Allgemeine Berichte | 19.12.2016

Die Freiwillige Feuerwehr stellt ihre Einsatzbereitschaft wieder her

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz

Welche Folgen hat ein Brandeinsatz bei der Bendorfer Feuerwehr?

Wehrleiter Markus Janßen beim Erstellen des Einsatzberichtes. Frank Lohrum

Bendorf. Der Gebäudebrand Anfang Dezember im Stadtteil Sayn konnte von der Feuerwehr nach fünf Stunden gelöscht werden, in der Nacht rückten die Einsatzkräfte wieder ab. Für die Betroffenen - die bei dem Brand alles verloren haben - beginnt nun die Zeit des Neuanfangs. Die Bendorfer Wehrleute sollte dieser Einsatz noch eine ganze Woche lang beschäftigen.

Viele Bürger mögen sich fragen, was die Ehrenamtlichen wohl gerade tun, wenn abends Licht in den Gerätehäusern der Bendorfer Stadtteile brennt. Kameradschaftspflege? Auch die gehört sicher nach getaner Arbeit wohlverdient dazu. Aber nach einem solchen Brandereignis mit viel Personal- und Materialaufwand sind die Sonderfunktionsträger, die sogenannten „Gerätewarte“ aller vier Stadtteileinheiten der Feuerwehr Bendorf mit sehr vielen Arbeiten rund um die Wiederherstellung der im Einsatz benutzten Gerätschaften beschäftigt. Jeder Löschzug hat je zwei Gerätewarte, zuzüglich zweier Gerätewarte der Gesamtfeuerwehr mit Fachgebiet Elektrogerätewartung und drei Atemschutzgerätewarte für die Gesamtfeuerwehr. Am Sonntagmorgen wurden bereits frühzeitig die Fahrzeuge im städtischen Betriebshof mittels Hochdruckreiniger gewaschen und die Mannschafträume von Brandruß und Schmutz befreit, als BLICK aktuell sich vor Ort im Gerätehaus in Sayn umschaute.

Nach dem Einsatz ist die Arbeit noch nicht getan

In der Nacht - während der Einsatz für die Feuerwehr noch lief -, hatte Markus Janssen, der Wehrleiter der Feuerwehr Bendorf, in Abstimmung mit Bürgermeister Michael Kessler eine Dienstbefreiung für die städtischen Bediensteten - die Mitglieder der Feuerwehr Bendorf in der Tagesalarmgruppe sind - für den darauffolgenden Arbeitstag angeordnet. Auch, um die ehrenamtlichen Gerätewarte bei ihrer Arbeit zu entlasten. So wurden beispielsweise Montag Morgen im zentralen Schlauchlager die rußgeschwärzten Schläuche gewaschen und an einer Spezialvorrichtung zum Trocknen aufgehangen. Verbrauchsgüter wurden besorgt, Material- und Versorgungsfahrten standen an.

Das Arbeitsmaterial muss ersetzt werden

Im Büro des Wehrleiters hingegen wurde für den Einsatz das Berichtswesen erledigt. Für die Verwaltung fertigte Markus Janßen als Einsatzleiter einen Einsatzbericht an. Dieser findet bei kostenpflichtigen Einsätzen Verwendung für die Rechnungstellung. Bei Rettung von Menschenleben, Bergen von Tier- oder Sachwerten erfolgt keine Rechnungstellung. Auch wird der Einsatz anhand der von der Führungsstaffel erstellten Einsatzdokumentation (Führen eines Einsatztagebuches, Erstellen einer Lagekarte) ausgewertet. Ein vierstelliger Betrag summierte sich aus der erforderlichen Neuanschaffung von Verbrauchsgütern, der nun zur Aufrechterhaltung der Wehr unplanmäßig mit Haushaltsmitteln der Stadt Bendorf aufgebracht werden musste.

Von den Beauftragten für die Presse- und Medienarbeit wurde Bildmaterial an der Einsatzstelle für das sogenannte „Sachgebiet S5“ digital angefertigt.

Die Bilder wurden am Morgen nach dem Einsatz von Oberbrandmeister Frank Lohrum zur Kriminalpolizei gebracht und übergeben für die weitere Ursachenermittlung. Lohrum ist Leiter der Führungsstaffel und die rechte Hand des Einsatzleiters.

Besonders beim Atemschutz ist strenge Hygiene geboten

In der zentralen Atemschutzwerkstatt wartete nach Feierabend für das speziell ausgebildete Personal - hier die Atemschutzgerätewarte Rene Geißler und Alfons Schuster - die meiste Arbeit. Die Atemschutztechnik (Masken und Atemschutzgeräte), die die eingesetzten Trupps zur Brandbekämpfung vor giftigen Rauchgasen schützen sollen, waren beim Einsatz sehr stark beansprucht worden. Diese mussten nun nach Herstellerangaben gereinigt, desinfiziert, getrocknet und geprüft werden. Ein Atemschutzgerät mit dazugehöriger Maske kostet in der Anschaffung ca. 1500 Euro, etwa 40 Geräte werden auf den Löschfahrzeugen oder im Lager der Feuerwehr Bendorf vorgehalten.

Im sogenannten Schwarzbereich der Atemschutzwerkstatt, wo sich nur beschmutzte Gegenstände befinden, bewährte sich nun erstmals die 2015 beschaffte Industriewaschmaschine. In früheren Zeiten mussten die Beschäftigten die Desinfektionslösung noch selbst mischen, ansetzen und atmeten so auch die Dämpfe ein. Heute übernimmt das eine spezielle Waschmaschine, in der das Reinigungsgut nach wenigen Minuten gereinigt und desinfiziert entnommen werden kann. Im Anschluss werden die Atemschutzmasken in einem weiteren Spezialschrank schonend getrocknet. Danach erfolgt die Entnahme durch eine Schleuse in den Weißbereich. Hier wird die aufbereitete Atemschutztechnik nun an einem Prüfstand anhand einer Software nach vorgegebenen Parametern auf ihre Funktion kontrolliert. Dieser Arbeitsgang gibt dem Nutzer Sicherheit auf fehlerfreie Funktion des Gerätes und Dichtigkeit der Maske. In der Zwischenzeit wurden die Atemluftflaschen neu befüllt. Auch das Lager ist nun nach einer Woche wieder mit ausreichend Atemschutztechnik bestückt. In der Nacht des Einsatzes wurde Kreisunterstützung angefordert. Von der Umweltwache Weißenthurm lieferte die Besatzung des Gerätewagen-Atemschutz 12 Atemschutzgeräte an, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr für die Zeit der Aufbereitung und Wiederherstellung in der Atemschutzlogistik aufrecht zu erhalten.

Die Persönliche Schutzausrüstung wird genau überprüft

Ein weiteres zeitintensives Thema ist und war die Aufbereitung der Schutzanzüge der Feuerwehr Bendorf, speziell die verunreinigte Kleidung der Atemschutzgeräteträger. Hier wurden täglich eine Woche lang 6-8 Garnituren (Brandschutzjacke / Hose) bei einer Wäscherei in der Bendorfer Innenstadt abgegeben. Hier besteht eine Kooperation, denn der heimische Betrieb hat vom Hersteller der Kleidung eine Einweisung, wie die Schutzanzüge aufbereitet werden dürfen/müssen. Der normale Betrieb wurde hier am ersten Tag eingestellt, um schnellstmöglich die Feuerwehrschutzkleidung wieder ausgeben zu können. Nach der Reinigung galt es, mittels Prüfkartei die Unversehrtheit der Bekleidung zu dokumentieren und nach Angaben des Herstellers auf Beschädigungen zu prüfen. Ein Schutzanzug kostet etwa 1000 Euro und wird für 45 Einsatzkräfte zur Verfügung gestellt. Der Schutzanzug zur Brandbekämpfung hat sich auch bei diesem Einsatz bewährt und dem Feuerwehrmann optimalen Schutz gegen eine direkte Beflammung, herunterfallende Glut und thermische Belastung geschützt.

Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit

Die ehrenamtlichen Sonderfunktionsträger leisten in der Regel für ihre anfallenden Aufgaben ca. 600 bis 1000 Zusatzstunden jährlich. Die Belastung und die Verantwortung wird immer größer. „Die Aufgabenträger (Verwaltungen und Stadträte) müssen sich dessen bewusst sein und auch für Städte in einer Größenordnung wie Bendorf entsprechende Überlegungen für hauptamtliche Kräfte in den kommenden Jahren überdenken“, so die Wehrleute. -PS-

Die Schutzanzüge werden von Frank Lohrum zur Reinigung vorbereitet. -PS-

Die Schutzanzüge werden von Frank Lohrum zur Reinigung vorbereitet. Fotos: -PS-

Fahrzeugwäsche am Sonntagmorgen auf dem städtischen Betriebshof. Frank Lohrum

Fahrzeugwäsche am Sonntagmorgen auf dem städtischen Betriebshof. Foto: Frank Lohrum

Rene Geißler bei der Bestückung von Atemschutztechnik zur maschinellen Reinigung und Desinfektion. Frank Lohrum

Rene Geißler bei der Bestückung von Atemschutztechnik zur maschinellen Reinigung und Desinfektion. Foto: Frank Lohrum

Schutzanzüge am Sonntagmorgen im Gerätehaus in Sayn.

Schutzanzüge am Sonntagmorgen im Gerätehaus in Sayn.

Marc Metzler beim Bestücken von Schlauchmaterial. Foto: -PS-

Marc Metzler beim Bestücken von Schlauchmaterial. Foto: -PS-

Kontaminiertes (verschmutztes) Atemschutzgerät.Frank Lohrum

Kontaminiertes (verschmutztes) Atemschutzgerät. Foto: Frank Lohrum

Schutzwirkung erreicht. Eine Vielzahl an persönlicher Schutzausrüstung musste neu beschafft werden. Frank Lohrum

Schutzwirkung erreicht. Eine Vielzahl an persönlicher Schutzausrüstung musste neu beschafft werden. Foto: Frank Lohrum

Reinigung der Privatausrüstung.

Reinigung der Privatausrüstung.

Wehrleiter Markus Janßen beim Erstellen des Einsatzberichtes. Foto: Frank Lohrum

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