Kita „CariNest“ erhält Bundesförderung für Sprache
Mit Sprache die Welt entdecken
Meckenheim. Große Freude herrschte in der vergangenen Woche in der von der Caritas betriebenen Kindertagesstätte „CariNest“ im Meckenheimer Ruhrfeld. Die Leiterin Helene Hohenhaus konnte unter anderem Hartmut Pöplau, Leiter des Fachbereichs Familie bei der Caritas sowie die Vorsitzende des Elternbeirates Elke Wasserzier begrüßen.
Derzeit besuchen 65 Kinder in drei Gruppen die Kindertagesstätte und sprechen dabei 13 verschiedene Sprachen. Mit der nun erfolgten Förderung des Bundesfamilienministeriums kann die Sprachhilfenfachkraft Tanja Golly bis Ende 2020 die pädagogische Arbeit der Einrichtung ganz unter dem Gesichtspunkt Sprache weiterentwickeln und ergänzen.
Rund 60 % der Kinder in der KiTa wachsen mit einer anderen Familiensprache als der deutschen auf. „Da spielt schon seit der Gründung vor zwei Jahren das Thema „Sprache“ eine ganz große Rolle, wie Helene Hohenhaus zu berichten wusste. Zumal die Mehrsprachigkeit der Kinder pädagogisch immer eine Herausforderung ist. Weiß man doch einerseits, dass es wichtig ist, die Muttersprache gut zu beherrschen und zu pflegen. Und muss das Team andererseits dafür sorgen, dass die Kinder spätestens bis zur Einschulung die deutsche Sprache möglichst sicher beherrschen. Umso willkommener, dass eine zusätzliche Fachkraft noch mehr Ideen einbringt, um Wortschatz, grammatisches Verständnis, ein Gefühl für die Sprachmelodie oder die Grundregeln einer gelingenden Kommunikation pädagogisch zu verankern.
Alles was die Sprachförderin jetzt mit dem Team erarbeitet, wird in die Konzeption der Einrichtung mit einfließen und soll künftig ganz selbstverständlich im Alltag umgesetzt werden. Ein Beispiel: Tanja Golly arbeitet viel mit Bildern.
Deshalb sind neuerdings alle Flurtüren im CariNest auf Hüfthöhe mit klaren Piktogrammen bestückt. Hinter welcher Tür sich die Küche, das Leitungsbüro oder die Toilette befindet, können Kinderaugen ebenso mit einem Blick erfassen wie Eltern, die nicht oder nur wenig Deutsch sprechen. Das ist nur ein Beispiel aus der sogenannten alltagsintegrierten und inklusiven Bildung. Die moderne Pädagogik lehnt das Fördern Einzelner mit einer Art Nachhilfe, die das Kind zugleich als förderbedürftig brandmarkt, grundsätzlich ab. Gearbeitet, und das heißt eigentlich gelebt und gespielt, wird stattdessen in kleineren und größeren Gruppen, in denen jedes Kind sich entfalten kann. Darüber hinaus bleibt der Austausch mit den Eltern stets im Blick.
„Als ich ins CariNest kam, war ich begeistert, weil die Grundsteine für meine Arbeit schon gelegt waren,“ erzählt Tanja Golly, die zuvor Sprachförderprojekte in Rheinland-Pfalz betreut hate. „Ich erlebe hier eine Kita-Kultur, die geprägt ist von einem vorurteilsfreien, willkommen heißenden, wertschätzenden und interessierten Miteinander.“ Für das Team ebenso wie die Eltern und Kinder sei das Auseinandersetzen mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden selbstverständlich. „Wir sind verschieden – das ist wunderbar“, lautet daher das aktuelle Projekt der Kita.
Auf dieser Basis baut Tanja Golly auf. Neu eingerichtet hat sie gemeinsam mit dem Team das Elterncafe, in dem sich Väter und Mütter aus zahlreichen Nationen bereits rege ausgetauscht haben. Das Cafe soll nun zur regelmäßigen Einrichtung werden. Mehrsprachige Elterninformationen für Kinder helfen bei der Kommunikation zwischen Eltern und Einrichtung. Erfolgreich zu sein versprechen auch Vorleseveranstaltungen wie jene mit dem Bilderbuch „Besuch vom kleinen Wolf“, das die gleiche schön bebilderte Geschichte in vielen Sprachen erzählt. „Wenn man diese Geschichte einmal - wie wir - auch auf Albanisch hört, bekommt man ein Gefühl dafür, wie es ist, eine andere Sprache gar nicht zu verstehen“, so Leiterin Helene Hohenhaus, die die Art des Perspektivwechsels sehr schätzt.
STF
