Dekanatskantor Jens Schawaller spielte auf Albert Schweitzers Klavier
Musikalischer Dialog zwischen Elsass und Westerwald
Westerwald. Albert Schweitzer, 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar geboren und 1965 in Lambaréné, Gabun gestorben, gehört mit zu den faszinierendsten Persönlichkeiten der evangelischen Kirche: Nach seinem Studium der Theologie entschied sich der junge Mann, noch Medizin zu studieren, um als Arzt in Lambaréné ein Urwaldkrankenhaus aufzubauen. Anders wäre es ihm sonst nicht möglich gewesen, sein diakonisches Denken in handfeste Arbeit umzusetzen. Albert Schweitzer, der zunächst als virtuoser und gefeierter Organist und berühmter Bachinterpret von sich reden machte, hatte lebendige Kontakte in die Musikwelt seiner Zeit und war auch philosophisch und sprachlich hochbegabt. Aber auch politisch war der praktizierende Pazifist bestens informiert und im steten Dialog mit den Vertretern der Hochpolitik. Um so mehr freute es Dekanatskantor Jens Schawaller bei einer Studienfahrt ins Elsass, das im Jahr 1928/1929 erbaute Hause des weltbekannten Konzertorganisten, Urwalddoktors und Nobelpreisträgers in Günsbach besuchen zu können – und auf dessen Originalklavier spielen zu können. „Sie dürfen gerne spielen“, meint der ebenso freundliche wie kompetente Museumsführer in seinem charmanten elsässischen Tonfall, „Albert Schweitzer hat es so gefügt: Das Klavier soll auch nach seinem Tode gespielt werden!“. Dabei handelt es sich um ein tropentaugliches Instrument, das der Braunschweiger Flügelbauer Schimmel mit einem ausgebauten Orgelpedal entwarf, sodass der große evangelische Musiker auch in Afrika seine geliebte Orgelmusik von Johann Sebastian Bach spielen konnte. Dekanatskantor Schawaller, der selber über ein ähnliches Pedalklavier im Westerwald verfügt, hatte so die Möglichkeit, es Albert Schweitzer gleichzutun und spielte neben einigen Choralimprovisationen die große Fantasie und Fuge g-Moll aus der Feder des Leipziger Thomaskantors. Ohne die außergewöhnlich freundliche und offene Art der Museumsleitung wäre es zu diesem musikalischen Dialog zwischen dem Elsass und dem Westerwald nicht gekommen.
