Allgemeine Berichte | 02.06.2022

Auftakt der Projektwoche „Schule mit Courage „ an der RS Plus auf der Karthause

Musikalische Lesung „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“

V.li. Geschichtslehrerin Frauke Rittscher, Schülerin Lara Schmidt, Patricia Litten, Schüler David Kusi, Schülersprecher Wladislav Pankovskij, Schulleiter Bodo Dobbertin, Cellistin Birgit Sämann. Foto: privat

Karthause. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8-10 folgten der Lebensgeschichte des gegen den nationalsozialistischen Terror kämpfenden Anwalts Hans Litten. Seine Nichte Patricia Litten las aus dem Buch ihrer Großmutter Irmgard Litten, die das Schicksal ihres Sohnes festgehalten hatte. Musikalisch unterstrichen wurde die Lesung durch Einlagen der Cellistin Birgit Saemann.

Seit Dezember hatte die Fachschaft Geschichte unter der Leitung von Frauke Rittscher die Veranstaltung vorbereitet, die durch Fördermittel des Bildungsministeriums RLP und des Förderprogramms „Demokratie leben! Partnerschaft für Demokratie“ ermöglicht werden konnte. Laurenz aus der 9d beschreibt die Vorbereitung im Unterricht: „Wir haben uns über Hans Litten unterhalten und uns über die schlimmen Begebenheiten der Zeit informiert. Dass man keine eigene Meinung haben durfte, wenn diese nicht der Meinung der Nationalsozialisten entsprach und dass man für Andersdenken, Glauben und Leben ins Gefängnis kam, bzw. gleich ermordet wurde.“

Schulleiter Bodo Dobbertin begrüßt die rund 300 Schülerinnen und Schüler in der Aula: „Heute begeben wir uns wieder auf eine Zeitreise in eine dunkle Zeit in die Vergangenheit, um daraus zu lernen, was war und auch ganz besonders zu lernen, was nie wieder passieren darf.“

„Ich danke euch für eure Stille“ schließt Patricia Litten ihre Lesung und klappt das Buch zu, das alle weit über eine Stunde gefesselt hat. Als Auftakt der Projektwoche „Schule mit Courage“ hat die Lesung in der Aula ein Zeichen gesetzt, denn Stille ist nicht das, was man von einer so großen Schülergruppe normalerweise erwartet.

Erschüttert, schockiert, sehr nachdenklich diese Reaktion auf den Moment am Ende des Weges durch das Buch, am Ende des Weges durch das Leben des Rechtsanwalts Hans Litten, der als Gegner des nationalsozialistischen Regimes einen entsetzlichen Weg bis hin zu seinem Tod im Konzentrationslager Dachau durchleiden musste. Musikalisch unterstreicht Birgit Saemann mit ihren Cello- Einlagen die düstere, immer bedrohlicher werdende Entwicklung. Die Nichte des Anwalts der Arbeiter liest die Aufzeichnungen ihrer Großmutter vor, liest, fasst Passagen mit eigenen Worten zusammen, trägt entscheidende Situationen mit bitterer, manchmal fast versagender Stimme vor, bis hin zum unausweichlichen Ende und den letzten Worten der Mutter von Hans Litten, der sich dem nationalsozialistischen Regime entgegengestellt hatte.

Doch mit der Stille am Ende lässt die Patricia Litten die Zuhörer nicht alleine. Sie holt das Publikum in die Gegenwart, eröffnet eine Fragerunde, kommt von der Bühne herunter und bewegt sich zwischen den Stuhlreihen durch die Jugendlichen. Diese werden nun laut mit ihren Fragen, ihrer Entrüstung und ihren Befürchtungen, die alle einen ähnlichen Tenor haben. „Kann so etwas wieder passieren?“ und „Was müssen wir tun, dass so etwas nicht wieder passiert“?“ Die Antworten der Nichte des Mannes, um den es an diesem Vormittag ging, wirken sehr persönlich und konkret an diese jungen Leute gerichtet. „Hört nie auf, Fragen zu stellen. Behaltet eure Richtung bei, steht zu dem, was euch wichtig ist. Respekt, vor allem Respekt, vor jedem, so wie er ist, und hört auf euren inneren Kompass.“

Auf dem Rückweg zum Schulgebäude gibt Florian aus der Stufe 9 seiner Geschichtslehrerin Frau Rittscher ein Feedback: „ Ich fand gut, dass Frau Litten so lebhaft vorgelesen hat und die Musik hat genau dazu gepasst. Ich konnte jetzt besser verstehen, wie das Leben in den Konzentrationslagern war. Das Buch war so traurig, weil Hans Litten gefoltert wurde und in Dachau gestorben ist.“

Eingangs hatte Schulleiter Bodo Dobbertin gesagt, dass dieser Rückblick in diese dunkle Zeit verdeutlichen würde, warum es so wichtig sei, sich für Demokratie und ein friedliches Miteinander einzusetzen. Es scheint, dass dieser Wunsch bei einigen, bei vielen Schülerinnen und Schülern angekommen ist, eine gute Voraussetzung für die beginnende Projektwoche „Schule mit Courage“.

V.li. Geschichtslehrerin Frauke Rittscher, Schülerin Lara Schmidt, Patricia Litten, Schüler David Kusi, Schülersprecher Wladislav Pankovskij, Schulleiter Bodo Dobbertin, Cellistin Birgit Sämann. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Industriemechaniker
Maifest Gönnersdorf
Erzieher
Servicemitarbeiterin
100 Jahre Eifelverein Dernau
Pädagogische Fachkraft (w/m/d)
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 17
Empfohlene Artikel
Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
350

Andernach. Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung. Gleichzeitig verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz in der Grünflächenpflege.

Weiterlesen

Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
142

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
35

Remagen. Das Dienstgebiet der Polizeiinspektion Remagen umfasst die Städte Remagen und Sinzig sowie die Verbandsgemeinden Bad Breisig und größtenteils Brohltal. Auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometern werden mehr als 61.000 Einwohner betreut. Das Straßennetz beinhaltet neben innerörtlichen Verkehrsflächen etwa 60 Kilometer Bundesstraßen, über 100 Kilometer Landesstraßen sowie rund 60 Kilometer Kreisstraßen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
49

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
43

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Imageanzeige
Gesundheit im Blick
Titelanzeige
Kleinanzeigen
Maifest in Gönnersdorf
Tank leer?
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Anzeigenschaltung zur Praxisschließung
Maifest in Dedenbach
Gegengeschäft
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr