Allgemeine Berichte | 29.08.2016

Die Naturfreunde Thalhausen feierten ihren 40. Geburtstag

Mitglieder kümmern sich um heimische Flora und Fauna

Blumenwiese und Krötenschutz sind Ziele für 2017

Förster Friedhelm Kurz erklärt den Kindern spielerisch die heimische Flora und Fauna. -KER-

Thalhausen. Vor genau 40 Jahren, 1976, versammelten sich in Thalhausen die Naturfreunde Wilfried Hoffmann, Werner Lemgen, Martin Siegel, Heinz Troß und Horst Weiland und gründeten den Verein der Natur- und Vogelfreunde Thalhausen. Das Ziel und der Vereinszweck waren der Erhalt und die Pflege der heimischen Flora und Fauna. Im Dorf etablierte sich der Verein schnell und wuchs zahlenmäßig stark an, auf heute über 120 Mitglieder. 1981 erfolgte die Umbenennung zum heutigen Namen „Naturfreunde Thalhausen“. Am vergangenen Wochenende würdigte der Verein seinen runden Geburtstag mit einer lehrreichen Feier am Auweiher im Iserbachtal.

Zu den ersten Gratulanten zählten Landrat Rainer Kaul, Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, die erste Beigeordnete der Gemeinde Rengsdorf Birgit Haas, Dr. Roland Pietsch von der Oberen Naturschutzbehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion in Koblenz, der Ortsbürgermeister von Thalhausen Norman Kranz, der erste Beigeordnete von Anhausen Heinz-Otto Zantop, die Ortsbürgermeister von Rüscheid und Meinborn Hartmut Döring und Gerhard Lindner, Pfarrer Andreas Laengener aus Anhausen, Revierförster Frank Krause sowie Verteter der Sparkasse Neuwied und der Raiffeisenbank Neustadt. Musikalisch überbrachte der Gesangverein Thalhausen dem Geburtstagskind sein Geschenk.

Die Bilanz der Naturfreunde Thalhausen in den bisher 40 Jahren seines Bestehens kann sich sehen lassen: Es wurden Feuchtgebiete und Biotope in Thalhausen und im Kirchspiel Anhausen angelegt und vergrößert, es wurden Obstbäume angepflanzt, vorwiegend Apfelbäume alter Sorten, es wurden einige hundert Nistkästen und -höhlen angebracht und gepflegt, Gehölze für den Niederwildschutz angepflanzt, Bäche im Rahmen von Patenschaften gepflegt und Maßnahmen zum Schutz der Roten Ameise getroffen. Diese Tätigkeit hat sich inzwischen ausgedehnt auf die Verbandsgemeinden Asbach, Dierdorf, Puderbach und Neustadt sowie auf den Heimbacher Gemeindewald.

Wegewart des Wanderwegs „Isenbachschleife“erhielt tatkräftige Unterstützung

Seit kurzem unterstützen die Naturfreunde Thalhausen den Wegewart des Wanderwegs „Iserbachschleife“ mit Mäh- und Freischneidearbeiten. Regelmäßig beteiligen sie sich am beseitigen des wuchernden Indischen Springkrauts. Sogar eine steinerne Treppe für den Wanderweg Iserbachschleife haben sie angelegt. Mit Unterstützung aus der Kommunalpolitik und der Verwaltung will der Verein weitere Gelder beantragen zum Erwerb von Flächen, auf denen Blumenwiesen angelegt werden sollen. Außerdem bereitet sich der Verein schon vor auf den im nächsten Jahr anstehenden Ausbau der Kreisstraße 113 zwischen Thalhausen und der Thalhauser Mühle. Dann werden dort Schutzmaßnahmen für die festgestellten Krötenwanderungen erforderlich, zum Beispiel in Form des Baus eines Krötenzauns. Ebenfalls im kommenden Jahr soll der Burbach in seiner Struktur verbessert werden. Auch für dieses Gewässer, das durch einen Defekt der Biogasanlage Anhausen stark verunreinigt worden war, haben die Naturfreunde Thalhausen eine Bachpatenschaft übernommen.

Mitglieder treffen sich einmal im Monat

Günter Gumbrecht ist seit acht Jahren Vorsitzender des Vereins. Er dankte besonders den Mitgliedern Helmut Bein, Armin Neuß und den Ameisenexperten Wilfried Hofmann und Hubert Siegel für die geleistete Arbeit, auch im Vorstand. Zuletzt wurden alle fünf noch anzutreffenden Gründungsmitglieder mit Geschenken geehrt.

Einmal im Monat, jeden zweiten Samstag, treffen sich Mitglieder des Vereins für gemeinsame Arbeiten. „Wir sind dann zwischen sechs und zehn Mann. In der Woche werden auch Arbeiten von Vereinsmitgliedern erledigt, die Rentner sind.“

Kinder untersuchten den Iserbach nach Kleinstlebewesen

Ein Höhepunkt der Feier am Auweiher waren die Vorträge und Vorführungen mit Exkursion von Friedhelm Kurz, einem ehemaligen Revierförster, der sich auf die Erklärung heimischer Flora und Fauna spezialisiert hat. Mit einer Gruppe von Kindern untersuchte er den angrenzenden Iserbach nach Kleinstlebewesen und bestimmte die gefundenen Arten. Im Gespräch mit „BLICK aktuell“ erklärte der Forstmann: „Wir erforschen den Iserbach auf die hier vorkommenden Kleinlebewesen. Hierbei geht es in erster Linie um Eintagsfliegenlarven, Steinfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse - alle Tiere, die am Gewässergrund unter den Steinen leben. Ich habe den Kindern das ganze Bachsystem erklärt, was es hier an Tieren gibt, auch außerhalb des Baches: den Eisvogel, die Wasseramsel, der Graureiher ist hier heimisch, die Stockente ist hier. Jetzt sammeln die Kinder hier diese Kleinlebewesen, anschließend bestimmen wir sie in einem großen Wasserglas. Ich will den Kindern auch vermitteln, dass diese Tiere uns etwas sagen über die Wasserqualität. Das sind alles Bioindikatoren. Wenn wir die Steinfliegenlarven und Eintagsfliegenlarven finden, dann wissen wir, dass dieses Gewässer der Güteklasse 1 oder 1 bis 2 zuzuordnen ist. Würde man Wasserasseln oder Rattenschwanzlarven finden, dann wissen wir, dass die Wasserqualität schlecht ist, mit einer Güteklasse von 3 oder 4. Der Iserbach hier ist von guter Qualität, er hat die Güteklasse 1 bis 2.“

Fledermausvorführung

Zum Abend hin bot Friedhelm Kurz den Besuchern der Veranstaltung eine einzigartige Fledermausvorführung. Mit speziellen Geräten machte er die am Auweiher und in den umliegenden Wäldern lebenden Fledermäuse hörbar. Kurz: „Meine Fledermausexkursion hat das Ziel, den Menschen das Lebewesen Fledermaus näher zu bringen. Ich beginne mit einer kleinen erläuternden Präsentation. In Rheinland-Pfalz gibt es noch circa 20 Fledermausarten. Mit speziellen Detektoren mache ich die Jagdlaute der Fledermäuse hörbar. Das sind quasi Echolote, mit denen die Tiere ihre Beute ausfindig machen. In diesem Jahr hatten wir das Problem, dass der Sommer sehr nass und kalt war. Das ist genau die Aufzuchtzeit für die Jungfledermäuse. Viele von ihnen haben nicht überlebt, weil die Mütter nicht genügend Milch produzieren konnten. Jetzt müssen sich die Tiere sehr schnell noch einen Vorrat anfressen, damit sie in den Winterschlaf gehen können.“ Im Vergleich zu den siebziger und achtziger Jahren, erklärt Kurz, haben die Fledermauspopulationen im hiesigen Raum wieder zugenommen. Am verbreitetsten ist die Zwergfledermaus, die sich auch in menschlichen Besiedlungen niederlässt. Manche Arten sind in Rheinland-Pfalz aber auch ausgestorben. Für seine Vorführung rechnete Kurz auch mit der Wasserfledermaus und mit ganz viel Glück auch mit dem großen Mausohr, der allerdings ein Bodenjäger ist. Seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen hat der Forstexperte den großen Abendsegler, der ganz hoch über den Baumwipfeln jagt und mit einer Flügelspannweite bis zu 34 Zentimeter schon ziemlich beachtliche Ausmaße annimmt.

Förster Friedhelm Kurz nimmt sich viel Zeit, Kindern und Jugendlichen die Zusammenhänge der Natur zu erklären.

Förster Friedhelm Kurz nimmt sich viel Zeit, Kindern und Jugendlichen die Zusammenhänge der Natur zu erklären.

Im Bach suchten die Kinder mit ihren Eltern nach Kleinstlebewesen, die Auskunft gaben über die Wasserqualität des Iserbachs.

Im Bach suchten die Kinder mit ihren Eltern nach Kleinstlebewesen, die Auskunft gaben über die Wasserqualität des Iserbachs.

Günter Gumbrecht ist seit acht Jahren Vorsitzender der Naturfreunde Thalhausen.

Günter Gumbrecht ist seit acht Jahren Vorsitzender der Naturfreunde Thalhausen.

Förster Friedhelm Kurz erklärt den Kindern spielerisch die heimische Flora und Fauna. Fotos: -KER-

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