Allgemeine Berichte | 20.11.2018, 11:38 Uhr

Zentrale Gedenkfeier des Kreises zum Volkstrauertag in Bad Bodendorf

„Menschenrechte und Frieden auf der ganzen Welt sichern“

Landrat Dr. Jürgen Pföhler erinnerte an die Schrecken des 1. Weltkrieges.RASCH
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Bad Bodendorf. Am vergangenen Sonntagnachmittag trafen sich zahlreiche Bürger und Vertreter des öffentlichen Lebens auf dem Soldatenfriedhof in Bad Bodendorf. Traditionell wird an dieser Stelle, an der die über 1000 Opfer des Rheinwiesenlagers „Goldene Meile“ die in Bad Bodendorf bestattet sind, in einer zentralen Feierstunde zum Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Frieden gedacht.

So waren nicht nur die Vertreter von Kreis und Gemeinden, sondern auch zahlreiche Bürger aus den benachbarten Orten zu dieser mahnende Erinnerungsveranstaltung gekommen. Niedergelegt wurden Kränze der Landesregierung, der Bundeswehr, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie von Kreis und Gemeinden.

„Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit“

Landrat Dr. Jürgen Pföhler legte dar, dass die schrecklichen Erfahrungen des ersten Weltkrieges nicht hatten verhindern können, dass nur zwei Jahrzehnte später die Nationalsozialisten einen noch viel verheerenderen Krieg vom Zaun brachen. „Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit“, zitierte der Landrat den verstorbenen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die heutige „Mission Frieden“ sei nicht einfacher geworden, so die Festredner angesichts der über 220 bewaffneten Konflikte auf dem Erdball. Zur Zeit sind rund 68 Millionen Menschen wegen kriegerischer Konflikte auf der Flucht. „Wir müssen mit viel Entschlossenheit dem Unheil und dem Unrecht entgegentreten“ forderte der katholische Pfarrer Frank Klupsch aus Remagen. Menschenrechte und die Menschenwürde zu wahren sei ein Auftrag Gottes an die Menschen, fügte die evangelische Pfarrerin Kerstin Laubmann hinzu.

Eine bemerkenswerte und fast schon etwas außergewöhnliche Rede hielt der Bonner Publizist Thomas Schwarz. „Ohne Menschenrechte kein Frieden“ hatte er seine Trauerrede überschrieben. Dabei berichtete er von seinen eigenen Erlebnissen in den Kriegsgebieten im Nahen Ostens Schwarz richtete dabei seinen Vortrag nicht in die Vergangenheit, sondern orientierte ihn an der Gegenwart und an der globalen Vernetzung der Welt.

„Denn Armut und Unterdrückung und Diktatur und Krieg - all das hat nichts mit Vergangenheit zu tun. Gerechtigkeit und liberale Demokratie und Menschenrechte und Frieden: all das hat mit der Gegenwart in den meisten Ländern der Erde zu tun. Wir, hier in Europa, müssen den Wert des Friedens wieder neu lernen. Vor allem das, was er bedeutet. Nur ein wertegebundener Friede hat etwas mit Menschenrechten und liberaler Demokratie zu tun. Sonst ist er nicht echt. Dann dient er nur den Herrschenden und Unterdrückern. Es gibt keinen Frieden ohne Menschenrechte“, so die einleuchtende Argumentationskette von Schwarz. Der forderte die Menschen in Deutschland aber auch drastisch auf sich an die eigene Nase so fassen: „In dieser kleinen, schönen Welt haben wir es uns ziemlich bequem eingerichtet. Uns geht es so gut, dass wir sogar Extremisten wählen, die mit unserer freiheitlichen Gesellschaft nichts am Hut haben und den Hitlergruß zeigen. Als „Denkzettel“. Müssten wir uns aber nicht häufiger selbst mal einen verpassen?“ Klare Worte bei einer sehr gute beuchten und sehr würdigen zentralen Gedenkfeier. BL

Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens und viele Bürger nahmen an der Gedenkstunde teil.

Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens und viele Bürger nahmen an der Gedenkstunde teil. Foto: Fotograf Ralf Schuhmann

Landrat Dr. Jürgen Pföhler erinnerte an die Schrecken des 1. Weltkrieges.Foto: RASCH Foto: Fotograf Ralf Schuhmann

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