Vortrag vom Kölner Strafverteidiger Michael M. Lang
Musik als Waffe
Swisttal-Odendorf. „Musik als Waffe - Das politische Lied in der Weimarer Republik und in der NS-Zeit“ – zu diesem Thema referierte der Kölner Strafverteidiger Michael M. Lang am 24. Januar im gut besuchten Odendorfer Zehnthaus.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich Lang eingehend mit den propagandistischen Aktivitäten der 20er, 30er und 40er Jahre im Bereich der Musik und trug dabei auch eine bedeutende Sammlung von Originaltonträgern zusammen. An diesen Schätzen ließ er das Publikum gerne teilhaben. Er illustrierte seinen Vortrag mit vielen Tonbeispielen und machte so den Einsatz der Musik als Kampfmittel in der politischen Agitation der Zeit hörbar und erlebbar. Von den zahlreichen vorgeführten Tondokumenten lässt sich beispielhaft das Soldatenlied „Argonnerwald“ aus dem Ersten Weltkrieg anführen. 1919 wurde es von den Spartatakisten als „Büxenstein-Lied“ neugefasst und erhielt später von den Nationalsozialisten den Text „Durch deutsches Land marschieren wir“. Als Fußnote verwies Lang darauf, dass die Melodie auch heute - natürlich wiederum mit neuen Texten - im Karneval sowie im Fußball gespielt wird.
Neben den Musikstücken präsentierte der Referent auch die „Werkzeuge“. Zunächst führte er eindrucksvoll eine achttönige Sopran-Schalmei vor, die in der Weimarer Republik das typische Instrument der kommunistischen Spielmannszüge war. Die musikalischen Darbietungen ließen sich somit bereits über den Klang der Instrumente politisch zuordnen. Ebenso präsentierte er ein Koffergrammophon sowie originale Propagandaplatten. Kleine Agitprop-Trupps, die mit dem Fahrrad unterwegs waren, konnten so hochbeweglich ihre Botschaften unters Volk bringen. Meist waren auf die Platten Propagandareden gepresst, gefolgt von Kampfliedern, die die politische Botschaft noch emotional verstärken sollten.
In der sich anschließenden angeregten Diskussion wurden viele interessierte Fragen gestellt. Michael Lang ging auf alle Punkte sehr ausführlich und kenntnisreich ein.
Pressemitteilung
des Vereins Zehnthaus e. V.
