Allgemeine Berichte | 10.02.2018

Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein - Evangelisches Stift St. Martin

Mit neuem Schienbein kann Rohya wieder laufen

Stift St. Martin übernimmt kostenfreie Behandlung für Mädchen aus Afghanistan

Wiedersehen bei der Nachuntersuchung im Evangelischen Stift St. Martin: Prof. Erol Gercek freut sich zusammen mit Pflegekraft Ursula Paganetti, dass Rohyas Bein so gut verheilt ist und sie wieder laufen kann. privat

Koblenz. „Ohne Eingriff hätte das Bein amputiert werden müssen oder möglicherweise wäre Rohya sogar gestorben“, so Prof. Erol Gercek, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Ev. Stift St. Martin, über das Schicksal seiner kleinen Patientin. Im Februar 2017 kam das Mädchen aus einer entlegenen Provinz Afghanistans über die Hilfseinrichtung „Friedensdorf International“ nach Deutschland – mit einem offenen, vereiterten Bein vom Knie bis zum Unterschenkel. Direkt vom Flughafen wurde Rohya damals ins Ev. Stift nach Koblenz gebracht, nachdem mit einer Vorort-OP in Kabul die medizinischen Möglichkeiten im Krisengebiet ausgeschöpft waren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bakterien bereits den Knochen und die Wachstumsfugen am linken Bein aufgefressen. Dank aufwändiger Operationen durch Prof. Erol Gercek und sein Team konnte das Bein der damals Zehnjährigen gerettet werden.

Über vier Monate verbrachte Rohya im Krankenhaus. „Zunächst haben wir den Infektherd saniert und tote Knochen entfernt. Dann wurde mit dem Wadenbein der Gegenseite ein neues Schienbein gebaut“. Während dieser Zeit kümmerten sich das Team auf Station und ehrenamtliche Mitarbeiter vom regionalen Betreuerkreis um das Mädchen; haben mit ihr gespielt, gemalt, Deutsch gelernt und es liebevoll umsorgt. „Auch das ist eine wertvolle Arbeit, die neben der medizinischen Behandlung wichtig für den Heilungsprozess ist“, betont Prof. Erol Gercek. Die Kosten für die vielen Operationen und die langwierige Behandlung trägt im Übrigen das Ev. Stift St. Martin.

Mit dem Heilungsprozess ist der Chefarzt zufrieden: „Über ein halbes Jahr nach den operativen Eingriffen ist Rohya jetzt erneut zur Nachsorge im Stift. Das Knie kann sie zwar noch nicht ganz strecken, aber es hat sich ein tragfähiger Knochen gebildet, der es ihr schon jetzt ermöglicht, mithilfe einer Orthese, einer Art bewegliche Schiene, zu laufen.“

Doch bis hierin war es ein langer Weg. Nach ihrer Zeit im Krankenhaus kam Rohya letzten Sommer ins Friedensdorf nach Oberhausen. Dort erfolgten weitere Rehabilitationsmaßnahmen und sie lernte, wieder zu laufen. Jetzt, nach Abschluss der Reha-Maßnahmen und dem positiven Befund von Prof. Erol Gercek, wird Rohya auf die Rückreise nach Hause vorbereitet. Mit einem der nächsten Flieger geht es zurück in die Heimat Afghanistan. Dort warten schon neue, kleine Patienten auf eine Behandlung in Deutschland, denen dank des Engagements von Ärzten, Kliniken, dem Friedensdorf in Oberhausen und ehrenamtlichen Betreuern ein besseres Leben geschenkt wird.

Organisiert und initiiert wird diese Einzelfallhilfe durch „Friedensdorf International“. Die Initiative wurde bereits 1967 gegründet mit dem Ziel, Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten zu helfen. Ausgewählt werden dabei ausschließlich Kinder aus hilfsbedürftigen Familien, für die eine medizinische Behandlung in der Heimat nicht möglich und deren erfolgreiche Behandlung in Europa gesichert ist. In Deutschland werden sie in Zusammenarbeit mit über 150 Kliniken, die die stationären Behandlungen kostenlos übernehmen, bundesweit versorgt.

Wiedersehen bei der Nachuntersuchung im Evangelischen Stift St. Martin: Prof. Erol Gercek freut sich zusammen mit Pflegekraft Ursula Paganetti, dass Rohyas Bein so gut verheilt ist und sie wieder laufen kann. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Ralf Schweiss
Image Anzeige
Lampionfest in Weißenthurm
Heimat aktiv erleben
Bestellung Nr.: 4300003040-W100-606  /AZ Commodity Mayen KW 25
Peter und Paul Kirmes
Empfohlene Artikel
Die vulkanische Geschichte der Eifel lässt sich im Lava-Dome spielerisch entdecken. Foto: Dominik Ketz
252

Wer glaubt, Vulkane gäbe es nur auf Island oder in Italien, hat die Rechnung ohne die Eifel gemacht. Im Lava-Dome in Mendig wird schnell klar: Auch hier ging es einst verdammt heiß her! Das Deutsche Vulkanmuseum entführt seine Besucher auf 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte. Klingt staubtrocken? Von wegen! 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte.

Weiterlesen

In der ehemaligen Ahrweiler Synagoge diskutierten (von links) Nick Falkner, Ulrich van Bebber, Susanne Bell und Dr. Martin Wein.
253

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie hat die Flut den Zusammenhalt im Ahrtal verändert. Welche Konflikte bestehen noch? Wo trägt bürgerschaftliches Engagement weiterhin? Wo brauchen Menschen, Vereine und Kommunen mehr Unterstützung? Und was muss Politik aus dieser Katastrophe lernen, damit Warnketten funktionieren, Zuständigkeiten klar sind und der Staat im Krisenfall schneller handeln kann?

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 11
155

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Trotz der Hitze: gute Stimmung und Gespräche beim fairen Frühstück vor dem Andernacher Rathaus
987

Fairtrade Frühstück Andernach

Fairtrade Frühstück in Andernach

Andernach. Mit einem fairen Frühstück vor dem Historischen Rathaus hat die Stadt Andernach erneut ein sichtbares Zeichen für mehr globale Gerechtigkeit und nachhaltigen Konsum gesetzt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, gemeinsam zu frühstücken und dabei mehr über die Bedeutung fair gehandelter Produkte zu erfahren.

Von Hans-Georg Hansen aus Andernach

Weiterlesen