Allgemeine Berichte | 07.04.2020

Eine Ostergeschichte von Gregor Schürer aus Heimersheim

Max Mümmel, ein Virus und das Osterlachen

Auch der Osterhase hat nun eine schwierige Zeit. Foto: privat

Für die Hasenfamilie Mümmel schien Ostern schon vorbei, bevor es überhaupt angefangen hatte. Zwar hatten Vater und Mutter Mümmel mit Hilfe der drei Hasenkinder - dem großen Moritz, der mittleren Melanie und dem kleinen Max – in den Wochen vor dem Fest alle Vorbereitungen getroffen: Die Eier bei den Hühnern vom Bauer Grantelhuber eingesammelt, gekocht und gefärbt. Alles war sortiert und wartete darauf, rechtzeitig auf der großen Blumenwiese in die Nester gelegt zu werden, damit die Kinder am Morgen des Ostersonntags danach suchen konnten.

Doch dann kam alles anders. Ein Virus breitete sich im Mümmelland aus, das besonders ansteckend war. Am Karfreitag lag die ganze Hasenfamilie abends zusammen in der Sasse und ruhte sich aus. Da ergriff Papa Mümmel das Wort: „Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten.“ „Was ist denn genau passiert“, wollte der kleine Max wissen. „Ich weiß es“, warf der schlaue Moritz ein, „Schuld daran ist die Pandemie.“ „Was ist denn Pandemie?“ wollte Mäxchen wissen. „Das ist, wenn man jemanden nachmacht und alle lachen“, meinte Melanie. „Nein“, schmunzelte der Vater, „das nennt man Parodie. Pandemie ist, wenn eine Krankheit ganze Landstriche oder Länder erfasst, man sagt auch Seuche.“ „Ist das eigentlich auch für uns gefährlich?“, fragte Melanie. „Nein, das kriegen wir Hasen nicht. Aber für die Menschen, besonders für Kranke und Ältere, ist es schlimm. Deshalb dürfen die Kinder nicht mehr in den Kindergarten und die Schule. Alle, auch die Erwachsenen, sollen möglichst zu Hause bleiben, auch keine Besuche mehr machen. Sogar die Spielplätze wurden geschlossen. Und vielleicht kommt bald sogar noch eine Ausgangssperre. Dann dürfen die Menschen nur noch vor die Tür, wenn sie etwas ganz Wichtiges zu erledigen haben.“

„Ist denn das Eiersuchen etwas ganz Wichtiges?“ fragte Max. „Ich fürchte nein“ antwortete die Mutter. „Dann kommen gar keine Kinder auf die Wiese, hüpfen im Gras herum und rufen, wenn sie was gefunden haben?“ hakte Melanie nach. „Wahrscheinlich nicht“, seufzte Mama Mümmel.

Das Ostergelächter

Betroffen schwiegen alle. Bis Max plötzlich sagte: „Das ist alles so traurig, Papa. Kannst Du nicht etwas von früher erzählen, etwas Lustiges, das Du an Ostern erlebt hast? Du sagst doch immer, lachen ist gesund!“ Vater Mümmel musste eine Weile überlegen. Doch plötzlich strahlte sein Hasengesicht und er antwortete: „Da fällt mir tatsächlich etwas ein. Es ist ein ganz alter Brauch, den es früher vor allem in Bayern gab und der in Vergessenheit geraten ist, das Ostergelächter. Im Gottesdienst wurden die Besucher bei der Predigt zum Lachen gebracht.“ „Warum hat man das denn gemacht?“ fragte Melanie. „Die Botschaft war: Christus ist auferstanden, der Tod ist besiegt, der Teufel hat nichts mehr zu lachen, die Erlösten umso mehr.“ erklärte der Vater. „Und ich habe es selbst erlebt, als ich noch ein kleiner Hase war. An einem herrlich sonnigen Ostersonntag bin ich mit eurem Opa an einer Kapelle vorbei gehoppelt, als wir aus der Kirche lautes Gelächter hörten. Neugierig schlichen wir zur Tür, die einen Spalt offen stand. Drinnen stand der Pastor auf der Kanzel und fragte die Gläubigen: Wollt ihr noch einen Witz hören? Auf ein vielstimmiges Ja fuhr er fort: Der neue Pfarrer hat gerade sein Büro bezogen, als der Küster hereinkommt. Na, besser, ich verschaffe mir gleich Respekt, denkt er, nimmt den Telefonhörer in die Hand und spricht: Ja, Herr Bischof, genauso werde ich es machen. Und nochmals vielen Dank für ihre Gratulation, schönen Gruß an meinen Freund, den Kardinal. Danach legt er auf und fragt den Küster: Und, was kann ich für Sie tun? Nichts, Herr Pastor. Ich will nur Ihr Telefon anschließen….“

Alle Mümmels mussten lachten, am meisten der Papa selbst, da war die Stimmung in der Hasenfamilie gleich besser. „Mir ist auch etwas eingefallen“, sagte Moritz. „Ich habe vorgestern die Menschenkinder belauscht und gehört, wie die Eva von nebenan zu ihrer Mama gesagt hat: Wenn ich die Großmutter schon nicht mehr besuchen darf, kann ich doch wenigstens die Einkäufe für sie erledigen, ich hab ja Zeit, weil ich nicht ins Gymnasium gehen darf. Ich lege ihr einfach den Korb mit den Lebensmitteln vor die Haustüre. So könnten wir es doch auch mit den Eiern machen!“ „Du bist ein kluger Junge“, lobte ihn die Mutter. „Das ist eine großartige Idee. Wir kennen ja unser Dorf und wissen, wo Kinder wohnen. Da legen wir dieses Jahr die Osternester nicht wie sonst auf die Blumenwiese, sondern einfach direkt bei den Familien vor die Türe.“ „Ostern ist gerettet“, sagte Papa Mümmel erleichtert, „wenn man sich gegenseitig hilft, zusammen hält und auch in schweren Zeiten gemeinsam lacht. Daran kann kein Virus der Welt etwas ändern.“

Wer noch mehr vom Max Mümmel lesen möchte: Die Geschichten rund um den kleinen Hasen sind erhältlich im Buchhandel oder direkt bei BoD erhältlich, auch als E-Book.

ISBN-13: 9783741260544

Auch der Osterhase hat nun eine schwierige Zeit. Foto: privat

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