Allgemeine Berichte | 24.02.2016, 10:56 Uhr

Ehrenamtliche Behandlung eines Jungen aus Usbekistan

Mit zwei Händen in ein neues Leben

Spezialisten aus dem Bonner Malteser Krankenhaus übernahmen Operation

Mit zwei Händen in ein neues Leben
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Bonn. Was genau dem zehnjährigen Abdulkhodiy in seiner Heimat Usbekistan passiert ist, wissen Dr. Martin Richter und Dr. med. univ. Maria Wiedner nicht. Von einem Unfall mit einem Verbrennungsofen vor circa sechs Jahren hat das Friedensdorf International ihnen berichtet – die internationale Hilfsorganisation vermittelt verletzte Kinder aus Krisen- und Kriegsregionen an Krankenhäuser, die sich zu einer unentgeltlichen Behandlung bereit erklären. Für den kleinen Abdulkhodiy hatte der Unfall schwere Folgen: Beide Hände sind durch die Verbrennungen so deformiert, dass er sie kaum nutzen kann, die Haut im Gesicht ist schwerstverbrannt und auch die Füße sind verformt. „So genannte Verbrennungskontrakturen entstehen dadurch, dass die durch die Verbrennung vernarbte Haut nicht mehr mitwächst und sogar schrumpft“, erklärt Dr. Martin Richter, Chefarzt der Handchirurgie im Malteser Krankenhaus. „Dadurch sind Abdulkhodiys Hände und Füße so zusammengezogen, dass nur noch Stümpfe vorhanden sind. Seine Finger und Zehen sind zusammengewachsen. Was dies für den Jungen im Alltag bedeutet kann man sich gut vorstellen, wenn man überlegt, man würde bei allem, was man tut, Fäustlinge tragen.“

Der erste Schritt zu einer neuen Hand

Über Friedensdorf International wurde Abdulkhodiy nun an die Spezialisten im Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg vermittelt. In einer vierstündigen Operation haben Dr. Martin Richter und seine Kollegin Dr. med. univ. Maria Wiedner den ersten Schritt zu mehr Lebensqualität für Abdulkhodiy unternommen: Die linke Hand des Jungen wurde so wiederhergestellt, dass er zukünftig über eine „Basishand“ verfügt, also greifen und festhalten kann. Dafür haben die Ärzte den verwachsenen Handstumpf zunächst aufgetrennt und mit einem Hauttransplantat, das dem Jungen an der Leiste entnommen wurde und einer lokalen Lappenplastik rekonstruiert – und ihm somit eine neue Hand gegeben. Während des Eingriffs wurde auch das schwerverbrannte Gesicht des Jungen behandelt: Mit dem „Medical Needling“ hat Dr. med. univ. Maria Wiedner, die die Plastische Chirurgie im Malteser Krankenhaus leitet, die verbrannte Haut elastischer gemacht. „Dadurch werden zwei Dinge erreicht: Zum einen wird die Haut nach der Abheilung ansprechender aussehen, zum anderen hat der Junge eine höhere Funktionalität seines Gesichtes – er wird einfacher essen und besser sprechen können“, erklärt die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Bei dem Medical Needling wird die verbrannte Haut mit kleinsten Nadeln mikroverletzt; durch die unzähligen kleinen Stichverletzungen produzieren die Hautzellen vermehrt Kollagen – die Haut wird elastischer und glatter und damit beweglicher.

Weitere Operationen für mehr Lebensqualität

Einige Tage nach seiner ersten Operation sitzt Abdulkhodiy in seinem Zimmer im Malteser Krankenhaus und bastelt Armbänder aus kleinen Gummiringen. Seine beiden Ärzte staunen nicht schlecht, als er ihnen zeigt, wie er die Bänder zusammenfügt und der Junge hat sichtlich Spaß daran, zu zeigen, was er auch mit Verband schafft. Dr. Richter und Dr. med. univ. Wiedner sind sicher, dass er zukünftig noch viel mehr können wird, denn seine Behandlung ist noch lang nicht abgeschlossen. „Im Moment sind noch Drähte in der operierten Hand, die die neue Position der Knochen halten. Diese Drähte entfernen wir in etwa drei Wochen. Anschließend kommt die handtherapeutische Nachbehandlung mit individuell angepassten Schienen für etwa sechs Monate. In einem weiteren Schritt möchten wir die Finger der linken Hand trennen – dann hat Abdulkhodiy wieder eine Hand mit fast normaler Funktionalität“, erklärt Handchirurg Richter den weiteren Therapieplan. Auch seine Kollegin Dr. med. univ. Maria Wiedner ist sicher, noch viel für den Jungen tun zu können: „Das Ergebnis wird nach jeder Needling-Anwendung besser, so dass seine Haut mit jedem Mal weniger spannt und beweglicher wird.“

Als seine beiden Ärzte sich verabschieden, strahlt Abdulkhodiy sie an, winkt mit seiner verbundenen Hand und verspricht, ihnen auch Armbänder zu basteln. „Er hat zwar nach dem langen Leidensweg Angst vor medizinischen Behandlungen, aber er merkt, dass ihm hier geholfen wird“, ist sich Maria Wiedner sicher.

Pressemitteilung Malteser

Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg

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