Allgemeine Berichte | 13.10.2018

Ein Genuss für Ohr und Augen in der Ahrweiler Synagoge

Musikalische Reise durch Schottland

Das Zusammenspiel aus Musik, Gesang und Licht erzeugte eine stimmungsvolle Atmosphäre. IT

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie schaffen es vier Musikerinnen die weiten grünen Flächen, die Farmen, das raue Meer und die teilweise unbändige Lebensart ihres Heimatlandes Schottland zu vermitteln? Wer das Glück hatte, noch einen Platz in der Synagoge zu bekommen, konnte es hautnah erleben! Alle Sinne und Gefühle waren angesprochen, als Top Floor Taivers, wie sich die Gruppe nennt, Melodien des sagenumwobenen Landes vortrug. Schloss der Zuhörer kurz die Augen, so war er dabei und stand mit am Meer, wenn der Fischer das letzte Mal zur See fuhr oder an der Theke, neben den harten Männern die lauthals diskutierten und das Guinness in sich hinein schütteten, bis es in einer Rauferei endete. Oder man fand sich im Elternhaus auf der Farm, wo die Kindheit von Liebe, Glück und Freiheit geprägt ist und nun die fünfte Generation flügge wird und das Haus verlässt. „Es stehen nicht mehr so viele Schuhe im Flur!“ Dieser poetische Text stammt von der Front-Frau und Sängerin Claire Hastings, die auch die Ukulele zum Klingen bringt. 2015 erhielt sie von der BBC Radio Scotland die Auszeichnung zum „Yong Traditional Musician of the Year“. Bei dem gleichen Wettbewerb schaffte es die „Clasarch“-Spielerin und Sängerin Heather Downie ins Finale. Von ihr war die Eigenkomposition über eine Paarbeziehung zu hören, die, wie sie erst glaubten, nicht so recht ins Repertoire passen würde und daher nicht gespielt werden sollte. Doch es wäre schade gewesen, denn dem Publikum gefiel es. Die Schottische Harfe, wie das Instrument hier genannt wird, hat den warmen, liebevollen Klang, der den Interpretationen die richtige Stimmung verleiht. Den kraftvollen, dominanten Part der Instrumente übernahm die Mandoline, gespielt von Laura-Beth Salter. Auch sie ist eine hervorragende Künstlerin. Sie komponiert, unterrichtet und wurde 2013 als MG Alba Composer of the Year nominiert. Wie man es aus der traditionellen Musik her kennt, gab sie mit dem Absatz den Takt an. Den wilden, temperamentvollen Klängen der Mandoline setzte die Geige oder Fiddle, wie sie im Englischen genannt wird, weiche Töne entgegen und gaben damit den typischen Stil der Schottischen Musik vor. Gráinne Brady heißt die junge Dame, die gefühlvoll den Bogen über die Saiten strich. Auch sie schreibt ihre eigene Musikgeschichte. Neben ihrer eigenen Band und verschiedenen Musikprojekten ist sie in zahlreichen Musikorganisationen aktiv und komponiert noch eigen Stücke. Obwohl alle vier Damen großartige, eigenständige Musikerinnen sind, so harmonieren sie hervorragend in der Band und nehmen das Publikum mit auf eine spannende Musikreise quer durch Schottland. Ein großer Applaus zeigte die Begeisterung der Zuhörer und Zuhörerinnen und die Musikerinnen ließen sich nicht lange bitten, noch zwei Stücke als Zugabe zu spielen - wobei sich das Publikum bei dem letzten Stück sogar zum Mitsingen anregen ließ. Es war das dritte Konzert der Top Floor Traivers in Deutschland und es werden noch viele folgen. Diese werden immer wieder das Publikum begeistern. Eine gute Entscheidung, diese Botschafterinnen des hohen Nordens Großbritanniens in die Synagoge einzuladen.

Das Zusammenspiel aus Musik, Gesang und Licht erzeugte eine stimmungsvolle Atmosphäre. Foto: IT

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