Leuchtende Trommelstäbe und tanzende Babos bei der Feier der Ehlscheider Möhnen
Möhnenkarneval mit Überraschungen
Ehlscheid. So etwas muss den Ehlscheidern erst mal einer nachmachen: eine mehrstündige Karnevalsveranstaltung mit tanzenden und trommelnden Großgruppen und einem in die hunderte gehenden Publikum zu feiern und das Ganze quasi im eigenen „Wohnzimmer“. Denn so nennen die Ehlscheider ihre kleine Festhalle, wohin die Möhnen wieder einmal eingeladen hatten. Obermöhne Gaby Jung und Sängerin Kathrin Paul moderierten den Ablauf, viele helfende Hände bedienten die Gäste an den Theken mit Getränken, Speisen und Cocktails sowie auch an den Tischen. Viele Gruppen aus Karnevalshochburgen der Region waren gekommen, um ihre Darbietungen zu präsentieren. Nicht wenige Busse standen auf dem Parkplatz vor der Festhalle.
Zu den ersten Akteuren gehörte das Kinderkomitee Ehlscheid mit einem Tanz, einstudiert von Lisa Wust und Corinna Blüm. Dem folgten ein Auftritt der Wernder Sunshines und ein Sketch von Kathrin Paul sowie das Männerballett „Eiermänner“ aus Vettelschoß.
Mit Spannung erwartet worden war die Showtanzgruppe „Moonlight Dancer“ aus Irlich. Diese Damen und ein paar Herren überzeugen immer wieder durch ihre phantasievollen und bunt gemischten Kostüme und die rasanten Bewegungen und Hebefiguren zu rockiger Musik aus den siebziger und achtziger Jahren. Bei dieser, wie auch bei den anderen größeren Gruppen, grenzte es schon an eine Meisterleistung, dass mit so vielen Tänzern so viel Dynamik auf der kleinen, dafür zur Verfügung stehenden, Präsentationsfläche möglich war. Die Zuschauer in den vordersten Reihen konnten hinterher auf jeden Fall mit Gewissheit sagen, dass sie „hautnah“ dabei waren.
Veranstalter des Festes ist der Möhnenverein Ehlscheid, der an die 80 Mitglieder hat. Vorsitzende ist Petra Jung, die Tochter von Obermöhne Gaby. Die Karnevalsparty wird seit vielen Jahren gefeiert.
Zum ersten Mal in diesem Jahr machten die Burschen und Maimädchen mit. Sie hatten sich für ihren Tanz ein bayerisches Outfit zugelegt und eine eigene Choreografie einstudiert, sehr zum Gefallen des begeisterten Publikums.
Der - noch inoffizielle - Name der Gruppe lautet „Babos Locas“. Saskia Troß erklärt, wie es dazu kam: „Wir haben ja hier in Ehlscheid die Chicas Locas. In Anlehnung daran wollten die Jungs in der Gruppe gerne den Namen Babos Locas. Wir hatten diesen Tanz bereits auf der Kirmes am Samstagabend gezeigt. Den Möhnen hat das so gut gefallen, dass sie uns fragten, ob wir auch an Karneval noch mal auftreten wollen. Es hat uns ziemlich viel Spaß gemacht, deshalb glaube ich schon, dass wir nächstes Jahr wieder bei der Karnevalsveranstaltung mitmachen. Vielleicht ist unsere Gruppe dann sogar etwas größer.“ In diesem Jahr haben bei den „Babos Locas“ mitgetanzt: Mario Runkel, Nico Neumann, Tobias Vogel, Daniel Schiemenz, Nina Neumann, Laura Schäfer, Julia Kersten, Ayleen Weyers, Andrea Wust und Saskia Troß.
Wunderschön in farbig glänzende Kostüme gekleidet, schwebten die „Aubachtaler Spektakles“ aus Oberbieber durch die Halle. Wie als eine riesige Leinwand aufgerollt, hatten sie sich gleich ihre eigene Bühnendekoration mitgebracht. Als „Superhelden“ präsentierten sich anschließend die Chicas Locas. Nur das statt dem feuerroten S auf dem Trikot ein schmuckes C prangte. Die Gruppe gibt es seit 2001, also schon seit 16 Jahren. Angefangen haben die Mädchen als die Mini-Möhnen.
Daraus wurden zwei Jahre später die Chicas Locas. Aktuell gehören elf Tänzerinnen zu der Gruppe. Getanzt wird hauptsächlich an Karneval. Das diesjährige Sessionsmotto ist „Heroes“. Üblicherweise wird einmal die Woche zwei Stunden lang trainiert, drei Monate vor Karneval wird der Trainingsrhythmus verdoppelt. Die Ehlscheider „Chicas“ sind zwischen 18 und 30 Jahre alt.
Wie man sich von Klischees trennen und neue Musik- und Bewegungsformen in traditionelle Gruppen bringen kann, demonstrierte eindrucksvoll das Funkencorps Blau-Wiess 1968 aus Linz. Trommelnde Gardisten in Uniform und Stiefeln stellt man sich ja gemeinhin als steif und humorlos vor. Anders die Linzer, die schon mal einen spektakulären Einstieg hatten mit der Bitte, das Licht im Saal zu löschen. Den Grund erfuhr man gleich, als es dunkel wurde: Die Trommler wirbelten mit leuchtenden Trommelstäben auf ihren Blechtrommeln, optisch und akustisch absolut ansprechend. Auch sonst bauten die Corps-Soldaten allerlei Späße in ihren Auftritt ein. Ständig war Bewegung in der Gruppe, eigentlich kann man da schon von einer tanzenden Trommlerband sprechen. Zu den Stücken liefen über die Lautsprecherboxen moderne Rocktitel aus den achtziger Jahren. „Wir treten in dieser modernen Form seit elf Jahren auf“, sagt Kommandant Marcus Zimmermann. „Wir wollten uns mal ein bisschen von der Masse abheben, seitdem gibt es in unserem Programm diese Show-Acts. Jedes Jahr werden neue Elemente eingebaut. Dafür sind meine zwei Trommelmajore Stefan Klein und Maxi Henze zuständig. Wir haben Mitglieder, die sind ständig auf der Suche nach neuen Features, die wir einbauen können. Wir absolvieren Auftritte im Raum von Koblenz bis nach Köln. Das sind pro Session circa 25 Auftritte. Wir spielen aber auch bei nicht-karnevalistischen Veranstaltungen. Insgesamt sind wir 32 Aktive bei den Blau-Wiessen. Die jüngsten Mitglieder in der Rasselbande sind fünf Jahre alt. Die Tänzerinnen werden von Verena Traub trainiert.“ Bereits am darauf folgenden Sonntag hatte das Funkencorps Blau-Wiess bereits wieder einen Auftritt beim Empfang für 2.000 Gäste in der Linzer Sporthalle.
In Ehlscheid ging es nach dem tollen Trommel- und Tanzauftritt der Gäste aus Linz weiter mit einem Tanz der Funkengarde Oberlahr und abschließend dem Männerballett „Heiße Socken“ aus Neuwied, die schon seit 18 Jahren an Karneval ihre Freundinnen vom Möhnenverein Ehlscheid besuchen.
Am Tag nach der rauschenden Party in der Festhalle ging hier der Kinderkarneval über die Bühne. Dort moderierte dann das Kinderkomitee, welches am Abend zuvor noch in der Halle getanzt hatte.
An Schwerdonnerstag/Weiberfastnacht macht der Möhnenverein einen Umzug durch Ehlscheid, von Gaststätte zu Gaststätte mit Abschluss im Parkhotel Framke.
