NAJU-Kindergruppe Hundsangen
Mikroskopierkurs in den Osterferien zum Thema „Das Leben im Moos“
Forschungsseminar der NAJU-Hundsangen:
Vom 9. bis zum 11. April wurde in den Räumen der Grundschule Wallmerod unser erstes Ferien-Forschungsseminar durchgeführt: Acht NAJU-Kinder haben während dieser drei Tage mit Freude, Enthusiasmus und Neugierde den Lebensraum Moos erforscht. Ziel des Seminars war einerseits, Werkzeuge wie die Einschlaglupe, das Binokular, das Mikroskop und die Bestimmungs-App „Flora incognita“ zu nutzen - andererseits sollte aber auch der Lebensraum „Moos“ erkundet werden. Aus den dabei entstandenen Fotos und den gewonnenen Erkenntnissen soll im Anschluss auch eine kleine Broschüre über Moose und die im Biotop „Moos“ lebenden Tiere entstehen.
Da Moos ein ziemlich unbekannter Lebensraum ist, musste zunächst viel Neues gelernt werden. Nach kurzer Zeit wurden Frauenhaar, Kegel-, Schlaf-, Besen- und Tamarisken-Thujamoos sicher erkannt. Auch der Aufbau eines Moospflänzchens mit all seinen Besonderheiten – Moose bekommen Nahrung und Wasser aus der Luft, ihre „Würzelchen“ sind keine Wurzeln, sondern nur Halteorgane und sie können eintrocknen - und werden wieder richtig lebendig, wenn sie mit Wasser in Kontakt kommen. Diese Eigenschaften haben sich Moose seit ihrer Entstehung vor circa 400 Millionen Jahre bewahrt. Solange sind sie nahezu unverändert auf der Erde – sie sind also lebende Fossilien. Ähnlich ist es mit den Lebewesen im Moos. Auch diese können eintrocknen, so Jahre überdauern und beim Kontakt mit Wasser wieder lebendig werden. Wahre Superhelden aber sind die Bärtierchen: winzig kleine, nur mit Lupe und Mikroskop sichtbare, 8-beinige kleine „Bären“. Sie sehen zwar aus wie Bären, sind aber in Wirklichkeit eher mit Spinnentieren und Insekten verwandt. Sie können Dauerformen – sogenannte Tönnchen – bilden, die dann Temperaturen von minus 273 o Celsius (das ist die größte Kälte, die es auf der Welt überhaupt gibt) aushalten. Sie überleben kochendes Wasser und sind unglaublich unempfindlich gegen für uns Menschen tödliche Strahlung. Bärtierchen wurden bereits im Weltraum ausgesetzt und haben diese Bedingungen ohne Schutz überlebt! Ein Mensch ohne Raumanzug wäre im Weltraum schon nach zwei Minuten tot. Aber auch viele andere Lebewesen im Moos sind, wie die Bärtierchen, ebenfalls „Urtiere“. So die seltsamen Springschwänze oder auch die Hornmilben. Sie leben ebenfalls seit 400 Millionen Jahren nahezu unverändert auf der Erde. Sie sind viel länger Erdbewohner als die Saurier, die vor 200 Millionen Jahre gelebt haben und die schon seit 60 Millionen Jahren ausgestorben sind (Größe ist nicht immer gut!).
Die NAJU-Kinder haben zunächst auf einer Waldexkursion Moose gesammelt und bestimmt. Anschließend wurden die Moosproben aufgearbeitet und die Tierchen im Moos durch Filtration angereichert. Dann wurde mit Binokular und Mikroskop stundenlang gesucht. Gefunden haben wir viele Rädertiere, Fadenwürmer, Wimperntierchen und drei lebende Bärtierchen. Außerdem wurden zwei Tönnchen (= Überdauerungsform der Bärtierchen) gefunden, bei denen wir den Vorgang der Kryptobiose (= verborgenes Leben, todesähnlicher Zustand) bis hin zum Erwachen nach Wasserzugabe beobachten konnten. Einige andere Bärtierchen waren fast unbeweglich und wenig aktiv – sie hatten die Bildung eines Tönnchens gerade eingeleitet. Das alles war viel spannender als ein Krimi im Fernsehen. Soweit es möglich war, wurde alles dokumentiert und fotografiert. Unser Forschungslabor hatte eine Station mit Mikroskopkamera, deren Bild auf ein Whiteboard übertragen wurde, sodass interessante Objekte von allen gleichzeitig beobachtet werden konnten. Eine weitere Fotostation, bei der je ein Smartphone auf ein Mikroskop und ein Binokular montiert war, konnte von allen Jungforschern zur Dokumentation genutzt werden. Für die ausgiebigen Beobachtungen unser Präparate hatte jeder ein Mikroskop und ein Binokular zu Verfügung. Dem Forscherdrang waren also keine technischen Grenzen gesetzt. Zwischendurch gab es jedoch natürlich auch viele Essens- und Spielpausen. Highlight der Spielpausen war das Evolutionsspiel. Die Erwachsenen, mit etwas längerer Reaktionszeit, mussten allerdings meist auf der Entwicklungsstufe einer Amöbe stehenbleiben. Unsere drei Mittagessen waren durchweg auch ziemlich lecker. Schokoküsse zum Nachtisch waren allerdings deutlich beliebter als gesunder Zimtreis. Dafür fanden die gebackenen Honigbananen reißenden Absatz.
Insgesamt waren es drei spannende und interessante Tage. Die fotografische Ausbeute sowie die entstandenen Zeichnungen und die anschaulichen Mooswelt-Dioramen sind beeindruckend. Nächster Schritt ist jetzt die Produktion unserer Broschüre „Moose und ihre Bewohner – Bärtierchen und andere Lebewesen einer unbekannten Welt“.
„Wir alle freuen uns schon auf dieses schöne Fotobuch.“
Pressemitteilung
NABU Hundsangen
