Stadt sieht gute Ausgangslage für klimaneutrale Wärmeversorgung – Bürgerbeteiligung bis Anfang März
Mayen stellt Wärmeplan vor: Fernwärmeausbau, Wärmepumpen und erneuerbare Energien im Fokus
Mayen. Mit der Erweiterung des bestehenden Fernwärmenetzes im Stadtkern, der Umstellung von Gas- und Ölheizungen auf Wärmepumpen sowie dem Bau von Windkraft- und Solaranlagen kann die Stadt Mayen die gesteckten Klimaziele erreichen. Das ist das zentrale Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung, die jetzt fertig auf dem Tisch liegt. Vor dem Beschluss des Stadtrats haben die Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, den Plan einzusehen.
Gute Ausgangslage
Im Rahmen einer Informationsveranstaltung stellten Vertreter der Energieversorgung Mittelrhein (evm) und des Beratungsunternehmens endura kommunal die Ergebnisse im Sitzungssaal des Rathauses detailliert vor. Zu Beginn wies Oberbürgermeister Dirk Meid darauf hin, dass die Stadt Mayen aufgrund eines bereits bestehenden Fernwärmenetzes eine gute Ausgangslage hat. „Wir haben schon eine zukunftsfähige Infrastruktur, die wir gezielt ausbauen können“, erklärte Meid.
Die Herausforderungen sind dennoch groß, wie Hubertus Hacke-Dietze von der evm betonte: 87 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet werden mit fossilen Energieträgern beheizt, 68 Prozent davon mit Erdgas und 15 Prozent mit Öl. Auch die Alter der Gebäude sowie der Heizungsanlagen spielt eine große Rolle, wenn es um die Frage geht, wie und wie schnell eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu realisieren ist. 80 Prozent der Gebäude wurden vor 1978 gebaut, und fast 40 Prozent der Heizungen sind bereits älter als 20 Jahre und haben damit die technische Lebensdauer überschritten.
Abwärme als Chance
Wie also kann die Transformation gelingen? Die entsprechende Strategie stellte Jochen Brosi von endura kommunal auf Basis umfangreicher Datenauswertungen vor. Dabei kann Mayen von einer örtlichen Besonderheit profitieren: Die ansässige Papierfabrik bietet ein großes Abwärmepotenzial, das schon seit vielen Jahren für die Fernwärmeversorgung genutzt wird. Ein Ausbau ist angeraten und möglich, wie Jochen Brosi ausführte. Auch die Nutzung der Abwärme der Biogasanlage Kürrenberg kann für weitere Nahwärmeleitungen im dortigen Stadtteil genutzt werden. Im Fokus stehen demnach die Erweiterung der Fernwärme im Stadtkern und im Schulareal sowie in Kürrenberg.
Individuelle Lösungen für weitere Stadtgebiete
In den übrigen Stadtgebieten, die sich nicht für Fernwärme eignen, geht es um individuelle Lösungen für die jeweiligen Gebäude. In vielen Fällen ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe das Mittel der Wahl. Auch Solarthermie könnte zum Einsatz kommen. Neben dem reinen Umstieg auf klimaneutrale Wärmelösungen geht es aber auch um die Reduzierung des Energiebedarfs, wie die Planer von evm und endura im Wärmeplan festhalten. Der Umstieg auf moderne, effiziente Heizarten verringert dabei den Energiebedarf ebenso wie die Sanierung von Gebäuden, etwa durch eine Verbesserung der Dämmung. Notwendig ist laut Plan eine Sanierungsquote von jährlich zwei Prozent oder umgerechnet 120 Gebäuden im Jahr. Um den zusätzlichen Strombedarf für den Betrieb von Wärmepumpen zu decken, sieht der Wärmeplan zudem einen Ausbau der erneuerbaren Energie aus. Hier haben die Berater gute Potenziale für den Bau von Wind- und Solaranlagen festgestellt.
Bürgerfragen: Fernwärmeausbau und Zukunft des Erdgasnetzes
In der anschließenden Fragerunde drehten sich die meisten Fragen der Bürgerinnen und Bürger um die Erweiterung der Fernwärme. Rolf Schäfer, Geschäftsführer der Fernwärmeversorgung Mayen, bat um Verständnis, dass nicht alle Anschlusswünsche kurzfristig erfüllt werden können. Der Netzausbau schreitet jedoch kontinuierlich voran. Über die detaillierten Pläne kann man sich über die Internetseite www.fernwaerme-mayen.de informieren. Die Bürger wollten darüber hinaus auch wissen, wie es mit dem Erdgasnetz weitergeht und ob es schon Pläne gibt, dieses sukzessive stillzulegen. Der Unternehmenssprecher der evm, Marcelo Peerenboom, erklärte hierzu, dass das Erdgasnetz weiter zuverlässig betrieben wird und keine Pläne für die Stilllegung von Netzteilen existieren. „Keiner weiß, in welchem Tempo Kunden von Erdgas auf andere Lösungen umstellen. Daher können wir auch noch nicht sagen, wann sich in einzelnen Netzgebieten die Frage stellt, ob ein Weiterbetrieb noch sinnvoll ist. Auf jeden Fall werden wir uns hierzu zu gegebener Zeit eng mit der Stadt abstimmen und auch sehr frühzeitig informieren. Der Gesetzgeber plant hierzu eine Ankündigungsfrist von zehn Jahren“, so Peerenboom.
Individuelle Beratung durch Experten
Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre individuellen Fragen mit Experten zu besprechen. Hierfür standen neben Rolf Schäfer von der Fernwärmeversorgung die Energieberater Hubertus Müller, Axel Schäfer und Patrick Klode zur Verfügung. Weitere Gesprächspartner waren Marc Hermes und Richard Wilmshöfer von der Firma Grauel + Werth, die ein Nahwärmenetz in Kürrenberg betreibt.
Beschluss am 25. März
Klimaschutzmanager Helge Lippert kündigte an, dass der Entwurf des kommunalen Wärmeplans vom 21. Januar bis 2. März öffentlich im Rathaus ausliegt und auch auf der Internetseite der Stadt nachzulesen ist. Der formelle Beschluss des Stadtrats soll am 25. März erfolgen.
Nähere Informationen im Internet unter www.mayen.de/klimaschutz.
Pressemitteilung Stadt Mayen
