Goldenes Oktober-Wetter beim Jubiläumsfest „120 Jahre Brohltalbahn“
Mit Volldampf durch das Brohltal
Fahrten im ein-Stunden-Takt und abwechslungsreiches Rahmenprogramm lockten viele Besucher in die Region
Brohl-Lützing/Niederzissen. Am 14. Januar 2021 war der 120. Geburtstag der Brohltalbahn, die inzwischen weit über die Region hinaus bekannt ist. Aus ganz Deutschland und den Nachbarländern erfreuen sich zahlreiche Besucher an der romantischen Fahrt durch die herrliche Natur zwischen Brohl-Lützing und Kempenich-Engeln. Dieser denkwürdige Geburtstag wurde jetzt mit einem spektakulären Jubiläumsfest gefeiert, das von der Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn e. V. ebenso fachkundig wie liebevoll bis ins kleinste Detail geplant sowie gemeinsam mit den 60 Mitgliedern und Festangestellten realisiert worden war.
Zum Anpfiff der ersten Fahrt ins Jubiläumswochenende am Samstagmorgen hatten sich VG-Bürgermeister Johannes Bell (Brohltal), VG-Bürgermeister Marcel Caspers (Bad Breisig) und Ortsbürgermeister Dr. Frank Gondert (Brohl-Lützing) am Brohler Bahnhof eingefunden, wo fünf Züge zwei Tage lang im Stundenrhythmus starteten. So wurden eigens zwei Gastfahrzeuge nach Brohl überführt. Dabei handelte es sich zum einen um die Dampflok „Hoya“, die samt Personal vom Deutschen Eisenbahn-Verein (DEV) aus Niedersachsen zur Verfügung gestellt wurde und zum anderen um einen Personenwagen der Sauerländer Kleinbahn, die sich als stilechte Ergänzung zum „Vulkan-Expreß“ erwies. Die Züge waren am Samstag und Sonntag stündlich zwischen Brohl und Oberzissen unterwegs, wobei sie je zur Hälfte mit der historischen Dampflok „Hoya“ (1899) und der nach wie vor beeindruckenden Brohltaler „11sm Mallet“ (Baujahr 1906) bespannt wurden, so dass die beiden sich regelmäßig in Burgbrohl begegneten. Außerdem waren die drei historischen Dieselloks der Brohltalbahn stündlich im Einsatz. Alle zwei Stunden war der „Vulkan-Expreß“ auch über die Steilstrecke von Oberzissen nach Engeln (Endbahnhof) unterwegs, wo die Fahrgäste mit einer fantastischen Aussicht bis ins Siebengebirge belohnt wurden. Anlässlich der Jubiläumsfeier fuhr in Brohl - Lützing stündlich eine Diesellok mit einem kurzen Zug auf der Hafenbahn durch die Rheinanlagen bis zum Hafen.
Nicht zuletzt hatte jeder am Endbahnhof Engeln eintreffende Zug Anschluss zur historischen Omnibuslinie 866, die den 1974 stillgelegten Streckenabschnitt über Weibern bis nach Kempenich bediente und von dort unter Berücksichtigung aller Bushaltestellen über Spessart und Niederdürenbach bis nach Oberzissen und Niederzissen weiterfuhr, wo der „Vulkan-Expreß“ jeweils wieder erreicht wurde. Der Bus hielt u.a. am Steinmetzbahnhof in Weibern, am Erlebniswald Steinrausch in Kempenich und an der ehemaligen Synagoge in Niederzissen. Somit bestand nicht nur die Möglichkeit zu einer spannenden Rundreise, sondern auch die stilvolle Anreise zu touristisch attraktiven Zielen. Eingesetzt wurde der im zwei-Stunden-Takt verkehrende Linienbus des Historischen Vereins der Stadtwerke Bonn: „MB O 305“ (Baujahr 1986).
Mit einem umfangreichen und vielfältigen Rahmenprogramm wurde das für alle Beteiligte unvergessliche Fest gekrönt.
Im Focus des Festes stand der Bahnhof Brohl, wo Fahrzeugausstellungen und Lokmitfahrten ebenso wie ein Eisenbahn-Fahrsimulator und eine Modellbahnausstellung nach Motiven der Brohltalbahn die Besucher faszinierten. Außerdem startete hier am Samstag eine geführte Wanderung über den Quellenweg bis nach Burgbrohl. Geführte Wanderungen wurden an beiden Tagen auch in Burgbrohl angeboten: Mit dem Wegepatenteam des „Vulkan- und Panoramawegs“ gelangten die Besucher vom Bahnhof Burgbrohl entlang der Trasshöhlen auf die Höhen oberhalb des Eisenbahnviadukts und weiter zum Herchenberg.
Ein interessanter Zwischenstopp war der Bahnhof Niederzissen. Während hier das LVR-Kulturhaus, Landsynagoge Rödingen mit seiner Wanderausstellung „Jüdisches Leben im Rheinland“ vertreten war, hatte auch die ehemalige Synagoge im Ort ihre Türen für die Besucher geöffnet. In Oberzissen fand dagegen an der alten Schule das zwei Tage währende stimmungsvolle Weinfest des örtlichen Heimatvereins statt. Außerdem gaben sich einige Weinköniginnen und –Prinzessinnen die Ehre. Für den musikalischen Rahmen sorgten das Brohltal-Blasorchester, DJ Dieter und die Coverband „Gate5“. Auch das Heimatmuseum war an beiden Tagen geöffnet.
Wer über die Steilstrecke oder mit dem historischen Bus zum Bahnhof Engeln fuhr, konnte hier seine Künste beim Bogenschießen ausprobieren und verschiedene Infostände besuchen. Weiterhin boten die Heimatfreunde Weibern Wanderexkursionen über die ehemalige Bahntrasse über Weibern nach Kempenich an.
Für die vielfältigen Angebote gab es preisgünstige Tageskarten, Wochenendkarten sowie Familienkarten. Die regelmäßigen Zugverbindungen luden zu Zwischenstopps und Entdeckungsreisen ein und konnten mit den entsprechenden Fahrkarten beliebig häufig genutzt werden. FRE
Die Mitglieder des 14-köpfigen Vereins „Brohler Böller“ eröffneten das zweitägige Fest mit Böllerschüssen.
Diese in die Jahre gekommene Maschine kaufte die Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn e. V. bei der portugiesischen Staatsbahn Portugal und ist nunmehr dabei, Gelder für die Restaurierung zu generieren.
Bei den angebotenen Draisinenfahrten hatten die Besucher besonders großen Spaß.
Der Deutsche Eisenbahn-Verein (DEV) aus Niedersachsen schickte seine Dampflok „Hoya“ samt Personal zur Jubiläumsfeier der Brohltalbahn
Von links: Beigeordneter Marcus Fronert, Ortsbürgermeister Christof Bürger, Weinkönigin Kathrin Harz aus Walporzheim, 1. Vorsitzender Heimatverein: Hubert Harzen, 2. Vorsitzender Heimatverein: Dieter Speicher.
Das LVR-Kulturhaus, Landsynagoge Rödingen war am Niederzissener Bahnhof mit einer Wanderausstellung vor Ort
