Ausstellung des Sparkassen Denkmalpreises in Ahrweiler
Mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet
Niederzissens vorbildlich restaurierte ehemalige Synagoge gehört zu den ausgezeichneten Objekten
Ahrweiler/Niederzissen. In der KSK- Geschäftsstelle Ahrweiler werden derzeit preisgekrönte Objekte vorbildlicher denkmalpflegerischer Leistungen gewürdigt, darunter die ehemalige Synagoge Niederzissen. Zu dritten Mal seit 2010 haben der Sparkassenverband Rheinland Pfalz, die LBS Rheinland-Pfalz und die Direktion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz den Sparkassen Denkmalpreis Rheinland-Pfalz gemeinsam ausgerichtet. Wie vielfältig die rheinland-pfälzische Denkmallandschaft ist, spiegelten auch die 80 Einreichungen für den Wettbewerb 2015, aus denen eine Jury die Preisträger ermittelte. Ihnen ist eine Ausstellung gewidmet, die in Mainz ihren Auftakt erlebte, durch ganz Rheinland-Pfalz touren wird und derzeit Station in Ahrweiler macht. Der ehemaligen Synagoge Niederzissen als einem Schmuckstück des reichen baukulturellen Erbes von Rheinland-Pfalz im Kreis Ahrweiler galt bei der Eröffnung die besondere Aufmerksamkeit. „Mit großem Stolz hat die Ortsgemeinde und der Kultur- und Heimatverein Niederzissen die Auszeichnung entgegen genommen. Ich war persönlich Zeuge im Sommer des Vorjahres bei der Preisverleihung in Schloß Waldthausen in Mainz“, sagte Guido Mombauer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ahrweiler. Mit Uwe Wöhlert vom Vorstand der LBS Landesbausparkasse hieß er in der KSK-Geschäftsstelle Ahrweiler zur Wanderausstellung der Preisträger willkommen. Dazu begrüßte er im Beisein von Geschäftsstellenleiter Raphael Mondry den Niederzissener Ortsbürgermeister Rolf Hans mit dem Beigeordneten Ralf Doll, Richard Keuler, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins mit Gisela Reichrath, Norbert Wagner, Fördervereinsvorsitzender ehemalige Synagoge Niederzissen, die Gebietsreferentin der Landesdenkmalpflege, Dr. Katinka Häret-Krug sowie Raymund Pfennig und Beate Elzer-Föhr von der Denkmalpflege des Kreises Ahrweiler.
Museum und Begegnungsstätte
Unangetastet hat ein Schatz jüdischer Hinterlassenschaften in der 1840/1841 erbauten Dorfsynagoge den Nazi-Terror überstanden. Nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht verfiel das jüdische Gebetshaus und wurde als Schmiede zweckentfremdet, bis der Gemeinderat 2009 den Kauf und die Wiederherstellung beschloss. „Es brauchte viele Helfer, um die historische Substanz aus sieben Jahrzehnten Zweckentfremdung herauszuschälen. Mehr als 1500 Stunden ehrenamtlicher Eigenleistung investierten die Mitglieder des Kulturvereins in die Sanierung“, so Mombauer, der auch die Einrichtung eines jüdischen Museums und der Ausbau zu einer Begegnungsstätte mit vielfältigem Programmangebot als Erfolg der Bemühungen würdigte. LBS-Vorstandsmitglied Wöhler sprach von einem „herausragenden Beispiel“ gemeinsamer Anstrengungen von privaten Bauherrn, Handwerkern, Architekt und Denkmalpflegern: „Die fachgerechte Erhaltung forderte ein hohes Maß an Besonnenheit und Engagement.“
Seine Freude über die Auszeichnung verknüpfte Ortsbürgermeister Hans mit dem Lob für den Einsatz in der Gemeinde. Zunächst eine gute Infrastruktur und Industrieansiedlung für den Ort aufführend, betonte er: „Am wertvollsten in Niederzissen sind die 18 Ortsvereine von Sport über Musik bis Brauchpflege“. Was der Kultur- und Heimatverein für den von Land, Dorferneuerung, Denkmalpflege und Stiftung Denkmalschutz geförderten Synagogenerhalt getan habe, „ist schlicht unbezahlbar“, so Hans. „Durch seine Arbeit ist eine Begegnungsstätte Wirklichkeit geworden“. Kritiker, die es auch gegeben habe, verstummten immer mehr. „Wir als Kultur- und Heimatverein fühlen uns sehr geehrt“, erklärte Richard Keuler. Er versprach das Engagement fortzusetzen und versicherte, „das Preisgeld (2500 Euro in der Kategorie Unbewohntes Denkmal) haben wir sehr gut gebrauchen können“. Denkmalgebietsreferentin Dr. Häret-Krug stellte heraus, das Besondere an der Synagoge sei der Fund der Genisa. In dem verborgenen Depot lagerten Fragmente von Thorarollen, Gebetbücher, religiöse und profane Gegenstände jüdischen Lebens. Im Rahmen der Restaurierungsmaßnahme sei die ursprüngliche Fenstergliederung wiederhergestellt und die Fassadengestaltung nach historischem Vorbild restauriert worden. Im Inneren habe man die zweite von festgestellten vier historischen Farbfassungen zur Ausführung gewählt. Dr. Häret-Krug attestierte der Kernsanierung eine hohe Ausführungsqualität. Die zeige sich in der handwerklichen Leistung. Indem die Umsetzer höchsten Wert auf die Rekonstruktion der Originalzustände legten, „wurde der ursprüngliche Charakter des Gebäudes zuletzt wieder ablesbar“.
Auf Geschichte bauen
Unter dem Motto „Auf Geschichte bauen“ haben der rheinland-pfälzische Sparkassenverband, die LBS Rheinland-Pfalz und die Generaldirektion Kulturelles Erbe die einzige landesweite Auszeichnung für denkmalpflegerisches Engagement im Jahr 2010 ins Leben gerufen. Bei der Preisverleihung 2015 wurden sechs Preise in den Kategorien „Wohnen im Denkmal“ und „Unbewohntes Denkmal, dotiert mit insgesamt 15.000 Euro sowie sechs Anerkennungen und ein Sonderpreis für herausragendes Engagement in Sachen Denkmalpflege“ vergeben.
Die Ausstellung stellt bis 1. März mit Abbildungen und Erläuterungen das breite Spektrum der preisgewürdigten Baudenkmale dar vom kleinen Fachwerkhaus über ein Renaissance-Schlösschen und eine prächtige Jugendstilvilla bis zur ehemaligen Synagoge oder zum prachtvollen gründer-zeitlichen Postgebäude.
