Allgemeine Berichte | 24.07.2017

Nahrung für den Kopf

Philosophisches Café in der Residenz Humboldthöhe nahm Thema Langeweile in den Focus

Begrüßung des Philosophen Markus Melchers durch die Veranstaltungsleitung Dagmar Hett. Residenz Humboldthöhe

Vallendar. Einmal monatlich öffnet in der Residenz Humboldthöhe das Philosophische Café seine Pforten. So auch letzten Dienstag. Ab 14.30 gibt es Kaffee, Kuchen, Eis und andere leckere Dinge für Leib und Seele und ab 15.30 Uhr dann sozusagen Nahrung für den Kopf.

„Unser Philosophisches Café ist offen für jedermann. Wir freuen uns über Besucher von außerhalb. Diese können sogar an den Caféhaustagen kostenlos unseren Hausbus zur Residenz nutzen“, so Dagmar Hett, die Veranstaltungsleiterin der Residenz Humboldthöhe. Sie begrüßte ganz herzlich Markus Melchers. Der Philosoph betreibt in Bonn eine philosophische Praxis. Das Caféhausthema an diesem Dienstag: Langeweile.

„Nichts ist dem Menschen so unerträglich, wie im Zustand einer völligen Ruhe zu sein, ohne Leidenschaft, ohne Tätigkeit, ohne Zerstreuung, ohne die Möglichkeit sich einzusetzen“, mit diesen Worten zitierte Markus Melchers den Philosophen Blaise Pascal. Der französische Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph lebte von 1623 bis 1662 und wurde somit noch nicht einmal vierzig Jahre alt. Es folgten zwei weitere Zitate als Gesprächsimpuls. Mit den Worten „Wenn sie den Arm heben, wissen wir, dass Sie etwas zu sagen haben haben“, eröffnete Melchers die Gesprächsrunde, die schnell lebhaft wurde. Sich am Gespräch zu beteiligen ist im Café nicht Pflicht. Auch gibt es Gäste, die interessiert zuhören und wertvolle Impulse mit nach Hause nehmen.

Langeweile ist negativ besetzt und ein unangenehmes Gefühl

Nach und nach trugen die Caféhausbesucher Erfahrungswerte und Erinnerungen zusammen. Langeweile ist negativ besetzt und ein unangenehmes Gefühl und unterscheidet sich vom entspannenden Nichtstun, von der Pause. Nichtstun kann man genießen, in Muße, es sei denn, man möchte handeln und wird daran gehindert. Die Zeit spielt anscheinend auch eine Rolle, sie wird als zu lang empfunden. Wenn man sich wünscht und hofft, dass ein Zustand schnell zu Ende geht, kommt das Gefühl der Langeweile auf. Schnell wurden Kindheitserinnerungen wach. Als Kind habe man Langeweile gekannt, jetzt als älter werdender Mensch eher nicht, ist das so? Vermutlich, so Philosoph Melchers, habe man gelernt, damit umzugehen. So ist es wohl ein Prozess, den ein Kind zum Leben lernen muss, damit es als Erwachsener mit dem Alleinsein, mit dem Warten auf etwas, mit dem Erarbeiten von Dingen, die man braucht, zurechtkommt. Langeweile lässt Kinder kreativ werden und ist somit ein Lernfeld für das Leben. Man lernt, einen guten Umgang mit sich selbst zu finden.

Langeweile aus Desinteresse und Unerfahrenheit

Pausen kann man planen, Langeweile nicht und somit könne man Langeweile wohl beschreiben als ein Desinteresse am derzeitigen Zustand. Das Gefühl der Langeweile kann jedoch auch aufkommen, wenn man in einer Situation unterfordert ist. Je mehr man vom Leben und der Welt weiß, je weniger Langeweile mag empfunden werden. Und somit, so stellten die Caféhausgäste fest, sei wohl die Neugierde ein möglicherweise wirksames Mittel gegen Langeweile.

Es mag in der Natur des Menschen liegen, sich dem Schönen und Nützlichen zu widmen. Ein aktiver Mensch kennt wohl keine Langeweile. Besinnt man sich zum Thema Langeweile, merkt man schnell, dass auch wohl eigene Erwartungen eine Rolle spielen. Denken ist wohl ein probates, bewährtes Mittel gegen das Langeweilephänomen. Ein weiteres Mittel ist, sich abzulenken. Jedoch kann die Langeweile auch unerträglich werden, wenn man zum Beispiel durch Krankheit und Leiden am Tun gehindert wird.

Langeweile aus Eingeschränktheit

Eine selbstgewählte Pausenzeit ist entspannend und hat irgendwann ein Ende. Eine erzwungene Pause hat jedoch einen anderen Charakter. Es kann eine Hilflosigkeit entstehen, ein Ende der leidenden Situation wird nicht gesehen. Man wünscht sich nur noch, dass dieses quälende Gefühl verschwindet, Hoffnungslosigkeit macht sich breit und man ergreift gedankliche Maßnahmen, die die Stimmung erheitern oder man nutzt die Möglichkeit, so ein Caféhausgast schmunzelnd, die Gnade eines kleinen Nickerchens im Alter.

Langeweile- verscheuchungsmethoden

Die zu Verfügung stehende Medienwelt tut viel, damit das Gefühl von Langeweile nicht aufkommt, ebenso die Freizeitindustrie. Was passiert, wenn plötzlich der Fernseher ausfällt, macht die Macht der Langeweileverscheuchungsmethoden anschaulich. Interessant ist, so der Philosoph Melchers, dass in der deutschen Sprache der Begriff Langeweile immer mit einem Zeitfaktor in Verbindung gebracht wird. Das sei in der englischen und französischen Sprache nicht so, da spiele ein inhaltlicher Faktor eher eine Rolle. Der Begriff „Langeweile haben“ steht in Verbindung mit den Begriffen Verdrießlichkeit, etwas überdrüssig sein.

Die Caféhausbesucher waren sich einig: Die letzten neunzig Minuten waren in der Tat nicht langweilig und dankten mit einem Applaus dem Philosophen Markus Melchers und der Veranstaltungsleiterin Dagmar Hett.

Wenn jeder an sich denkt, ist dann an alle gedacht?

Das nächste Philosophische Café findet am 15. August statt. Von 14.30 bis 15.30 Uhr ist Gelegenheit zum Kaffeetrinken, ab 15.30 Uhr beginnt das philosophische Gespräch. Damit es nicht gestört wird, werden in dieser Zeit keine Getränke serviert. Thema ist: Wenn jeder an sich denkt, ist dann an alle gedacht?

Gäste sind willkommen, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen erteilt Dagmar Hett, Tel. (02 61) 6 40 30.

Pressemitteilung

Residenz Humboldthöhe

Begrüßung des Philosophen Markus Melchers durch die Veranstaltungsleitung Dagmar Hett. Foto: Residenz Humboldthöhe

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