Allgemeine Berichte | 18.07.2018, 09:33 Uhr

„Erzähltheater“ mit Rainer Kreuz in Wachtberg

Mit dem Fahrrad nach Marokko

Der Pecher berichtete von Land und Leuten, heiteren und dramatischen Erlebnissen auf den 3700 Kilometern

Voller Vorfreude hatte Rainer Kreuz das Fahrrad ein Jahr vor der Tour gekauft. CEW
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Wachtberg. Keinen Lichtbildvortrag, sondern ein Erzähltheater erlebten die Gäste jüngst im Feuerwehrhaus in der Pecher Seibachstraße. Rainer Kreuz war vor zehn Jahren aufgebrochen, um etwas zu tun, was er schon immer einmal tun wollte: mit dem Fahrrad von einem Kontinent zum anderen fahren. 3700 Kilometer hat er innerhalb von zweieinhalb Monaten hinter sich gebracht. 3700 Kilometer, die er im Erzähltheater mit den Gästen teilte. Das Originalfahrrad stand auf der einen Seite der Bühne, die selbstgemalte Übersichtskarte auf der anderen.

Regionalkarten statt Routenplaner und „Navi“

Für sein Unternehmen hatte der Sozialpädagoge drei Jahre lang Urlaub für ein sogenanntes Sabbatjahr angespart. Einen genauen Fahrplan habe er nicht gehabt, nicht einmal eine ausgearbeitete Route. Losgefahren sei er zusammen mit seiner Ehefrau Anke in Pech in den Sommerferien. „Ziel war, sich in den Herbstferien bei Verwandten in Marokko, in Fez, zu treffen“, berichtete er, und „damals gab es noch kein Navi, zumindest nicht so wie heute.“ Also fuhren die beiden mit Regionalkarten los – eine Strategie, der Kreuz bis zum Schluss folgte. Die ersten Stationen waren Gerolstein und Luxemburg. Nach diesen beiden Tagen habe er eine Pause gebraucht. „Aber das Gute an solchen Fahrradtouren ist ja, dass man dabei fit wird“, erzählte er schmunzelnd. „Das ist man in den ersten beiden Tagen eben nicht.“

Die nächsten Etappen führten Rainer und Anke Kreuz quer durch Frankreich innerhalb von zwei Wochen bis in die Dordogne. Dort stieg Anke Kreuz in den Zug nach Deutschland. Weil man dieses Ziel und damit einen engen Zeitplan gehabt hatte, seien sie in der kurzen Zeit knapp ein Drittel der gesamten Strecke gefahren. Ab diesem Zeitpunkt reiste Rainer Kreuz allein, übernachtete mal auf den Feldern ortsansässiger Bauern, mal in Jugendherbergen, mal einfach irgendwo im Freien. Trotz geringer Sprachkenntnisse sei die Kommunikation kein großes Problem gewesen – man verstand sich mit Händen und Füßen. In der Bucht von Arcachon am Atlantik stand die erste längere Pause an. Dort baute er Erlebnisschleifen ein, lernte Land und Leute kennen.

Das kam Rainer Kreuz (nicht) spanisch vor

Die nächste Etappe führte Rainer Kreuz nach Spanien. Allerdings habe er eine ganze Weile gar nicht gemerkt, dass er sich bereits in Spanien befand. „Es gab keine spanischen Schilder. Überhaupt gab es kaum Schilder“, hörte man. Bei den wenigen Ortstafeln sei man nicht darauf gekommen, dass es sich um spanisches Gebiet handeln könnte, weil die baskischen Bezeichnungen darauf standen. Auf der Route des Jakobswegs angekommen, begegnete er vielen Pilgern. Schließlich entschied er sich für eine Strecke, die ihn nördlich um Madrid herumführte und nach Sevilla führte. Weil ihn bereits seit Tagen zunehmend Zahnschmerzen plagten, suchte er dort schließlich einen Zahnarzt auf, der ihn von einem Weisheitszahn befreite und ihm eine zweiwöchige Pause bescherte.

Einen Zahn ärmer, aber eine Erfahrung reicher, erreichte er schließlich nach zweieinhalb Monaten sein Ziel: Fez, eine der vier Königsstädte Marokkos. Die Zeit, die er mit der Familie hatte verbringen wollen, war dem Zahn zum Opfer gefallen. Nur wenige Stunden blieben, um Geschichten auszutauschen und sich zu unterhalten. „Zweieinhalb Monate habe ich für den Hinweg gebraucht, zweieinhalb Stunden sind wir zurückgeflogen.“

Die Karte in der Kulisse zeigt den Weg quer durch Europa.

Die Karte in der Kulisse zeigt den Weg quer durch Europa. Foto: Petra Reuter

Rainer Kreuz erzählt von Höhen und Tiefen der Reise, vom Weisheitszahn in Sevilla und der knappen Ankunft in Marokko.

Rainer Kreuz erzählt von Höhen und Tiefen der Reise, vom Weisheitszahn in Sevilla und der knappen Ankunft in Marokko. Foto: Petra Reuter

Voller Vorfreude hatte Rainer Kreuz das Fahrrad ein Jahr vor der Tour gekauft. Fotos: CEW Foto: Petra Reuter

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