Das sind die Pläne für den Landkreis MYK im Jahr 2026: Kreisverwaltung beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Haushaltsplan
Mayen-Koblenz investiert in eine starke Zukunft
Kreis MYK. Das neue Jahr hat gerade erst begonnen – ein guter Anlass, um einen Ausblick auf die finanzielle Lage sowie die Handlungsspielräume des Landkreises Mayen-Koblenz zu geben. Landrat Marko Boos hat erstmals den Kreishaushalt in den Kreistag eingebracht und bezeichnete diesen Schritt als Ehre, zugleich aber auch als große Verantwortung. Im Mittelpunkt seiner Einbringung standen bewusst die Haushaltszahlen, die einen unverfälschten Überblick über die aktuelle finanzielle Situation des Kreises geben. Auch wenn der Haushalt nicht ausgeglichen ist, bildet er die zentrale Grundlage für die Planung des neuen Jahres. Er zeigt auf, wo die finanziellen Grenzen liegen – aber auch, wo trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin gestaltet, investiert und Verantwortung übernommen werden kann. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:
Wie stellt sichder Haushalt dar?
Der Ergebnishaushalt 2026 weist ein Defizit von 23,4 Millionen Euro aus. Damit handelt es sich um den bislang höchsten Fehlbetrag in der Geschichte des Landkreises. Ausgangspunkt der Haushaltsaufstellung war ein Minus von 47,4 Millionen Euro. Durch einen konsequenten Konsolidierungskurs, der abteilungsübergreifend umgesetzt wurde, konnten Budgets gekürzt, Projekte verschoben oder gestrichen und sämtliche finanziellen Puffer aufgegeben werden. Trotz dieser erheblichen Anstrengungen konnte der Haushaltsausgleich nicht erreicht werden.
Wie entwickelt sichder Finanzhaushalt?
Auch der Finanzhaushalt ist nicht ausgeglichen. Der Saldo der laufenden Ein- und Auszahlungen beträgt minus 16,3 Millionen Euro. Bei den Investitionen ergibt sich ein negativer Saldo von 13,5 Millionen Euro, der über Investitionskredite finanziert werden muss. Während Investitionskredite der Schaffung dauerhafter Werte dienen, ist insbesondere die Entwicklung der Liquiditätskredite, kurzfristige Kredite, um vorübergehende Zahlungsengpässe zu überbrücken, kritisch zu bewerten.
Warum sind dieLiquiditätskredite besondersproblematisch?
Zur Sicherstellung der laufenden Zahlungsverpflichtungen muss der Landkreis neue Liquiditätskredite in Höhe von 19,9 Millionen Euro aufnehmen. Eine Tilgung ist nicht möglich. Der Höchstbetrag der Liquiditätskredite wurde auf 200 Millionen Euro festgesetzt, um Pflichtauszahlungen wie Sozialhilfe, Jugendhilfe oder Bauunterhaltung sicherstellen zu können.
Welche Folgen hat dieHaushaltslage für dasEigenkapital des Landkreises?
Die Entwicklung des Eigenkapitals verdeutlicht die strukturelle Problematik. Ende 2023 lag das Eigenkapital noch bei plus 9,7 Millionen Euro. Nach aktueller Planung wird es bis zum Jahr 2029 auf minus 165 Millionen Euro anwachsen. Die Schulden werden damit die Vermögenswerte deutlich übersteigen. Landrat Boos stellte klar, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Effekt handelt, sondern um ein strukturelles Problem, das viele Kommunen betrifft.
Wo liegen die Ursachen der finanziellen Schieflage?
Nach Einschätzung des Landrats liegt kein klassisches Einnahmeproblem vor, sondern ein Systemproblem. Die Kommunen erhalten für die ihnen von Bund und Land übertragenen Aufgaben nicht die erforderliche finanzielle Ausstattung. Die kommunale Ebene ist zur Umsetzung verpflichtet, verfügt jedoch nicht über die notwendigen Steuerungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.
Welche Rollespielen Sondermittel?
Für das kommende Jahr werden Mehrerträge in Höhe von 23,5 Millionen Euro erwartet, insbesondere durch Sondermittel des Landes in Höhe von 15,5 Millionen Euro. Diese Mittel tragen einmalig zur Entlastung bei, stellen jedoch keine dauerhafte Lösung dar. Auch Investitionsmittel aus Sonderprogrammen können Investitionen ermöglichen, haben jedoch keinen nachhaltigen Einfluss auf die strukturelle Haushaltslage oder die Entwicklung des Eigenkapitals.
Wie entwickelt sichdie Kreisumlage?
Die Kreisumlage bleibt das zentrale Instrument zur Einnahmesteuerung. Landrat Boos hat daher eine maßvolle Anhebung um 0,42 Prozentpunkte auf 47 Prozent vorgeschlagen. Ziel ist es, die Genehmigungsfähigkeit des Haushalts zu verbessern. Erste Gespräche mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion verliefen positiv.
Welche Ausgabenbereiche bereiten die größten Sorgen?
Besonders problematisch sind weiterhin drei Bereiche:
• die Kostensteigerungen im ÖPNV und in der Schülerbeförderung,
• der Sozialbereich, insbesondere die Eingliederungshilfe,
• sowie der Kita- und Jugendbereich.
Diese Bereiche sind weitgehend gesetzlich vorgegeben und für den Kreis nur sehr eingeschränkt steuerbar. Der Sozialetat verschlechtert sich weiter und weist inzwischen ein Defizit von über 84 Millionen Euro aus. Die Eingliederungshilfe überschreitet erstmals die Marke von 100 Millionen Euro an Aufwendungen.
Wird trotz der Lageweiter investiert?
Trotz der angespannten Finanzsituation investiert der Landkreis konsequent weiter in zentrale Zukunftsbereiche.
Schulen und Bildung: Für Investitionen an den kreiseigenen Schulen sind 2,9 Millionen Euro für Neubauten, Sanierungen und Ausstattung vorgesehen, ergänzt um 4,1 Millionen Euro für die laufende Instandhaltung zur Sicherung moderner Lernbedingungen. Schwerpunkte sind die Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume an der St. Thomas Realschule plus Andernach sowie an der Realschule plus und Fachoberschule Mendig. Zudem wird die Fenstersanierung an der August-Horch-Berufsbildenden Schule Andernach fortgeführt sowie der Umbau und die Erweiterung der Genoveva-Schule Mayen zur Schaffung barrierefreier und bedarfsgerechter Räume begonnen. Ergänzend ist die Erneuerung des Hallenbodens der Kreissporthalle am Kurfürst-Salentin-Gymnasium Andernach vorgesehen.
Katastrophenschutz: Ein weiterer zentraler Schwerpunkt der Investitionen ist der Neubau eines Katastrophenschutzzentrums in Mendig, für den rund 5,8 Millionen Euro eingeplant sind. Mit diesem Zentrum sollen die Einsatzkräfte bei Notfällen und Krisen noch schneller und effektiver arbeiten können. Das Projekt ist eine direkte Lehre aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, in denen Naturkatastrophen und andere Krisen die Wichtigkeit gut ausgestatteter Schutz- und Rettungseinrichtungen deutlich gemacht haben. Darüber hinaus sind 200.000 Euro im Haushalt für Planungsleistungen vorgesehen, um den Neubau der Integrierten Leitstelle Koblenz vorzubereiten. Die Leitstelle koordiniert im Notfall alle Rettungseinsätze und trägt so entscheidend zur Sicherheit der Bevölkerung bei. Mit diesen Maßnahmen wird die Einsatzfähigkeit der Rettungskräfte gestärkt und gleichzeitig die langfristige Sicherheit für die Menschen in der Region verbessert.
Kinder- und Jugendhilfe: Ab 2026 entstehen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe zusätzliche laufende Ausgaben von rund 1,9 Millionen Euro. Dieses Geld wird jedes Jahr benötigt, um das Ganztagsförderungsgesetz umzusetzen. Der Landkreis finanziert damit den laufenden Betrieb der ganztägigen Betreuungs- und Förderangebote, zum Beispiel für Personal und Organisation. So wird sichergestellt, dass alle Kinder und Jugendlichen von diesen Angeboten profitieren können – auch wenn Bund und Land die entstehenden Kosten nicht vollständig übernehmen. So erfüllt der Landkreis Mayen-Koblenz einen wichtigen gesetzlichen Auftrag und unterstützt Familien aktiv bei Bildung und Betreuung.
Familienunterstützung: Um die ständig wachsenden Aufgaben erfüllen zu können, plant der Landkreis für 2026 insgesamt 12,25 neue Stellen. Besonders wichtig sind dabei fünf neue Stellen in der sozialpädagogischen Familienhilfe. Mit diesen Stellen kann der Landkreis die Betreuung und Unterstützung von Familien selbst steuern, die Qualität der Hilfe verbessern und langfristig Kosten sparen.
Digitalisierung und Verwaltung: Ergänzend investiert der Landkreis weiter in die Digitalisierung, in sichere IT-Systeme und in moderne Verwaltungsstrukturen. Ziel ist es, die Arbeit der Verwaltung effizienter zu gestalten, Abläufe zu vereinfachen und den Service für alle Mayen-Koblenzer zu verbessern. Gleichzeitig sorgen diese Maßnahmen dafür, dass der Landkreis Mayen-Koblenz als Arbeitgeber attraktiv bleibt und qualifizierte Mitarbeitende gehalten oder gewonnen werden können. So wird die Verwaltung fit für die Zukunft und kann die Menschen in der Region noch besser unterstützen.
Pressemitteilung
Kreisverwaltung Mayen-Koblenz
