Freiwillige Feuerwehr Rheinbach übte in Theorie und Praxis
Mit Löschrucksack und Feuerpatsche Brände in Wald und Flur erfolgreich bekämpfen
Rheinbach-Niederdrees. Waldbrände und Felder, die in Flammen stehen – das entwickelt sich auch für die Freiwillige Feuerwehr Rheinbach zu einem immer größeren Problem. Die Einsätze, bei denen die Floriansjünger zu Wald- und Flächenbränden ausrücken müssen, nehmen von Jahr zu Jahr zu, so Pressesprecherin Katarina Knoch. Allein im vergangenen Jahr rückte man 20 Mal zu solchen „Vegetationsbränden“ aus, dieses Jahr seien es jetzt bereits sieben Alarmierung gewesen. Deshalb habe man beschlossen, sich in diesem Bereich umfassend weiterzubilden – auch um auf diese neue Herausforderung nach dem aktuellen Stand der Technik reagieren zu können. Dazu holte man sich fachkundige Unterstützung in Person von Norman Weidner vom Verein Waldbrandteam e.V., der er sich zum Ziel gesetzt hat, die Ausbildungsinhalte aus den wesentlich häufiger von Waldbränden gebeutelten Vereinigten Staaten nach Deutschland zu bringen. Denn hierzulande gebe es bisher leider noch keine standardisierte Feuerwehr-Ausbildung in Sachen Waldbrandbekämpfung, bedauerte auch Wehrleiter Laurenz Kreuser.
Erst gar keinen Großbrand entstehen lassen
So hatten sich am Samstag 28 Feuerwehrleute zunächst zur theoretischen Ausbildung ins Feuerwehrgerätehaus am Brucknerweg eingefunden. „Es handelt sich dabei ausschließlich um Führungskräfte aus unseren zehn Löschgruppen sowie um Multiplikatoren, und natürlich das Führungsteam der Feuerwehr“, so Kreuser. In den kommenden Wochen und Monaten sollen die Erkenntnisse in den einzelnen Löschgruppen thematisiert und mit theoretischen und praktischen Übungen vertieft werden. Ziel sei es, mit der Basisausstattung die Bekämpfung des Feuers im ersten Angriff zu trainieren, um erst gar keinen Großbrand entstehen zu lassen. Schließlich besitzt die Rheinbacher Feuerwehr eine Ausrüstung zur Vegetationsbrandbekämpfung, die sich sehen lassen kann. Auf den Fahrzeugen der Löschgruppe Rheinbach, Queckenberg, Niederdrees und Flerzheim sind jeweils zwei Löschrucksäcke und ein halbes Dutzend Feuerpatschen, dazu noch leichte und flexible D-Strahlrohre und Schläuche verladen. Das bereits bestellte neue Löschfahrzeug für die Löschgruppe Hilberath soll ebenfalls die „Sonderausstattung Vegetationsbrandbekämpfung“ erhalten. Die soll im Ernstfall bei der Bekämpfung eines Flächenbrandes oder eines Waldbrandes zum Einsatz kommen – oder eben auch bei der Übung auf einem großen Feld in der Niederdreeser Gemarkung, das Landwirt Matthias Fuß den Kameraden freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte.
Kein Hochrisikogebiet für Vegetationsbrände
Nach wie vor sei Rheinbach allerdings kein Hochrisikogebiet für Vegetationsbrände, so Knoch. In der Regel komme es im Rheinbacher Stadtgebiet häufiger zu Feldbränden als zu Waldbränden, dafür sei die Rheinbacher Feuerwehr bereits gut ausgerüstet. „Dennoch entwickeln sich die Technik und vor allem die Taktik weiter, und es wäre fahrlässig, auf dem heutigen Wissensstand stehenzubleiben und nicht aus der Erfahrung anderer zu lernen.“ So habe man diese Ausbildung schon seit Ende vergangenen Jahres geplant, um die Fähigkeit zur Bekämpfung von entstehenden Bränden zu verbessern, weil aufgrund der klimatischen Veränderungen eine Häufung solcher Einsätze zu befürchten seien. Wehrleiter Kreuser machte aber auch deutlich: „Verhindern lassen sich Vegetationsbrände so nicht. Durch entsprechende Taktik sind sie aber mit möglichst geringem Aufwand bei möglichst geringem Schaden in den Griff zu bekommen.“
Und genau das wurde am Nachmittag in der Praxis geübt, nachdem am Vormittag in mehreren Theorieeinheiten schon die richtige Ausrüstung der Einsatzkräfte mit dünner Schutzkleidung ebenso besprochen wurde wie die Frage, welche Mittel bei welchen Arten von Feuer erfolgversprechend eingesetzt werden könnten. Da es sich bei den Teilnehmern ausschließlich um Führungskräfte handelte, gehörte es auch zu den Ausbildungsinhalten, wie die vorhandenen Einsatzkräfte am effektivsten eingesetzt werden können. Dazu gehörte auch eine einfache taktische Waldbrand-Prognose, mit der ermittelt wird, wie sich das Feuer wahrscheinlich entwickelt und wo sich die besten Möglichkeiten zu seiner Bekämpfung ergeben.
Vorhandenes Wasser am effektivsten einsetzen
Bei der Praxiseinheit am Nachmittag demonstrierte Ausbilder Norman Weidner aus Thüringen, wie man das meist nur in begrenztem Umfang vorhandene Wasser am effektivsten einsetzen kann. Auch der Einsatz der Löschrucksäcke wurde geübt. Diese sind zwar „nur“ mit 20 Litern Wasser gefüllt, die aber mit einer Handsprühspritze effektiv verteilt werden können. Schließlich ging es auch nach darum, welche Alternativen zum Einsatz von Wasser es gebe, wenn dieses dann einmal aufgebraucht sei. All dies konnten die Rheinbach Feuerwehrleute dann am realen Feuer ausprobieren.
JOST
In der Niederdreeser Gemarkung übte die Feuerwehr Rheinbach die effektive Bekämpfung eines Feldbrandes mithilfe von Feuerpaten und Löschrucksäcken. Fotos: JOST
