Allgemeine Berichte | 08.06.2016, 12:56 Uhr

Unwetterkatastrophe in der Gemeinde Wachtberg

Mehlemer Bach und Godesberger Bach traten über ihre Ufer

Vier wichtige Brücken wurden weggeschwemmt und legen für Monate den Verkehr lahm

Die Feuerwehr ist unermüdlich im Einsatz. privat
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Wachtberg. So hoch wie am Wochenende waren weder der Mehlemer Bach noch der Godesberger Bach seit Menschengedenken über ihre Ufer getreten. Das berichtete der Erste Beigeordnete der Gemeinde Wachtberg, Jörg Ostermann, bei einer Pressekonferenz im Berkumer Rathaus. Für die Gemeindeverwaltung sei angesichts der Unwetterkatastrophe auch der Sonntag praktisch ein ganz normaler Arbeitstag, schließlich wolle man versuchen, die Folgen der Überschwemmung so rasch wie möglich wieder zu beseitigen. Doch manches werde vermutlich Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern. Ein Gewitter am Samstagnachmittag verursachte nämlich auch in Wachtberg erhebliche Schäden. Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) zog eine erste Bilanz: „Dieser jüngste Starkregen war in seinen Auswirkungen noch gravierender als das Ereignis im Sommer 2010.“ Innerhalb von weniger als zwei Stunden seien insbesondere in den Höhenlagen stellenweise über 100 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen, weite Flächen waren in kürzester Zeit überspült. Betroffen seien diesmal besonders die Ortschaften Fritzdorf, Arzdorf, Adendorf und Werthhoven sowie Villip, Pech und Niederbachem.

Vier Brücken beschädigt

Leider seien durch den Starkregen insgesamt vier Brücken so stark beschädigt worden, dass aller Voraussicht nach komplette Neubauten erforderlich werden. Die Wiederherstellungen werden jeweils mindestens acht Monate, wahrscheinlich aber eher anderthalb Jahre in Anspruch nehmen. „Eine kaputte Brücke ist nun mal nicht so eben wieder hergestellt, beim Bau und der Planung sind eine Menge Belange zu berücksichtigen“, wusste Ostermann, der auch den Krisenstab geleitet hatte. So sei die Landstraße 123 zwischen Berkum und Arzdorf vollkommen für den Verkehr gesperrt. Dort habe das Wasser die Landstraße derart unterspült, dass sie nicht mehr befahrbar sei. Dabei handelt es sich um eine der Hauptverkehrsadern der Gemeinde. In Pech sei die Hauptstraße heftig geschädigt, eine Ortsdurchfahrt derzeit nicht möglich, denn die Brücke am Pecher Ortsausgang nach Villip sei ebenfalls zerstört. Das gleiche gelte für die Brücke „Grüner Weg“ in Pech, und auch die Brücke zur Ölmühle zwischen Pech und Villip habe es getroffen. Derzeit prüfe man Behelfslösungen, wenigstens für Fußgänger. Eine Behelfsbrücke ist in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk und der Bundeswehr bereits verlegt worden.

Private Vorkehrungen der Anwohner zeigten Wirkung

Im Vergleich zu den beiden Starkregenereignissen der Jahre 2010 und 2013 war diesmal neben dem damals vorrangig betroffenen Mehlemer Bach auch der Godesberger Bach stark angeschwollen. Die in den vergangenen Jahren durchgeführten Maßnahmen am Mehlemer Bach hätten sich bewährt, so Ostermann, und auch die privaten Vorkehrungen der Anwohner besonders in Niederbachem hätten Wirkung gezeigt. Dennoch machte Ostermann deutlich: „Technisch kann man sich vor derart massiven Niederschlagsmengen in solch kurzer Zeit nicht schützen.“

Wehrleiter Markus Zettelmeyer seinerseits war froh, dass keine Personen zu Schaden gekommen seien. Die Sachschäden jedoch seien immens, wenn man auch die endgültige Schadenssumme noch lange nicht kenne. Nicht nur die Infrastruktur der Gemeinde sei in Mitleidenschaft gezogen worden, auch einige Bürger habe es hart getroffen. „Am Samstagnachmittag um 14.28 Uhr ging der erste Notruf ein – Wasser im Keller eines Hauses in Fritzdorf. Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes allerdings ging erst drei Minuten später ein, da waren die Einsatzkräfte schon in Alarmbereitschaft“, schilderte Zettelmeyer, wie überraschend die Situation gekommen sei. Binnen kürzester Zeit summierte sich die Zahl der eingehenden Schadensmeldungen auf 180 bis 200, die die Feuerwehr in mehrere Einsatzabschnitte einteilte. Rasche Unterstützung erhielt sie von den Wehren aus Alfter, St. Augustin, Rheinbach, Troisdorf und Bornheim, insgesamt waren etwa 200 Kräfte im Einsatz.

„Die Kooperation und Koordination hat sehr gut geklappt“, lobte Zettelmeyer. Zeitweise seien sogar Helfer der DLRG und der Wasserwacht mit Booten und Tauchern dabei gewesen, um gegebenenfalls Menschen zu retten, die sich nicht nur aus den Fluten befreien können. „Dies war zum Glück jedoch nicht erforderlich.“ Morgens gegen 4.30 Uhr endete der Großeinsatz. Auch am Sonntag wurden noch kleinere Stellen im Nachgang abgearbeitet.

Gerade erst saniert, schon wieder weggespült

Der Mehlemer Bach, der schon bei früheren Starkregenereignissen ein reißender Strom wurde, hatte erst im Frühjahr zwischen Ober- und Niederbachem ein neues Bett erhalten. 300 000 Euro kostete diese Sanierung, teilweise wurde sie am Samstag aber schon wieder weggespült. Die größte Wirkung versprechen sich Wachtberg und Bonn vom Entlastungskanal in Mehlem von der Bachemer Straße bis zum Rhein. Er soll Anfang 2018 fertig sein. Der Kanal soll nach Angaben von Experten in der Lage sein, Niederschlagsmengen in dem Ausmaß des Unwetters vom 3. Juli 2010 - rund 54 Kubikmeter Wasser pro Sekunde - abzuführen.

Jetzt sei überall „Aufräumen“ angesagt, so Bürgermeisterin Offergeld. Überflutete Räume müssten vom Schlamm befreit und gereinigt, beschädigte und unbrauchbar gewordene Gegenstände entsorgt werden. 18 Container zur Sondermüllentsorgung seien bereits von der RSAG in den besonders betroffenen Ortsteilen aufgestellt worden.

Ausweichstrecke für den Busverkehr getestet

Regionalverkehr Köln (RVK) testet eine Ausweichstrecke, um den ÖPNV in Pech aufrecht zu erhalten. Wie das Unternehmen mitteilte, müssen die Haltestellen „Huppenberg“ und „Seilbachstraße“ für acht bis zwölf Monate entfallen. Als Ersatz ist direkt hinter der Ampelanlage Kreuzung L158/Pecher Hauptstraße ein Stopp eingerichtet worden. Die Buslinie 857 wird in beiden Fahrtrichtungen umgeleitet: Wegen der Sperrung zwischen Arzdorf und Berkum fährt sie in den nächsten Monaten über Villip und Holzem - mit Verzögerungen muss gerechnet werden. Auch in Bonn-Mehlem werden mehrere Haltestellen der „857“ verlegt oder gestrichen. Die Mitarbeiter des Bauhofes seien darüber hinaus mit ihren Kehrmaschinen unentwegt im Einsatz. Ein besonderes Lob der Bürgermeisterin galt den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die sich in den Tagen nach dem Unwetter an den neuralgischen Punkten eingefunden hätten, dort wieder für „klar Schiff“ zu sorgen und den Betroffenen unter die Arme zu greifen.

Spendenkonto eingerichtet

Die Gemeinde Wachtberg wolle auch etwas für die Linderung der Not tun und habe ein Spendenkonto eingerichtet. Auf die bekannten Konten der Wachtberger Gemeindeverwaltung können Spenden unter Angabe des Stichwortes „Hochwasserspende 2016“ geleistet werden. Spendenquittungen stellt die Gemeinde Wachtberg aus. Zudem habe die Volksbank Wachtberg spontane Hilfe angeboten. Sie bietet allen vom aktuellen Starkregen Betroffenen ein zinsloses Darlehn in Höhe von 10.000 Euro für ein Jahr an. Interessenten wenden sich bitte direkt an die Volksbank Wachtberg. JOST

Mehlemer Bach und Godesberger Bach traten über ihre Ufer

Mehlemer Bach und Godesberger Bach traten über ihre Ufer

Foto: Volker Jost

Mehlemer Bach und Godesberger Bach traten über ihre Ufer

Die Feuerwehr ist unermüdlich im Einsatz. Fotos: privat

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