Meisterklänge für Bläser
Grafschaft-Holzweiler. Musik von W.A.Mozart, György Ligeti und Nikolaj Rimsky-Korsakoff wurde jetzt bei einer sehr gut besuchten Konzertmatinee des Grafschafter Kunstvereins aufgeführt. Es spielten Stipendiatinnen und Stipendiaten der Landesstiftung Villa Musica unter Leitung ihrer Dozentin, der Oboistin Céline Moinet.
Mit sichtlicher Freude kündigte Hausherrin Prof. Gisela Maerker-Alzer neben dem wirklich interessanten und besonderen Konzertprogramm auch das Grußwort der neuen künstlerischen Leiterin der Villa Musica, Prof. Ervis Gega, an. Die renommierte Violinistin war vielen Besuchenden bereits in ihrer Rolle als administrative Leiterin der Klassischen Philharmonie Bonn bekannt. Als junge Stipendiatin war sie einst selbst in Holzweiler aufgetreten. Den zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besuchern wünschte sie „eine schöne Zeit“ und verband damit den Wunsch: „Bleiben sie uns treu.“
Nach dem Genuss dieses klug und unterhaltsam zusammengestellten Konzertprogramms hätte sich wohl keiner aus dem Publikum dieser Bitte verschließen wollen. Das Es-Dur-Quintett KV 452 von W.A.Mozart gilt ein herausragendes Kammermusikwerk. Es weist neben dem charmantem Zusammenwirken der fünf beteiligten Instrumentalstimmen - Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier - auch konzerthafte Passagen des Klaviers auf, die Stipendiat Jakob Kuen mustergültig meisterte.
Bevor Dozentin Céline Moinet zur Pause heim nach Dresden abreiste, war sie mit ihren Schutzbefohlenen noch einmal ohne Klavier zu hören. György Ligetis „Sechs Bagatellen für Bläserquintett“ konnten alle Beteiligten - neben ihr selbst die Stipendiaten Daniel Spies, Flöte, Laura Balle, Klarinette, Hao-Chun Sung, Horn und Selin Akin, Fagott - so richtig zeigen, was sie musikalisch drauf haben. Humor hat auch in der Musik mitunter ein eher kurzes Verfalldatum. Doch diese bereits in den 1950er Jahren komponierte Werkgruppe verursachte in Holzweiler nach seinem ersten Stück spontanes Kichern und Schmunzeln im Publikum. Die Zuhörenden erlebten, wie sich die Klangfarben Dur und Moll gleichsam als zwei Zirkusclowns auf offener Bühne einen theatralischen Streit lieferten. Dem ungarischen Komponisten gelingt in jedem der sechs Stücke das Kunststück, weitere abstrakte und nur Fachleuten geläufige Phänomene wie „Oktaven“ oder „Pentatonik“ intuitiv fasslich, unterhaltsam und in pointierter Kürze zu präsentieren.
Das krönende Abschlusswerk bildete das „Quintett B-Dur für Klavier und Bläser“ von Rimsky-Korsakoff. Bei einem Wettbewerb fiel das Jugendwerk des späteren russischen Nationalkomponisten zunächst durch. Doch heute, fast 150 Jahre später, wird es auf allen fünf Kontinenten immer wieder aufgeführt. Im zweiten Satz hatte Hornist Hao-Chun Sung ein bemerkenswertes Solo. Im dritten und letzten Satz, einer weit greifenden, lebhaften musikalischen Erzählung, wurden auch die übrigen Instrumente mit solistischen Passagen, so genannten „Kadenzen“, bedacht. Pianistin war hier Sofia Semenina, die sich auf dem Bösendorfer-Flügel nahtlos und geschickt in das Bläserensemble einfügte. Der lang anhaltende Applaus am Ende galt allen sieben Mitwirkenden des Programms. Nach einer Winterpause wird es am 13. April 2025 mit einem Streicherprogramm der Villa Musica in Holzweiler weitergehen.
