Einblick in das Buddhistische Zentrum im Herzen von Koblenz
„Meditieren verändert das Leben zum Positiven“
Koblenz. Die Geschichte der viertgrößten Weltreligion, des Buddhismus, hat ihre Wurzeln in Nordindien und ist 2.500 Jahre alt. Ihr Begründer, Siddhartha Gautama (563 bis 483 v. Chr.), verbreitete nach seiner Erleuchtung 45 Jahre lang als Buddha (Erleuchteter) die buddhistische Lehre. Seit Beginn der 1970er-Jahre findet der Buddhismus zunehmend Anhänger auch in der westlichen Welt. In Koblenz sind buddhistische Gruppen etabliert, in denen vorwiegend japanischer, tibetischer und vietnamesischer Buddhismus der verschiedensten Traditionen praktiziert wird.
Eine der vier großen buddhistischen Schulen Tibets ist die vor rund eintausend Jahren entstandene Karma Kagyü-Linie („Kagyüs“), die den Diamantweg lehrt, der mit der höchsten Sichtweise im Buddhismus arbeitet. In dieser Tradition steht das „Buddhistische Zentrum Koblenz“ in der Bahnhofstraße 1. Es ist eines von über sechshundert ausschließlich von ehrenamtlich agierenden Laienbuddhisten – das heißt die Praktizierenden sind keine Mönche oder Nonnen, sondern Menschen, die Mitten im Leben stehen – betreuten Zentren dieser Linie, die ab 1972 von dem Dänen Ole Nydahl und seiner Frau Hannah gegründet wurden. Die beiden waren die ersten westlichen Schüler des 1981 verstorbenen 16. Karmapa und trugen entscheidend zur Verbreitung des Diamantweg-Buddhismus in der westlichen Welt bei. Karmapa ist der Titel der spirituellen Oberhäupter der Kagyüs. Das derzeitige Oberhaupt, der 17. Karmapa Trinley Thaye Dorje, ist als Wiedergeburt des 16. Karmapa anerkannt. Die Meditation auf den 16. Karmapa wurde vom ihm selbst an Lama Ole Nydahl übergeben, um diese im Westen zu lehren.
Zusammenkunft in lockerer Atmosphäre
Wie an jedem zweiten Freitagabend im Monat steht vor der Meditation heute eine Einführung in den Buddhismus auf dem Programm. Zunächst sitzen die etwas mehr als zehn Teilnehmer in lockerer Atmosphäre im Aufenthaltsraum am Tisch zusammen, trinken Tee und plaudern miteinander.
Im Gespräch mit Sven wird deutlich, dass die Wiederholung ein zentrales Prinzip der buddhistischen Methoden ist, insbesondere auch in der Meditation, damit das Wissen nicht nur im Kopf bleibt, sondern auch zur Erfahrung wird. Der älteste in der Gruppe ist ein 68 Jahre alter Pole. Früher habe er einmal den Zen-Buddhismus praktiziert. Nach dreißigjähriger Pause habe er jetzt zum Diamantweg-Buddhismus gefunden. Natalie dagegen gehört seit 15 Jahren dem buddhistischen Zentrum Koblenz an. Die Ganzheitlichkeit der Religion und die Meditation haben sie überzeugt. Bei Barbara war es zuerst das autogene Training, das aber nicht das gewünschte Ergebnis brachte. Im Buddhistischen Zentrum hingegen hatte ihr die angenehme Atmosphäre auf Anhieb zugesagt. Nachdem sie die Meditation ausprobiert hat, ist sie heute davon überzeugt, dass das Meditieren ihr Leben zum Positiven verändert hat. Eine Viertelstunde tägliches Meditieren sei sehr sinnvoll, um den Geist zu beruhigen und Klarheit entstehen zu lassen. Ein anderer Teilnehmer verdeutlicht dies am Beispiel eines trüben Wasserglases, dass man zur Ruhe kommen lässt. Wie sich das trübe Wasser mit der Zeit klärt, wird auch der Geist durch Meditation allmählich bewusster.
Weisheit und Mitgefühl für andere entwickeln
Jemand anders ergänzt: „Meditieren ermöglicht uns darüber hinaus, sinnvolles Verhalten zu entwickeln und sich aus alten Mustern und Gewohnheiten zu lösen.“
Mit der regelmäßigen Meditationspraxis entwickele man Mitgefühl und Weisheit für andere und sich selbst. Dies sei einer der Gründe, warum man zum Beispiel mit Konflikten besser umgehen könne als früher. Der Buddhismus ist eine Lehre der Freiheit, die die Selbstverantwortung in den Vordergrund stellt. Ursache und Wirkung, sagt der Buddhist, ist die Grundlage zu persönlicher Freiheit und Verantwortung gegenüber allen Lebewesen. Deshalb sei es wichtig, bringt Sven ein, die buddhistische Lebensweise auch nach der Meditation im Alltag umzusetzen. Speziell für den Diamantweg-Buddhismus gilt, dass alle Wesen das Potenzial für die volle Entfaltung des Geistes bereits in sich tragen und es nur noch erkennen müssen. Nachdem Gespräch geht es nun in den Meditationsraum. Im Mittelpunkt des Raumes befindet sich ein Altar mit Buddha-Statuen. Darüber hängen Fotos des 16. und 17. Karmapa sowie eines von Lama Ole Nydahl. Jeder Teilnehmer setzt sich mit einem Meditationskissen auf den Boden. Die Meditation auf den 16. Karmapa wird laut vorgelesen. Nach einer halben Stunde endet diese. Interessierte sind eingeladen, jederzeit an einer Meditation teilzunehmen oder sich im „Einführungsvortrag“ über Buddhismus zu informieren. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine der zahlreichen Vortragsveranstaltungen in anderen Buddhistischen Zentren, wie in Mainz, Frankfurt oder Trier, zu besuchen. Wer den westlichen Lehrer Lama Ole Nydahl kennenlernen möchte, hat die Möglichkeit, vom 12. bis 17. April in den Messehallen von Kassel am „Deutschlandkurs – Das große Siegel“ teilzunehmen. Der umfangreiche Vortrags- und Meditations-Kurs erfährt in jedem Jahr großen Zulauf. BSB
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