Allgemeine Berichte | 05.08.2014

Sozialzentrum an der Keramikerstraße

Mehr Platz für ehrenamtliche Arbeit

Mit einem kräftigen Hau Ruck trugen die Helfer des Möbellagers auch die schwere Couch leicht zum Kleintransporter.WM

Rheinbach. Es war unvermeidbar. Die Rheinbach-Meckenheimer Tafel und das Möbellager der Neuen Pfade mussten weg, das Gebäude ist längst abgerissen. Auch die Pfarrcaritas Sankt Martin und die Arbeiterwohlfahrt in Rheinbach brauchten neue Räume. Was lag da näher, als die vier Organisationen zusammenzulegen. Zumal die Neuen Pfade an der Keramikerstraße im ehemaligen Lager der Firma Emons eine optimale Örtlichkeit fanden. Die riesige Halle direkt an der Bahn wurde angemietet, doch damit begann erst die Arbeit. „Wir haben hier ungezählte Arbeitsstunden geleistet und bisher insgesamt 50.000 Euro investiert, um die Hallen benutzen zu können. Es liegt auch noch viel Einsatz vor uns“, erklärte Werner Gerhards, der inzwischen zurückgetretene Leiter der Neuen Pfade, dem Zusammenschluss der früheren Georgspfadfinder. Wenn auch in der Ferienzeit weniger Betrieb ist, so herrscht zurzeit geschäftiges Treiben neben der Keramikfabrik. Die Rheinbach-Meckenheimer Tafel hat bereits ihre Räume bezogen und ihre Ausgaben an den neuen Standort verlegt. Auch die Arbeiterwohlfahrt wird dort einziehen, ebenso Abenteuer Pur.

Viel los war vor Kurzem in den Räumen der Pfarrcaritas Sankt Martin. Mit der Vorsitzenden Helga Kraus und Inge Bräuer begrüßte eine Handvoll Helferinnen die Besucher in der Kleiderstube. „Wir haben keine hierarchischen Strukturen“, erklärte Inge Bräuer. Alle Frauen hätten dieselben Aufgaben und Rechte.

Nachwuchs gesucht in der Kleiderstube

Die insgesamt 14 aktiven Damen haben inzwischen fast alle die 70 überschritten, man sucht händeringend Nachwuchs. Mit einem Mann habe es auch mal geklappt, doch der sei nicht mehr dabei, gerne würden neue aufgenommen. Männlein oder Weiblein seien gleichermaßen willkommen. Sehr erfolgreich arbeiten die Frauen in der Kleiderstube, erwirtschaften monatlich so um die 3000 Euro für Bedürftige. „Die von uns Betreuten leben am Existenzminimum. Wir erhalten die Namen vom Sozialamt und von der Arge. Erfahren auch, wessen Partner eventuell kurzfristig ins Krankenhaus musste, wo ein Kranker, ein Kind vorübergehend zu versorgen ist. Da helfen wir“, nannte Inge Bräuer ein Aufgabenfeld. Außerdem besuche man in der Pfarrei Sankt Martin Kranke, bringe den über 80-Jährigen zum Geburtstag ein Geschenk.

An der Keramikerstraße habe sich die Kleiderstube auf nun 116 Quadratmeter vergrößert und ein kleines Besprechungszimmer, der Platz reiche aber kaum. Denn viel Kleidung wird an den Öffnungstagen (donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr) abgegeben und verkauft. Das Publikum sei breit gestreut, es gebe fast alle sozialen Schichten, erklärte Inge Bräuer. Sorgen macht sich das gute Dutzend um die Zukunft der Pfarrcaritas. Denn Nachwuchs sei kaum in Sicht. Seit mehr als einem Jahrhundert existiert die Pfarrcaritas Sankt Martin, wenn nun keine neuen Helfer dazu stoßen, könnte bald Schluss sein. Leicht sei der ehrenamtliche Job nicht immer, gerade habe man 14 schwere Säcke mit Kleidung reingeschleppt. Aber Spaß mache es auch, den Bedürftigen zu helfen. Und für einen Kaffee und ein Stück Kuchen sei immer Zeit.

Viel Arbeit im Möbellager

Die Zeit nehmen sich auch die Helfer der Neuen Pfade im Möbellager auf der anderen Seite des breiten überdachten Ganges. Groß ist die Zahl der Helfer, die hier ohne einen Cent Entlohnung mit anpacken und den Kunden helfen. Der neue Vorsitzende der Organisation, Martin Fröhlich, hatte an diesem Freitag eine gut gelaunte Crew an seiner Seite: Bruno Bylicki, Werner Gerhards, Möbellager-Leiter Karl-Heinz Fingerhuth und seine Frau Gerda, Christoph Graf Strachwitz, Erwin Welter, der für den Transport der Möbel zuständig ist, und Hans Penz, der überall anpackt. Einige fleißige Frauen ordneten die Küchenutensilien, säuberten Geschirr und Gläser, verpackten Zerbrechliches. „Wir holen die Möbel in einem Umkreis von zehn bis 15 Kilometern ab, liefern den Leuten auch Frei Haus“, nannte Bruno Bylicki einen Service der Institution. 253 Quadratmeter Fläche stehen momentan zur Verfügung, die Möbel sind möglichst nach Nutzung und Stil geordnet. Hinter der Wand liegen noch einmal hundert Quadratmeter, die zum Lager umgebaut werden. Umgebaut deshalb, weil die Räume lange nicht genutzt wurden: Dach, Boden und Türen sind in einem schlechten Zustand. „Hier haben wir noch viel Arbeit, es entsteht auch der Aufenthaltsraum für die Arbeiterwohlfahrt. Wir fungieren als Hauptmieter des gesamten Gebäudes und vermieten an die sozialen Institutionen weiter“, erklärte Bruno Bylicki das Geschäftsmodell. Gewinn sei damit nicht zu machen, sagte der vor zwei Monaten gewählte neue Vorsitzende des Georgsrings, Martin Fröhlich. Im Ring sind untergebracht die Neuen Pfade, die sich um die Vermittlung arbeitsloser Jugendlicher und Erwachsener kümmern, der Kallenturm als Treffpunkt der ehemaligen und aktuellen Georgspfadfinder und eben das Möbellager. Hochwertige Möbel werden dort für kleines Geld verkauft. Der Preis richtet sich nach der Bedürftigkeit der Käufer, abgegeben werden die „Schätzchen“ quasi als Spende. Eng arbeitet man mit dem Sozialamt zusammen, man dürfe offiziell keine Quittungen ausstellen, doch wird ein Beleg notwendig, „können wir auf dem kleinen Dienstweg eine Lösung finden“, führte Bruno Bylicki die „rheinische Lösung“ an. „Wenn Sie sich umsehen, sehen Sie viele Helfer. Wenn man die Arbeit sieht, fehlen uns immer noch Männer und Frauen, die mit anpacken. Und möglichst auch noch ein bisschen Geschick beim Umgang mit einem Werkzeug mitbringen. Konkret brauchen wir zum Fertigbauen des `Sozialzentrums´ noch Maurer und Fliesenleger“, richtete Martin Fröhlich einen Appell an die Rheinbacher.

Wer mitmachen und Möbel und Kleinkram aus der Wohnung abgeben will, kann sich unter Tel. (0 22 26) 8 09 68 28 melden.

Abschließend betonten die ehemaligen Pfadfinder und ihre Mitstreiter, dass sie sich alle ehrenamtlich mit Erlös und Arbeitskraft für sozial Schwache einsetzen.

Mehr als 150 Helfer, Geschäftsleute und Privatpersonen, haben bei der Verwirklichung des Projekts ihre Unterstützung eingebracht.

Mehr als 150 Helfer, Geschäftsleute und Privatpersonen, haben bei der Verwirklichung des Projekts ihre Unterstützung eingebracht.

Mit einem kräftigen Hau Ruck trugen die Helfer des Möbellagers auch die schwere Couch leicht zum Kleintransporter.Fotos: WM

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Rund ums Haus
Doppelseite PR/Anzeigen
Tag der offenen Tür
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige Kita
Empfohlene Artikel
Trophäe Deutscher Tierschutzpreis.
37

Region. Menschen, Vereine oder Projekte, die sich für den Tierschutz stark machen, können sich zwischen dem 1. April und 17. Mai 2026 für die Auszeichnung mit dem Deutschen Tierschutzpreis bewerben oder von anderen vorgeschlagen werden. Der Deutsche Tierschutzbund verleiht den Preis - unterstützt von den Tiernahrungsmarken Whiskas und Pedigree - am 19. November bei einer feierlichen Gala im Berliner Humboldt Carré.

Weiterlesen

Die Wandergruppe an der AhekapelleFoto: privat
16

Merzbach. Nach der Begrüßung an den Tennisplätzen durch die Wanderführerin Edeltraut Bongartz ging die Fahrt nach Nettersheim. Der Weg führte vorbei an zwei historischen Kalkbrennöfen bis zum idyllisch gelegenen Römerweiher. An der Urft entlang ging es bis zum spätrömischen Kastell. Von dort wanderte die Gruppe ins Genfbachtal, wo an einem schönen Picknickplatz mit überdachter Hütte Rast gemacht wurde.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Ein LNG-Tank am LKW musste gekühlt werden.
170

Aufgrund eines beschädigten Gas-Kraftstofftanks mussten die Bergungsarbeiten unterbrochen werden

07.04.: LKW brennt vollständig aus - A3 über 9 Stunden vollständig gesperrt

Neustadt (Wied). Am 7. April 2026, gegen 15:30 Uhr, brach auf der Autobahn A3 bei Kilometer 54 in Fahrtrichtung Frankfurt am Main ein Feuer an einem Sattelauflieger aus. Zunächst fing die rumänische Zugmaschine Feuer, welches sich anschließend auf den belgischen Auflieger, der mit Stückgut beladen war, ausbreitete. Beide Fahrzeugteile brannten vollständig aus. Der Fahrer konnte das Fahrzeug rechtzeitig verlassen und blieb unverletzt.

Weiterlesen

Symbolbild.
1260

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Alles rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Anlagenmechaniker
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
fit für`s Alter?
Rund ums Haus
Container Anzeige
Innovatives rund um Andernach
Unterstützeranzeige
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige