Søren Thies zu Gast in Urbar
Musikalische Reise um die halbe Welt
Vallendar.„Mit nur einem einzigen Instrument und der eigenen Stimme eine akustische halbe Weltreise zu unternehmen, wie soll das möglich sein?“, mögen sich manche im Publikum der Stommel-Stiftung in Urbar am Sonntag gefragt haben.
Doch sie wurden eines besseren belehrt, denn der Akkordeonist und Sänger Søren Thies schafft das sehr elegant, augenzwinkernd und spielerisch.
Sein „Moische“, Klezmer-Musiker aus Odessa, flieht die Armut des Schtetels und macht sich auf in die weite Welt, um dort sein Glück zu suchen. Was ihm musikalisch alles begegnet, das schildert Søren Thies mit Akkordeon und Stimme überaus lebendig und anschaulich.
Kaum hat er dem etwas schwermütigen Musikstil Osteuropas den Rücken gekehrt, kauft sich Moische, im Vogtland angekommen, ein Akkordeon und beschließt, Deutsch zu lernen, was sich dann alles auch in der Musik widerspiegelt.
Und dass dabei, wie durch Zufall, in Urbar auch Evergreens erklingen, so „Der kleine grüne Kaktus“ oder „Das gibts nur einmal“, wird vom Publikum dankbar aufgenommen und immer wieder mit frohem Mitsingen quittiert.
Der von Moische in Frankfurt bestiegene Zug endet schließlich nicht in Bremerhaven, sondern in Paris, doch das erweist sich, zumindest musikalisch, als ausgesprochener Glücksfall.
Hier hat Søren Thies Gelegenheit, Klezmer und Musette miteinander zu vereinen, indem er seinen Moische Deutsch-Französisch-Jiddische Chansons (z.B. „Leben ohne Libbe“) schreiben und musizieren lässt. Seine Liebe Röschen hat Moische indes nicht wieder gefunden, auch wenn er sie dann bis nach New York suchen wird.
Schließlich kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, was Moische da noch alles komponiert haben soll: „Passion“, „La Mer“ und gar „Au Champs-Elysées“.
Und dass er mit „Bei mir bist Du schön“ angeblich sogar am Broadway reüssiert haben soll, hat im Publikum niemanden gestört, so laut und kräftig haben alle mitgesungen.
Was ihm musikalisch alles begegnet, das schildert Søren Thies mit Akkordeon und Stimme überaus lebendig und anschaulich. Foto: privat
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