: In Berlin wurde die Arbeiterwohlfahrt gegründet von der Sozialpolitikerin Marie Juchacz, die von 1949 bis 1952 in Weißenthurm lebte.

Aus diesem Grund lud der „Geschichtsverein Weißenthurm“ in Zusammenarbeit mit dem AWO-Seniorenzentrum „Altes Brauhaus zur Nette“ ein zu einer Feierstunde im Marie-Juchacz-Saal der Einrichtung; denn der Geschichtsverein hatte sich auf Spurensuche begeben und wollte die Ergebnisse seiner Nachforschungen vorstellen, um die sich vor allem das Ehepaar Gertrud und Heinrich Wagner verdienst gemacht hatte.

Der Heimleiter Thomas Schuler, der Vorsitzende des Fördervereins der Einrichtung Willibald Görg und der Vorsitzende des Geschichtsvereins Gerd Heim begrüßten die Anwesenden. Besonders freuten sich die Veranstalter, dass auch eine direkte Verwandte von Frau Juchacz anwesend war: Die Großnichte Heidemarie Kanowski mit ihrem Ehemann.

Danach berichtete Gertrud Wagner den interessierten Zuhörern Daten und Fakten aus Leben und Wirken von Marie Juchacs als Sozialreformerin, Parlamentarierin und Frauenrechtlerin.

Marie Juchacz, in einfachen Verhältnissen 1878 in Landsberg an der Warthe im heutigen Polen geboren, lernte die Arbeitswelt wahrlich „von unten“ kennen: Mit 14 Jahren als Dienstmädchen, später als Fabrikarbeiterin und ungelernte Krankenpflegerin tätig, bevor sie eine Lehre als Schneiderin machte. Als ihre Ehe mit dem Schneidermeister Juchacz scheiterte, zog sie mit ihren beiden Kindern nach Berlin.

1908 trat sie in die SPD ein und war seit 1913 politisch aktiv. Als Frauensekretärin für den Parteibezirk „Obere Rheinprovinz“ in Köln kümmerte sie sich vor allem um die Textilarbeiterinnen im Raum Aachen. Sie setzte sich ein für die Heimarbeiterinnen und arbeitete in der sich verschärfenden Not im 1. Weltkrieg in der sogenannten Lebensmittelkommission. 1917 wurde sie – von Friedrich Ebert berufen – Frauensekretärin im Zentralen Parteivorstand.


Juchacz gründete in der Not die Arbeiterwohlfahrt


Die Not, die sie so kennenlernte, bewog sie dazu, 1919 die Arbeiterwohlfahrt zu gründen. Sie blieb Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt bis 1933. Gezwungen durch die Verfolgung aller Andersdenkenden im 3. Reich erreichte sie über viele Stationen der Flucht 1941 die USA, wo sie bis 1949 blieb. Auch in dieser Zeit kümmerte sie sich um die Not anderer: Sie gründete die „Arbeiterwohlfahrt USA“ mit einer doppelten Zielrichtung: Unterstützung von anderen Asylanten in den USA und die Sendung von Hilfspaketen ins kriegszerstörte Deutschland.

1949 kehrte sie nach Deutschland zurück und wohnte einige Jahre in Weißenthurm bei ihrem Sohn Paul, der Verwalter des Nette-Gutes war. Eine nette Anekdote aus dieser Zeit beschreibt, dass sie zu ihrem siebzigsten Geburtstag so viele Glückwunschbriefe und -telegramme erhielt, dass die Logistik des Weißenthurmer Postamtes fast zusammenbrach: Zwei zusätzliche Postboten mussten für dieses Jubiläum hinzugezogen werden.

Seit 1949 war sie Ehrenvorsitzende der AWO und blieb dies bis zu ihrem Tod 1956 in Düsseldorf. Auch die politische Entwicklung des ersten demokratischen Staates in Deutschland prägte sie mit. 1919 wurde sie in die Weimarer Nationalversammlung gewählt: Nach der Durchsetzung des Wahlrechtes für Frauen war sie die erste Frau, die im Parlament eine Rede hielt. Dem Reichstag gehörte sie als gewählte Abgeordnete von 1920 bis 1933 an. Dann folgten Flucht und Asyl.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland engagierte sie sich nur noch in der Arbeiterwohlfahrt. Unvergessen ist ihr Einsatz für das Frauenwahlrecht und die Gleichberechtigung der Frauen. Ihr überparteiliches Engagement würdigte ein Briefmarkensatz der Bundespost von 1959 „ 50 Jahre Frauenwahlrecht. Er zeigt sie mit der Zentrumspolitikerin Helene Weber, später CDU, und der Liberalen Marie-Elisabeth Lüders.

Im Anschluss an die Würdigung ihres Lebenswerkes überreichte Bürgermeister Gerd Heim dem Heimleiter ein Bild dieser großen Frau der Zeitgeschichte. So wird sie im „Marie-Juchacz-Saal auch optisch präsent sein.

Die Feierstunde wurde bereichert durch musikalische Beiträge von Vincent Schneider am Klavier. Eine Schautafel zu Leben und Wirken von Marie Juchacz verbleibt noch im Foyer des Seniorenheimes.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Corona Update Kreis Neuwied

Fünf neue Fälle registriert

Kreis Neuwied. im Kreis Neuwied sind fünf neue Corona-Fälle registriert worden. Die Summe aller Fälle steigt somit auf 244 an. Aktuell befinden sich 15 Personen in Quarantäne. Die vier neuen Fälle aus der Verbandsgemeinde Linz stehen im Zusammenhang mit Reiserückkehrern aus Risikogebieten. mehr...

SPD Ortsverein Lützel zur Verkehrsinsel in der Neuendorferstraße

Beschilderung wurde erweitert

Lützel. Wieder einmal kann der SPD-Ortsverein Lützel einen Erfolg für den Stadtteil auf seine Fahnen schreiben. Vor Kurzem stellte die SPD die Anfrage, für eine erweitere Beschilderung an der Verkehrsinsel in der Neuendorferstraße, da häufig Autofahrer trotz der Verkehrszeichen „Rechts fahren“ und „Durchfahrt verboten“ verbotswidrig falsch links gefahren sind und somit als Geisterfahrer ein Risiko für andere Autofahrer darstellten. mehr...

Weitere Berichte
Weiter dringender Handlungsbedarf vorhanden

Kita-Plätze in Koblenz

Weiter dringender Handlungsbedarf vorhanden

Koblenz. „Die ausreichende Versorgung der Koblenzer Familien mit Kita-Plätzen ist ein Thema, das die Fraktion sehr umtreibt. Der Kindergartenplatz ist sehr oft die beherrschende Frage bei vielen Eltern“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Marion Lipinski-Naumann. mehr...

„Gemeinsam schaffen wir es“

Bernd Schmitz hat zum 1. August die Leitung der Thermen übernommen

„Gemeinsam schaffen wir es“

Bad Breisig. In der jüngsten Sitzung des Werksausschuss Eigenbetriebe wurde der neue Geschäftsführer der Römerthermen-Betriebsführungsgesellschaft mbH vorgestellt, der jetzt seine Tätigkeit aufgenommen hat. mehr...

Politik

SPD-Ortsverein Breisiger Land

Mitgliederversammlung

Bad Breisig. Der SPD-Ortsverein Breisiger Land lädt zu seiner nächsten Mitgliederversammlung am Montag, 10. August um 19 Uhr im Rheinhotel Vier Jahreszeiten in Bad Breisig ein. mehr...

Sport
Starke Aufholjagd wird
mit Unentschieden belohnt

SG Niederzissen/Wehr startet Vorbereitung gegen SG Maifeld mit einem 2:2

Starke Aufholjagd wird mit Unentschieden belohnt

Niederzissen/Wehr. Im ersten Vorbereitungsspiel zur neuen Saison traf die 1. Mannschaft der SG Niederzissen/Wehr in Niederzissen auf den A-Klassenaufsteiger SG Maifeld. Aktive und Zuschauer wurden dabei von einem Hygiene Konzept begleitet, welche den aktuellen behördlichen Vorschriften entsprach. mehr...

Der TC Rheinbrohl lädt ein:

Rheinbrohl spielt Tennis

Rheinbrohl. Die Freiluft Saison ist in vollem Gange. Wie auch in den vergangenen Jahren lädt der Tennisclub Rheinbrohl am Samstag, 8. August, zu einem Aktionstag „Rheinbrohl spielt Tennis“. Auf der Anlage... mehr...

Lesen Sie Jetzt:
Umfrage

Debatte in Bundesländern um Abschaffung der Maskenpflicht - Was sagen Sie?

Nein, auf keinen Fall.
Ja, ich bin dafür.
Lieber eine Empfehlung statt Pflicht.
4059 abgegebene Stimmen
aktuelle Beilagen
 
Kommentare
Jean Seligmann:
Frau Dreyer kann gut zur Deeskalation aufrufen, hinter ihrem "Schutzwall" aus Personenschützer. Wer schützt die Bevölkerung? Vielleicht die Polizei? Das ist die gleiche Chuzpe wie die Aussage der Kölner Oberbürgermeisterin Fr. Reker "eine Armlänge Abstand"! Beide übrigens in der nicht mehr realitätsnahen SPD!
Gabriele Friedrich:
Es soll mir mal einer erklären, warum die Kinder nicht *sofort* weggelaufen sind oder das Handy gezückt haben. In dem Alter wissen die Kinder, was zu tun ist, zumal sie zu dritt waren. Also liebe Eltern - und was hatten die Kids auf einem Wirtschaftsweg zu suchen ? Ich wußte schon als kleines Kind, das ich wegzulaufen habe, wenn Fremde was von mir wollen. Das Entblößen des Mannes ist also sexueller Mißbrauch. Ich dachte, es sei Exibitionismus. Aber gut, man lernt ja immer was dazu. Lasst eure Kinder nicht alleine los ziehen, der Sonntag ist Familientag ! Also ran an die Sitten und Bräuche.

Bengalfeuer im Festsaal entzündet

Gabriele Friedrich:
Immer wieder erstaunlich, wie dämlich doch die Leute sind.
Service
LESETIPPS
GelesenEmpfohlen
Anzeige Online bestellen

Geben Sie Ihre Anzeige in wenigen Schritten einfach selbst auf - Rund um die Uhr auf unserer Online-Anzeigenaufgabe! Wählen Sie hier einfach die passende Rubrik aus.