Allgemeine Berichte | 30.12.2016

Vortragsveranstaltung sorgte für ausverkauftes Klosterforum

Mit Pater Anselm Grün über „Gipfel und Täler des Lebens“

Stefan Wiesner im Gespräch mit Pater Anselm Grün OSB (r.).  E.T. Müller

Maria Laach. Ein Highlight des 44. Laacher Forums war der Vortrag von Pater Anselm Grün OSB, der, auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, wieder einmal für ein ausverkauftes Klosterforum sorgte. Stefan Wiesner vom Adeo-Verlag unterhielt sich mit dem beliebten Referenten und Buchautor über die „Gipfel und Täler des Lebens“. Für Anselm Grün ist das Wandern ein Gleichnis des Lebens, das ebenfalls vom „Zögern“ - Warten auf das geeignete Wetter und „Aufbruch“ gekennzeichnet ist. Wandern hat für ihn ein spirituelles Moment, denn „wer wandert, verwandelt sich.“ Sich entscheiden, sich auf den Weg machen, für Pater Anselm eine lebensnotwendige Voraussetzung: „Ich erlebe viele Menschen, die sich nicht entscheiden können. Aber es gibt keine absolut richtigen Entscheidungen, es gibt nur kluge Entscheidungen. Sich für etwas zu entscheiden, ist auch immer eine Entscheidung gegen etwas.“ Beim Wandern steht am Ende als Belohnung der Blick vom Gipfel: auch eine religiöse Erfahrung, denn die „Schönheit als eine Spur Gottes zu genießen heißt Gott zu genießen.“ In solchen Momenten fühlt sich Grün in Einheit mit dem Kosmos und erinnert an ein Wort von Papst Gregor dem Großen, der in einem einzigen Sonnenstrahl die ganze Welt geschaut hat. Dann aber muss der Bergsteiger den Gipfel wieder verlassen, wie im richtigen Leben mit seinen Höhen und Tiefen. So wollte Stefan Wiesner von Pater Anselm wissen, was er mit dem Wort „Abstieg“ verbindet. Und die Zuhörer im Laacher Forum erfuhren, dass sich der Benediktinerpater mit 71 Jahren immer wieder mit dem Abstieg im Alltag und dem Abstieg im Leben beschäftigt. Auch sein Schaffen ist endlich: „Ich weiß nicht, wie lange ich noch Vorträge halten und schreiben kann.“ Dabei ist Anselm Grün voller Energie und Schaffensdrang. Auch nach dem Vortrag in Maria Laach lenkte er das Fahrzeug wieder die 290 Kilometer zurück nach Münsterschwarzach: „Das ist nicht so viel.“ Wie aber meistert er die Strapazen, fragte Stefan Wiesner: Zum einen hilft ihm das geistige Leben mit festen Gebetszeiten in der Gemeinschaft. Zum zweiten hatte der Benediktiner noch einen Tipp, den jeder Laie täglich umsetzen kann: „Die Energie kommt daher, dass ich kein Perfektionist bin. Ich setze mich nicht unter Druck, weil der Vortrag etwa ganz toll sein muss. Ich muss mich nicht beweisen, ich bin einfach da.“ Doch auch er braucht nach mehreren Vorträgen eine Auszeit und muss innehalten.

Im Augenblick leben

Dankbar kann der beliebte Benediktinerpater und Buchautor auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Seine Tätigkeit als Seelsorger und Referent, sein Leben als Mönch hält ihn offen für ein auf das Heute gerichtete Leben: „In der Begleitung erlebe ich viele Menschen, die immer nur zurückschauen, aber unfähig sind, in der Gegenwart zu leben. Sie sehen die Chancen und Fehler der Vergangenheit, sie trauern um verpasste Chancen, sie hadern mit der Zukunft. Der Augenblick, das Hier und Heute, ist für sie unerträglich. Wenn ich im Augenblick lebe, dann werde ich auch das Schöne auf dem Weg wahrnehmen. Wenn ich jetzt im Augenblick lebe und meinen Weg bewusst weitergehe, dann bin ich offen für all das Wunderbare, das Gott mir in der Natur, in der Begegnung mit anderen Menschen zeigen möchte. Die Gegenwart stellt immer neue Herausforderungen an mich. Ich frage mich: Was will Gott von mir? Welchen Weg soll ich weitergehen?“ Ganz ähnlich muss sich auch ein Bergwanderer fragen, welchen Weg er gehen will, der ihn über „Gipfel und Täler des Lebens“ führt.

Stefan Wiesner im Gespräch mit Pater Anselm Grün OSB (r.). Foto: E.T. Müller

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