Allgemeine Berichte | 30.03.2026

Innovative Wohnformen in Kirchen

Mehrgenerationenwohnen in historischen Kirchengebäuden nachhaltig umsetzen

Unkel. Am 28. März um 17 Uhr fand im Gasthaus zur Traube in Unkel eine Fachveranstaltung des Regionalverbands Unteres Mittelrheintal des Architekturvereins Stadtbild Deutschland e.V. statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie historische und denkmalgeschützte Kirchengebäude zu Orten des Mehrgenerationenwohnens weiterentwickelt werden können. Referentin Frau Kathleen Battke und Referent Herr Thomas Bebiolka von der ZukunftsPioniere GbR gaben einen vertiefenden Impuls zur Organisation eines Mehrgenerationenwohnprojekts sowie zu den Voraussetzungen für Planung und Bau eines solchen Vorhabens. Sie brachten ihr Wissen aus der Beratung von Wohnprojektgruppen, Architekten, Kommunen und Bauträgern bzw. Immobiliengebern sowie 17 Jahre eigene Erfahrung in einem Bonner Mehrgenerationenwohnprojekt ein.

Die Genossenschaft als Modell für gemeinschaftliches Wohnen

Die Referierenden stellten die Genossenschaft als tragfähiges Modell für gemeinschaftliches Wohnen vor. Diese Rechtsform ermöglicht eine solidarische Eigentumsstruktur, bei der alle Mitglieder zu Miteigentümern werden, die materiellen Werte – in diesem Fall Immobilien – jedoch dauerhaft in gemeinschaftlicher Hand bleiben. Gerade für jüngere Generationen gewinnt dieses Modell an Attraktivität, da klassische Immobilienfinanzierungen zunehmend schwer zugänglich sind. Eigenleistungen beim Bauen/Umbauen können je nach Kreditgeber als Bestandteil des Eigenkapitals anerkannt werden und eröffnen während der Wohnphase zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten in der Selbstverwaltung.

Mehrgenerationenstruktur und soziale Vorteile

Ein wesentliches Element des vorgestellten Konzepts ist die altersgemischte Struktur, die Menschen aus bis zu vier Generationen zusammenführt. Diese Balance stärkt ein stabiles soziales Gefüge und fördert gegenseitige Unterstützung im Alltag. Die Gefahr von Vereinsamung im Alter wird gemildert, ebenso wie erwiesenermaßen gemeinschaftliches Wohnen den Zeitpunkt einer Pflegebedürftigkeit hinausschieben kann. Gleichzeitig bestehen deutliche Überschneidungspunkte zwischen genossenschaftlichen Prinzipien und christlichen Werten, insbesondere im Hinblick auf demokratische Entscheidungsprozesse, Solidarität und gemeinschaftliche Verantwortung. Eine partizipative Entscheidungskultur, wie am Beispiel des Systemischen Konsensierens vorgestellt, fängt Bedenken im Vorfeld auf und sorgt so für dauerhaft tragfähige Beschlüsse. Ebenso wirkt sie als Konflikt-Prophylaxe.

Mobilität und Flächennutzung in gemeinschaftlichen Wohnformen

Im Bereich der Mobilität wurde aufgezeigt, dass gerade gemeinschaftliche Wohnformen besondere Potenziale bieten, den Bedarf an privaten Stellplätzen zu reduzieren. Durch ein schlüssiges Mobilitätskonzept – etwa mit gemeinschaftlich genutzten Fahrzeugen, ÖPNV-Abos und Carsharing-Angeboten – kann gegenüber Kommunen nachvollziehbar dargelegt werden, dass weniger Stellplätze erforderlich sind als in klassischen Wohnformen. Dies ermöglicht es, versiegelte Flächen zu reduzieren und bestehende Grünflächen zu erhalten. Gleichzeitig werden Bauflächen effizienter genutzt, da weniger Raum für ruhenden Verkehr benötigt wird und stattdessen mehr Fläche für gemeinschaftliche Nutzung, Freiräume und qualitätvolle Wohnumfelder zur Verfügung steht. Die gemeinschaftliche Nutzung und ein intelligenter Mobilitätsmix tragen damit sowohl zur Wirtschaftlichkeit eines Projekts als auch zu einer nachhaltigen Flächenentwicklung sowie nicht zuletzt zu geringerer Umweltbelastung bei.

Soziale Impulse und Dorfleben in ländlichen Regionen

Gerade in ländlichen Regionen können gemeinschaftliche Wohnformen darüber hinaus wertvolle Impulse für das Dorfleben geben. Wohnprojekte stärken demokratische Prozesse, da Entscheidungen transparent und vor Ort von den Beteiligten getroffen werden. Durch gemeinsam genutzte Räume entstehen neue Orte für Begegnung und Austausch: Gemeinschaftsräume können für Veranstaltungen genutzt oder vermietet werden, gemeinsame Essen organisiert und kulturelle Angebote ermöglicht werden. Solche Strukturen tragen dazu bei, das soziale Leben im Dorf zu bereichern und ergänzen bestehende kommunale Angebote. Gleichzeitig können Kommunen entlastet werden, da Veranstaltungsräume und kulturelle Infrastruktur nicht ausschließlich durch öffentliche Mittel finanziert und vorgehalten werden müssen, was insbesondere bei geringer Auslastung häufig mit hohen Anforderungen und finanziellen Belastungen verbunden ist.

Standardisierte Wohnungsgrundrisse ermöglichen wirtschaftliche Planungs- und Bauprozesse und erleichtern die Anpassung an unterschiedliche Lebensphasen. Finanzierungsoptionen, etwa durch zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für genossenschaftliches Wohnen, wurden als wichtige Rahmenbedingungen für die Realisierung solcher Projekte hervorgehoben.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass historische Kirchengebäude als identitätsstiftende Orte bewahrt und zugleich zu zukunftsfähigen Wohnformen weiterentwickelt werden können. Durch die Verbindung von Denkmalschutz, sozialer Innovation und gemeinschaftlicher Organisation entsteht ein Modell, das sowohl gesellschaftlich als auch städtebaulich nachhaltige Perspektiven eröffnet.

Der Architekturverein Stadtbild Deutschland e.V. – Regionalverband Unteres Mittelrheintal sieht in solchen Konzepten einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung wertvoller Bausubstanz sowie zur Stärkung lebendiger Nachbarschaften und wird den fachlichen Austausch hierzu weiter fördern.

PM Stadtbild Deutschland: Regionalbverband Unteres Mittelrheintal

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