Nadine Kreuser vervollständigt Spitze des Hospiz-Vereins
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ihre Jugend und ihr Engagement überraschen viele. Schon mit 20 Jahren hat Nadine Kreuser die Ausbildung zur Hospizbegleiterin beim Hospiz-Verein Rhein-Ahr begonnen und einige Menschen begleitet, bis zuletzt. Jetzt, mit fast 30 Jahren, hat sie sich entschieden, auch im Vorstand tätig zu sein und dort Verantwortung zu übernehmen. Die 29-jährige Ahrweilerin ist neue stellvertretende Vorsitzende des rund 1400 Mitglieder zählenden Vereins und freut sich, nun an der Seite der Vorsitzenden Ulrike Dobrowolny zu agieren.
„Als ich gefragt wurde, ob ich das Amt übernehmen möchte, habe ich keine Sekunde gezögert“, sagt Kreuser. „Denn es ist wichtig, dass wir das, was Hospizarbeit bedeutet, noch mehr publik machen, auch wenn der Verein mit dem stationären Hospiz, seiner ausgeweiteten ambulanten Hospizarbeit, der Trauerarbeit und den vielfältigen Bildungsangeboten wie den Letzte-Hilfe-Schulungen und Podiumsdiskussionen schon sehr viel auf den Weg gebracht hat.“ Es gelte, in der Bevölkerung noch mehr ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es einer verbreiteten hospizlichen Haltung bedürfe - gerade mit Blick auf den demographischen Wandel. „Es braucht eine Sorgekultur, wie sie fest in der Hospizarbeit verankert ist“, sagt die 29-Jährige. Es gebe schließlich nicht nur immer mehr ältere Menschen, sondern auch immer mehr Singlehaushalte, immer mehr Vereinzelung und Einsamkeit.
Nadine Kreuser ist nicht nur im Kreis Ahrweiler aktiv in Sachen Hospizwesen, sie ist seit 2023 auch im Bundesvorstand des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands (DHPV). „Impulse, die ich aus Berlin mitnehme, möchte ich gerne vor Ort umsetzen“, erklärt sie. Sie hat katholische Theologie, Perimortale Wissenschaften und Werteorientiertes Management studiert und ist als Ethik-Beraterin (Stabsstelle Christliche Identitäten) und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bonn tätig, wo sie auch an ihrer Promotion zum Thema „Einsamkeit“ schreibt.
Ihre Erfahrungen als Ethikberaterin im Gesundheitswesen möchte sie zum Wohle der Menschen in der Region in den Hospiz-Verein einfließen lassen. Sie habe bereits erste Gespräche mit einer Altenpflegeeinrichtung über ethische Themen aufgenommen. Dabei standen praktische Fragestellungen im Mittelpunkt, die im Pflegealltag häufig vorkommen – etwa wie mit fehlenden oder unklaren Vorsorgedokumenten umzugehen ist oder wie der Wille von Bewohnerinnen und Bewohnern respektvoll ermittelt und berücksichtigt werden kann.
Ethische Fallbesprechungen richten den Blick nicht nur auf die betroffene Person, sondern auch auf das Team der Pflegenden und Ärztinnen und Ärzte sowie auf An- und Zugehörige. Gemeinsam an einem Tisch lassen sich verschiedene Sichtweisen und Möglichkeiten ausloten – immer mit der Leitfrage: Was können wir gemeinsam tun? „Jeder nimmt im Umgang mit einer betroffenen Person etwas anderes wahr oder bringt andere Kompetenzen mit. Und es kann entlastend sein, aus dem Alltag herauszutreten, zu reflektieren und die bestehenden Optionen noch einmal gemeinsam zu betrachten.“
Als Hospizbegleiterin hat sie selber erfahren: „Auf ihrem letzten Weg kann man den Menschen noch so viel geben und auch so viel bekommen, wenn man sich erst einmal traut, sich mit dem Sterben und mit den Sterbenden auseinander zu setzen.“
