Theatergruppe Ha-Rimm weiß mit Dreiakter zu begeistern
„Mord im Weinkeller“ wird zur Mordsgaudi
Müden. Zur diesjährigen Aufführung ihres neuen Stücks hat die Theatergruppe Ha-Rimm TME Müden die örtliche Gemeindehalle wieder in einen schmucken Theatersaal verwandelt. Auf dessen Bühne finden sich die Aktiven diesmal zur Komödie „Mord im Weinkeller“ in den Kulissen eines solchen im „Hotel zum gelben Haus“ wieder. Hier hat im Gegensatz zu ihrem trunksüchtigen Ehemann Jupp Vollmer, dessen Gattin Renate das Sagen.
Mit einem besonderen Wochenendarrangement inklusive Weinprobe für gut betuchte Gäste, konnte sie kürzlich ihre neueste Geschäftsidee umsetzen, die sich binnen kurzer Zeit zur wahren Goldgrube entwickelte. Ihre überzeugenden Argumente hierfür sind neben einem leckeren Weinangebot und ihrem französischen Sternekoch Alfons in der hauseigenen Gourmetküche, überdies Weinprinzessin Christina, die gewogene Hausgäste durch die abendlichen Weinproben führen soll. Die hat zwar keine Ahnung von Wein, weiß diesen jedoch durchaus in seiner ganzen Vielfalt zu genießen. Letzteres tut sie zur Verzweiflung von Renate und Alfons auch beim Training für die anstehende Weinprobe wieder, was allenthalben zu Problemen im Zeitplan führt. Zur abendlichen Gesellschaft zählen sich dann die beiden extravaganten High-Society-Ladys Lydia von Stein und Agathe von der Burg mit ihrem Minikläffer Nofretete. Ergänzt wird die Tischrunde vom weltfremden Herrn Jischke, der per Hausstudium eine Karriere als Doktor für Vegetationsdynamik beim „Wingertsunkraut“ anstrebt. Winzertochter Fanny hat für den Abend reichlich Mosel-Vino geliefert, was Jupp mit einem Zungenschnalzen begrüßt. Tatsächlich darf er auf Einladung der Hausgäste in der Weinrunde Platz nehmen, bevor am nächsten Morgen das Chaos seinen Lauf nimmt. Lydia und Agathe entdecken dabei am Frühstückstisch eine männliche Leiche
die bäuchlings auf dem Boden liegt. Sogleich fühlen sich beide für den Job einer Miss Marple berufen und verständigen im Beisein von Weinprinzessin Christina, Koch Alfons und Doktorand Jischke die Polizei. Die tritt mit Inspektor Heindl und Wachtmeister Locker in der Folge auf den Plan. Dies nachdem zunächst Putzfrau Gertrud, eine echte Heimsuchung mit Megafonschnauze, die Hinterlassenschaften des Abends beseitigt hat.
Doch was ist das? Mit dem Eintreffen der Beamten ist die Leiche wie vom Erdboden verschluckt. So beteuern deren Entdecker vor den Ermittlern zwar vehement die Existenz derselben, wissen sich aber über deren Verbleib ebenso wie die Polizisten keinen Rat. Hotelchefin Renate sieht aufgrund der Situation schlechte Propaganda fürs Haus und somit zurückgehende Einnahmen auf sich zukommen. Ihre Ansage an die Polizei: „Entweder Sie finden jetzt diese Leiche, oder ich werde Ihnen eine liefern!“ Was die begeisterten Zuschauer längst wissen, bei dem angeblichen Mordopfer handelt es sich um die Alkoholleiche von Hausherr Jupp. Der ist kurz nach seiner Entdeckung aus dem Alkoholkoma erwacht und hat sich in seine Privatgemächer zurückgezogen. Das Ganze klärt sich zum Ende natürlich auf und wird Hausgästen und Polizei als beabsichtigter Werbegag zur guten Unterhaltung verkauft.
Bei den Bühnenakteuren erfreut Sonja Loch als resolute Hotelchefin Renate Vollmer. Uli Möntenich weiß in trefflichem Miera Platt als weinfröhlicher Hausherr Jupp zu überzeugen und Sinah Kneip brilliert als permanent alkoholisierte Weinprinzessin ohne Durchblick. Mit einem tollen französischen Dialekt verdient sich Hans Schmitt als Sternekoch Alfons ebenso ein Sonderlob wie Martina Kron-Wendel, die in ihrer Rolle als Putzfrau und Wuchtbrumme Gertrud Glänzendes abliefert. In ihren Dialogen erreichen die Stimmen von Michaela Haas und Kathrin Locker, alias Lydia von Stein und Agathe von der Burg, den Klang von Flötentönen. Ein willkommenes Vergnügen, das ebenso wie das Verhätscheln des Miniköters für reichlich Lachtränen beim Publikum sorgt. Franziska Loosen gibt indes die kesse Fanny, die über die Vorgänge im Müdener Hotel bestens informiert ist. Der Part des völlig verpeilten Doktoranten Jischke scheint Jochen Möntenich förmlich auf den Leib geschrieben zu sein, während Andreas Emmerich als Trenchcoat tragender Inspektor Heindl für reichlich Gaudi sorgt. Last not least ist auch Frederic Euler in seiner Rolle als Wachtmeister Locker ein Garant für herzhafte Lacher. Diese werden immer wieder vom Beifall des Publikums begleitet, den sich die toll agierenden Bühnenaktiven redlich verdient haben. TE
Am Morgen nach einer beschwingten Weinprobe treffen Hausgäste und Personal scheinbar auf eine männliche Leiche.
