Kreppelkaffee in Bad Ems war mehr als „nur“ ausverkauft
Namhafte Stars ergänzen „local heroes“
Fünfstündiges Top-Programm lockte ins Kurtheater
Bad Ems. Kennen Sie noch diese Werbung für Kondensmilch mit dem Teddybären? Der Spot mit der Tasse, die einfach nicht überläuft, sondern über den Rand hinaus voller wird? Die Werbeaussage: Diese Milch hat einfach mehr. Dieses Bild passt auch zum Kreppelkaffee der EKG im Bad Emser Kurtheater- der Kreppelkaffee hat einfach von allem etwas mehr. Um das karnevalistische Zugpferd am Schwerdonnerstag richtig einordnen zu können, muss man ein wenig in die Vergangenheit blicken. Und ehrlich sein. „Angestaubt“ hätte man das Image der Veranstaltung bis vor wenigen Jahren umschreiben können. Das ist Geschichte. Für nicht wenige „Mädels“ aus der Region kommt ein Altweiberfassenachts-Abstecher nach Koblenz, Köln oder sonst wohin auf keinen Fall mehr in Frage - der „Emser Kreppelkaffee“ ist gesetzt! Das Prädikat „ausverkauft“ trifft es noch nicht zu 100 Prozent, in diesem Jahr wurden sogar noch zusätzliche Stühle und Tische gestellt, um den Ansturm zu bewältigen. Doch nicht nur auf die Besucherzahl passt das eingangs erwähnte Bild des bekannten Dosenmilch-Spots, auch was die Stimmung betrifft, setzt der Kreppelkaffee Standards. Besucht man mehrere der regionalen Karnevalsveranstaltungen, so bleiben Programmwiederholungen nun mal nicht aus. Es gibt aber eben locations - und auch in diesem Bezug hat das sonst so ehrwürdige Kursaalgebäude eben einfach „mehr“ zu bieten -, die funktionieren einfach besser als andere. Dazu kommt dann auch noch der Effekt eines guten Publikums. Ein Beispiel: Der „Lohnschdener Jung“ Karl Krämer zählt ohne Zweifel zu den Stimmungsgranaten im Karneval - und nicht nur da. In zahlreichen Turnhallen, Dorfgemeinschaftshäusern und Sälen ist er eines der Highlights im Programm. Seine „Predigt“ und das „Hallelujah“ beim Kreppelkaffee aber würden so manchen amerikanischen Erweckungsprediger vor Neid erblassen lassen. Und der Lobgesang auf unsere Heimat, den Rhein-Lahn-Kreis, erschallt aus dem ganzen Saal wie aus einem Mund und beim legendären Fleischworscht-Song gibt es kein Halten mehr. Kreppelkaffee eben, einfach etwas mehr in der Tasse. Doch „Krämer‘sch Karl“ ist kein Einzelfall im Programm: Schlagerstar und Mallorca-Barde Achim Kölle hatte schon als „Anheizer“ leichtes Spiel, Harry und Chris wurden mit der musikalischen Reise um die Welt gefeiert und „de Pälzer“ Ramon Chormann bekam standing ovations. Dabei sind die namhaften Künstler aber keineswegs die Hauptsache im Programm, die lokalen Akteure werden quasi von den Tischen begrüßt, weil das Publikum dort steht. Das gilt für die EKG-eigenen Garde- und Showtanzformationen, aber auch für die Gäste wie etwa die die „Rupdi Dancer“, die nicht nur an Karneval „Superhelden“ sind - im echten Leben ist die Formation nämlich ein großer Teil der Freiwilligen Feuerwehr Kemmenau. Aber auch hier passt das eingangs gemalte Bild wieder toll: Der Auftakt zur Superhelden-Show, wenn die Akteure im Publikum verteilt beginnen, auf Tischen und Stühlen mitten im Publikum zu tanzen, wirkte beim Emser Kreppelkaffee im vollbesetzten Saal ganz einfach besonders fantastisch. Einziger Wermutstropfen an einem tollen Nachmittag: der Bad Emser Musikverein Gugge mer ma. Zum grandiosen Finale des Kreppelkaffees zeigte sich, welche Auswirkungen personelle (Fehl-)Entscheidungen haben können: Bislang war die Bad Emser Formation (als Ganzes) bekannt dafür, in Sekundenbruchteilen jeden Saal „auf links“ zu drehen. O.k. – das schaffen sie natürlich immer noch, allerdings konzentrierte sich das Publikumsinteresse eindeutig auf den neuen Star am „Guggehimmel“ - die erst 17 Monate alte Leni, die nicht nur die Mutterherzen im Saal im Sturm eroberte. Spaß beiseite - um im eingangs gemalten Bild zu bleiben: das Gugge-Finale brachte die Kreppelkaffee-Tasse endgültig zum Überlaufen! Doch auch damit war der Schwerdonnerstag in der Kurstadt noch keineswegs beendet - nach fast fünf Stunden Programm verteilten sich Publikum und Akteure auf die Bad Emser Gaststätten und schunkelten bis in die frühen Morgenstunden.
/Willi Willig
Die Superhelden der Freiwilligen Feuerwehr in Kemmenau - die „Rupdi Dancer“.Fotos: Willi Willig
