Ausstellung in der Remagener Galerie Modern Art Showroom
Mit Schwung, Humor und Genauigkeit
Peter Kesslers dynamische Karikaturen und gezeichnete Kompositionen erfreuen im M.A.SH. noch bis 7. Juli
Remagen. Er ist ein Tüftler, ein Träumer, ein ideenreicher Handwerker und Künstler. Auf Peter Kessler treffen diese Zuschreibungen zu, und die Liste seiner Begabungen und Fähigkeiten ist damit trotzdem noch lange nicht ausgeschöpft. Wie sehr die Zeichnungen und Karikaturen des 1942 in Zürich Geborenen geschätzt sind, offenbarte die jüngste Vernissage in der Remagener Galerie Modern Art Showroom, M.A.SH., wo es um Kesslers Zeichnungen geht.
Es wurde voll wie selten, denn der ausstellende Künstler ist in Remagen und Umgebung beileibe kein Unbekannter. 50 Jahre lang haben der gebürtige Schweizer und Ehefrau Barbara aus Remagen gemeinsam ihre Glasmalereiwerkstatt in der Römerstadt geführt. Daneben pflegte Kessler beständig seine zeichnerische Liebe zur guten Linie. Seit der Auflösung des Glas-Ateliers 2017 beschäftigt er sich ausschließlich mit dem Zeichnen. Mit Farbstift, Graphit, Kugelschreiber, Permanentschreiber (Marker) und Tuschefeder ist er ein Meister auf dem Papier und um Einfälle nicht verlegen. Als Rhein-Anwohner hat er stark abstrahiert, gleichwohl gut nachvollziehbar, den Strom gebannt und seine Ufer. Da weisen dann schon einmal die Kohlenberge der Schiffsfracht in schöner Regelmäßigkeit die gleichen Bögen auf wie das Siebengebirge. Ziegelrot und blau, gelb und grün getönt lässt Peter Kessler Bildbereiche in reduzierteren, landschaftlich inspirierten Kompositionen schweben. Wie jemand ohne flüssige Farbe, allein mit Stiften, transparente Flächen und farbige Gewebe erzeugt, als zirkuliere durch sie, wie durch Seide, Luft und Licht, das ist sein Geheimnis und nicht zuletzt seiner Akribie und Hingabe geschuldet. Ebenso kreiert er monochrome Texturen von faszinierender Dichte, die dennoch nie erstarren.
Präzision und Freiheit
Der Mann zeichnet „zu jeder Zeit, morgens früh oder abends spät“. Postkartengroßes Papier und Stift führt er stets mit sich, gut präpariert, ob für den Zug oder das Wartezimmer. Zudem ist er Jäger und Sammler mit den Händen und den Augen. „Ich guck ja immer den Schiffen nach“, sagt er. Dabei erfasste er ihre Namen, darunter Solare, Anaconda, Maria Louise, auch Charlotte, Dosie, Grace sowie Apache, Minerva, Europa, Pronto und alle anderen. Er notierte sie, bis es 1500 waren und sann auf eine plausible Präsentation. Die schuf er in Form einer Schiffsschraube, auf der er alle Namen gestochen sauber handschriftlich festhielt. Wie erklärt sich seine genaue Arbeitsweise? Daran Anteil haben mag die vierjährige Ausbildung in Glasmalerei und Bleiverglasung in Küsnacht am Zürichsee sowie die „Schule des Handwerks“ in den Jahren der Berufstätigkeit, die auch einige Zeichnungen nicht verhehlen. Das freie Zeichnen aber hat Peter Kessler sich selbst beigebracht, sodass seine geübte Hand vor allem der inneren Freiheit und seiner ureigenen Ausrichtung folgt. Wie die Blätter erkennen lassen, fühlt der Künstler eine Verpflichtung zu Präzision und handwerklichem Einsatz. Er prüft seine Malmittel sogar auf Lichtechtheit.
Bewegte Kompositionen
Zugleich zeigt Peter Kessler eine unbändige Lust an Dynamik. Schwung und Bewegung wohnt den meisten Kompositionen inne. So zieht ein Knäuel aus Haken und Seilen in alle Richtungen. Speziell kennzeichnen sie jedoch seine vielfach mit den Themen Fahrrad und Musik befassten Karikaturen, in denen es manches Mal drunter und drüber geht. Sie decken die witzigen Seiten des Alltags auf und bilden ein Reservoir für Kesslers unbändige Fantasie und Freude am Skurrilen.
Die Ausstellung in der Kirchstraße 25 ist bis 7. Juli zu sehen. Sie hat länger geöffnet als üblich, nämlich donnerstags bis sonntags 14 bis 17 Uhr; beim Lebenskunstmarkt, 15. und 16. Juni, von 11 bis 18 Uhr. Infos unter Tel. (0 26 42) 14 94. HG
Ein rechtes Knäuel aus Haken und Seilen präsentiert der Künstler in dieser Zeichnung.
Eine Segel-Komposition.
