Essener Gitarrenduo begeistert im Augustinum
Musikalische Reise durch Europa
Bad Neuenahr. Auf eine rund einstündige Reise durch Europa, wurden die Zuhörer im Wohnstift Augustinum entführt. Das Essener Gitarrenduo, bestehend aus Bernd Steinmann und Stefan Loos, hatte eine buntes Programm zusammengestellt. Während es in der ersten Konzerthälfte berühmte Kompositionen aus verschiedenen Ländern und Epochen zu hören gab, rundeten spanisch inspirierte Eigenkompositionen und Arrangements in der zweiten Konzerthälfte den Abend ab.
In weiten Teilen in piano gehalten, der Einstieg mit John Dowlands melancholischem Renaissancewerk „La Rossignol“ (die Nachtigall). Und auch in der folgenden Volksweise „Greensleeves“ (grünes Kleid), kam der Herzschmerz eines Liebenden zum Ausdruck, der sich an die Frau mit dem grünen Kleid erinnert.
Auf grüne Kleider folgte ein rothaariger Komponist. Zurückgehend auf seine Haarfarbe und seine Profession, kannte man Antonio Vivaldi in Venedig nämlich vor allem als den „roten Priester“. Weniger bekannt ist, dass Vivaldi viele Jahre als Musiklehrer an einem Waisenhaus für Mädchen arbeitete, für das er zahlreiche Werke komponierte. Aus diesem Repertoire präsentierte das Gitarrenduo ein stimmungsvolles und heiteres Arrangement eines Allegro aus einem Mandolinenkonzert.
Über England und Italien führte die Reise nach Deutschland zu Robert Schumann und der Hochromantik. Aus den Kinderszenen, einem Klavierzyklus mit 13 Stücken, trugen Steinmann und Loos „Die Träumerei“ und „Von fremden Menschen und Ländern“ vor. Lud „die Träumerei“ den Zuhörer ein, beim zarten Zupfen der Saiten in Erinnerungen zu schwelgen, war bei „Von fremden Menschen und Ländern“ die Sehnsucht nach der unbekannten fernen Welt herauszuhören.
Eine Interpretation des ursprünglich für das Klavier komponierten Stückes „Homoreske“, des böhmischen Komponisten Antonín Dvorák, beschloss die erste Konzerthälfte. Vielen Zuhörern kam die eingängliche Melodie bekannt vor. Denn die Homoreske bildet die Melodiebasis für „Eine kleine Frühlingsweise“.
Mit seiner Vorliebe für die spanische Gitarre, spielte sich das Duo in der zweiten Konzerthälfte in die Herzen aller Zuschauer. Hatten Steinmann und Loos die erste Konzerthälfte vom Blatt gespielt, bestritten sie diesen Teil des Konzertabends frei. Frei und gelöst auch die Anmoderation der Stücke und die Improvisationspassagen innerhalb der Werke. Wer die Augen schloss, der hätte meinen können, er sitze bei Wein und Tapas auf einem spanischen Plaza.
Das Duo stieg mit einem stimmungsvollen und heiteren „Malagueña“ in den spanischen Teil des Abends ein, da wippte schon so mancher Fuß mit. Der Malagueña ist ein spanischer Volkstanz des 19. Jahrhunderts, aus dem sich der Flamenco entwickelte. Gelöste Stimmung kam auch bei der Eigenkomposition „Rumba furioso no tanto“, eine dem Titel nach „nicht so furiose Rumba“. Dieses Stück lebte von der Interaktion und der Spielfreude des Duos, das im Jahr 2020 30 Jahre gemeinsam musiziert. Da wurde der Bauch der Gitarre kurzerhand zur Trommel umfunktioniert und improvisiert was das Zeug hält.
Weniger temporeich, dafür passagenweise melancholisch, das folgende „Lento dos“. Ihre technische Klasse stellten die Musiker bei der Komposition „Recuerdos De La Alhambra“ (Erinnerungen an Alhambra) unter Beweis, einem Solostück, das sie neu arrangiert haben, samt anspruchsvoller Tremolo-Technik.
Mit einer kleinen Rumba, der „Rumba chica“ beschloss das Essener Gitarrenduo den Konzertabend schwungvoll und wurde mit tosendem Applaus und el vino von der Bühne verabschiedet.
Noch das ganze Jahr über finden zum Thema Europa Kulturveranstaltungen im Wohnstift Augustinum statt, zu der auch Gäste eingeladen sind. Das aktuelle Programm und weitere Informationen gibt es online unter www.augustinum.de/bad-neuenahr unter dem Reiter Kulturveranstaltungen.
