Martinus-Gymnasium Linz
Musical-AG begeisterte mit "Sekretärinnen"
Mit vielen neuen Songs beschrieben sie die Geschichte ihrer zeitgemäß aufgepeppten Figuren
Linz. In ein Großraumbüro hatte sich die Bühne der Linzer Stadthalle verwandelt, in dem jedoch zunächst nur eine einsame Sekretärin auf ihrer Schreibmaschine tippte. Erst nach und nach trafen ihre sechs Kolleginnen ein, die je nach Stimmung und Temperament bis zum Beginn der Arbeitszeit in Frauenzeitschriften schmökerten, ihre Schönheitspflege fortsetzten oder nach einem tiefen Zug aus den Flachmann eine Zigarette rauchten. Dargestellt wurden die Sekretärinnen, so ich er Namen des Stücks, von Schülerinnen der Musical-AG des Martinus-Gymnasiums Linz, die sich diese Musik-Revue ausgesucht hatten, die das Theater-Unikum Franz Wittenbrink für die Uraufführung 1995 in Hamburg zusammengestellt hatte.
„Der im August 1948 in Bentheim geborene Arrangeur, Dirigent und Pianist, ein Neffe des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, Alfons Goppel, hat für seine Liederabende, die mittlerweile Kultcharakter besitzen, immer eine abenteuerliche Mischung benutzt von Volksliedern bis zum Pop, von Opernarien bis zu Schlagern“, erklärte der MG-Deutsch- und Philosophielehrer, Eric Feldes, der für die schauspielerische Leitung verantwortlich zeichnete. Der Leiter der MG-Big-Band, Musiklehrer Tobias Lehmann wiederum, hatte die musikalische Leitung übernommen. Geprobt worden war seit dem Beginn des neuen Schuljahrs, wobei die junge Musical-Stars aus den Klassen 7 bis 11 auch in den Osterferien keine Pause eingelegt hatten und sogar die Mai-Feier- sowie Brückentage einfach ignoriert hatten. „Immerhin haben sie den Ablauf, den Handlungsaufbau und die Rollen eigenständig gestaltet und dafür teilweise auch neue Musikstücke ausgesucht. Schließlich ist das Stück inzwischen schon in die Jahre gekommen, sodass es zumindest für ein jüngeres Publikum schon etwas aufgepeppt werden musste“, so Eric Feldges.
Nun hatte in der Stadthalle die Arbeitszeit der aus sieben Tippsen reduzierten Sekretärinnen begonnen, wie der Chef, deutlich zu erkennen gab, für den die Musical-AG auf den Ehemaligen Christian Schmelzer (Abi 2015) zurückgriffen hatten.
In die Rolle der hochschwangeren „Öko-Mami“, deren Welt aus Ultraschallbildern und Biobaumwolle bestand, war Maja Zimmermann (11), geschlüpft. Selig auf den großen Tag hinlebend, wünschte sich sich mit Hildegard Knef: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Ganz anders das „Trophy-Wife“, Amelie Zimmermann (11), das angesichts der Trennung vom Ehemann zunächst herzzerreißend in Tränen ausbrach. Von ihren Kolleginnen getröstet, schwörte sie dem Untreuen Rache und erklärt trotzig ihr Leben auch wie die Kreditkarte des Ex selber in die Hand zu nehmen, was sie mit dem Gitte-Song „Ich bin stark“ unterstrich.
Während das Nesthäkchen der Musical-Gruppe, Nicole Kühnapfel aus der 7a, das Gedicht „Wolfi“ vortrug, wurde Justine Pertz (11) ihrer Rolle als „Die Affäre“ gerecht, indem sie am Telefon ihren Geliebten anhimmelte, bei dem, es sich ganz offensichtlich um den Bürochef handelte, der gleichzeitig ebenfalls ins Telefon säuselte, allerdings vor der Bühne. „They don’t know about us“, war sich die Sekretärin, die englisch-irische Boygroup „One direction“ zitierend, mit dem ersten selbst in den Liederabend eingebauten Stück sicher. Auf die Vorlage von Franz Wittenbrink griff dann wieder das „Party-Girl“, , Annabell Teufel (10c), zurück, für das der Bürojob nur dazu diente, um am Wochenende ausgehen und ausschweifend feiern zu können. „Ich bin zu geil für diese Welt!“ war sie sich mit den „Phantastischen 4“ einig, bevor ihre Kolleginnen zusammen Otis Reding mit „Sitting in the morning sun“ zu Wort kommen ließen.
Selber eingebaut hatte die Musical-Stars Nenas Hit „Liebe ist“, um die Gefühle von Veronika Strauch (11) zu beschreiben, von der „Die Verliebte“ gespielt wurde. Und auch Kate Perrys „Roar“, mit dem das Party-Girl alle Klischees hinter sich ließ, ist im Original-Liederabend nicht zu finden. Wohl aber Bettina Wegners Song „Sind so kleine Hände“, den Nicole Kühnapfel sang als „Mobbing-Opfer“, wobei diese Rolle den Zuschauern, darunter natürlich auch Schulleiter Thomas Finkeldey-Schmacke und zahlreiche Lehrer, erst später deutlich werden sollte. Zunächst tröstet es noch „Die Witwe“, Celine Fumfack (9d), auf deren Tisch das Foto ihres verstorbenen Mannes mit Trauerflor stand. „Menschen, die sich lieben, sind sich nah“ über den Tod hinaus, versicherte sie sich mit dem Linzer „Sekretärinnen“-Song von Juliana Werding „Stimmen im Wind“. Da man sich an Männer ganz offensichtlich nicht halten kann, sind Diamanten die sicherere Anlage, hatte schon Marilyn Monroe im Brodway-Musical „Blondinen bevorzugt“ gewusst. Entsprechend verteilte das Trophy-Wife auch jede Menge glitzernde Klunker aus dem Paket, das ihr der schweigsame Büro Philipp Schlemmer gebracht hatte, an ihre Kolleginnen, mit Ausnahme eben des „Mobbing-Opfers“. Alles, zumindest „All of me“ würde „die Affäre“ für ihren Liebsten opfern. Wie sehr sie sich in dem allerdings getäuscht hatte, sollte sie erst nach der „Mittagspause“ erfahren.
Die wurde von der Big Band mit dem Joghurt Walzer beendet, bevor „die Witwe“ mit „Someone like you“ aus London Adele auf die Bühne holte. Für mehr Freude auf der Welt und gegen Tabus sang dann das „Party Girl“ mit „Everyone is gay“ des amerikanischen Pop-Duos „A Great Big World“, wie Nicoles „Ein bisschen Frieden“ alles von der Musical-AG selbst ausgewählte Lieder so wie auch Gloria Gaynors „I will survive“ trotz der Attacken des Ex der Trophy-Frau oder der „Secret Love Song“ der verliebten Sekretärin. Die musste dann doch den „Ärzten“ recht geben: „Männer sind Schweine“, was der Boss mit James Browns „It’s a man’s world“ überdeutlich machte. Auch wenn den Sekretärinnen nur das tröstliche „Dream am little dream“ der „Mamas and Papas“ blieb, die Musical AG hatte sich mehr als nur „a little respect“ verdient, wie Aretha Franklin gefordert hatte. Welche großen Respekt die tolle Leistung beim Publikum hervorgerufen hatte, hatte das nicht nur durch den jeweilgen Szenenapplaus kund getan, sondern vor allem durch die standing ovations, mit denen das junge Team abschließend belohnt wurde.
DL
Mitleid erregte die von ihrem Mann verlassene Sekretärin bei ihren sechs Kolleginnen aus dem Großraumbüro in der Aufführung der Musical-AG des Linzer Martinus-Gymnasium in der Stadthalle, die einen der „Liederabende“ von Franz Wittenbrink neu gestalteten.
