Allgemeine Berichte | 23.05.2018, 12:05 Uhr

Wachtberg frischt Ökologie hinter dem Rathaus auf

Naturnaher Schaugarten wird für den Sommer hergerichtet

Schutz- und Förderungsraum für heimische Tier- und Pflanzenarten

Ein „Insektenhotel“ bietet verschiedenen Wildbienenarten Kinderstuben in Form von Bohrlöchern.CEW
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Wachtberg-Berkum. Mitte Mai trafen sich die Aktiven des „Agenda-Arbeitskreises naturnahe Gärten in Wachtberg“ hinter dem Rathaus. Der Winter hat auf dem etwa 500 qm großen natürlichen Tier- und Pflanzenreservat keine großen Schäden hinterlassen. Alle einheimischen Pflanzen haben das wechselhafte Wetter gut überstanden. Selbst die teilweise langen Trockenphasen der letzten Wochen, haben den Wiesensträuchern, -gräsern und Stauden nichts anhaben können. Die Pflanzungen sind hier so gut aufeinander abgestimmt, dass selbst im Hochsommer keiner gießen müsse, erklärte Birte Kümpel, die sich hier ebenfalls engagiert.

Schaugarten hinter dem Rathaus

In vielen Gärten, besonders bei den Neubauten, würden oft exotische Gewächse gepflanzt, mit denen die heimische Tierwelt nichts anfangen kann. Deshalb hält das Rathaus für interessierte Bürger eine Broschüre gegen eine kleine Schutzgebühr bereit, in der man sich ausgiebig informieren kann. Als Anschauungsobjekt dient der Schaugarten direkt hinter dem Rathaus, am Rande des hinteren Parkplatzes. Wer zu dieser Jahreszeit herkommt, wird von den vielen satten Blau-, Lila- und Gelbtönen der Blüten überwältigt sein. „Die Pflanzen, die hier wachsen, sind alle für unsere heimische Tier- und Insektenwelt wertvoll“, erklärt Biologin Ulrike Aufderheide, die seit dem Gründerjahr der Agenda 1998 dabei ist. Selbst das einzige exotische Gewächs, von dem heute nur noch der Stamm steht, dient als aufrechtes Totholzbiotop den Insekten als Schutz vor widriger Witterung und als Aufzuchtmöglichkeit für den Nachwuchs. Um die damals schon vorhandene, aber eben exotische Zeder, deren Stamm hier gemeint ist, hatte es beim Anlegen des Gartens viele Diskussionen gegeben. Schließlich hatte man sich dazu entschieden, sie stehen zu lassen. Als sie krank wurde und gefällt werden musste, hat man das mit Augenmaß getan und ihr auf dem abgeschnittenen Stamm ein Kunstwerk spendiert. Die 60 Kilo schwere Eule hat ein Motorsägenkünstler unter Einsatz von Muskelkraft mit einer Leiter auf die hoch gelegene Schnittfläche des Stamms gehievt. Um sie vor Wind und Wetter zu schützen, ist das Objekt mit innen liegenden Metallstreifen fest mit dem Stamm verbunden. So thront der nachtaktive Vogel mit bestem Überblick über die Naturschönheiten.

Wildbienen

Im Insektenhotel, geschützt an Nachbars Hauswand und im Halbschatten positioniert, ist Einiges los. Für verschiedene Wildbienenarten hat man hier bis zu zwölf Zentimeter lange Löcher mit verschiedenen Durchmessern in Holzklötze und Stammscheiben gebohrt. Die Bienen legen hier in der Regel mehre Eier in einem Bohrloch ab. Dabei wird jede Zelle, in der sich eine Made zur Biene entwickelt, fein säuberlich von der anderen getrennt. Schließlich verschließen die Nützlinge die Bohrlöcher vollständig mit einer Art Kittsubstanz, die den Nachwuchs vor vorzeitigen Widrigkeiten des Lebens schützen soll. Wer sich zusammen mit den etwa 15 ehrenamtlichen Helfern im Schaugarten engagieren will und dabei nebenbei ganz viel von der Natur und ihren Wechselwirkungen erfahren will, dessen Hilfe ist willkommen. Informationen zu den Treffen und zum Schaugarten erhält man auf der Homepage der Gemeinde, im Rathaus oder am Tag der offenen Gartenpforte.

Vorschau

Der Schaugarten beteiligt sich an der Aktion „Offene Gartenpforte“ am Sonntag, 3. Juni von 12 bis 17 Uhr im Schaugarten. Mitglieder der Naturkreises Schaugarten werden vor Ort sein und für Fragen zur Verfügung stehen.

Die Aristolochia oder Osterluzei gedeiht hier prächtig und ernährt wichtige Insekten.

Die Aristolochia oder Osterluzei gedeiht hier prächtig und ernährt wichtige Insekten. Foto: Petra Reuter

Die gefällte Zeder ist nun ein stehendes Totholzbiotop mit Kunstwerk obenauf.

Die gefällte Zeder ist nun ein stehendes Totholzbiotop mit Kunstwerk obenauf. Foto: Petra Reuter

Ulrike Aufderheide erklärt die Zusammenhänge zwischen naturnaher Pflanzung und der Nahrungskette, zu denen auch die unbeliebten Blattläuse gehören.

Ulrike Aufderheide erklärt die Zusammenhänge zwischen naturnaher Pflanzung und der Nahrungskette, zu denen auch die unbeliebten Blattläuse gehören. Foto: Petra Reuter

Ein „Insektenhotel“ bietet verschiedenen Wildbienenarten Kinderstuben in Form von Bohrlöchern.Fotos: CEW Foto: Petra Reuter

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