Verleihung der Morenhovener Lupe 2015
„Ne Hausmann“ hat den Durchblick
Klaus Grewe würdigte den 28. Preisträger
Swisttal-Morenhoven. „Wie jeht et? Et jeht!“, ist nicht nur der Titel des aktuellen Programms, die Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch den Kabarettabend mit Jürgen Beckers, mit Künstlernahmen Jürgen B. Hausmann. Klaus Grewe, Mitbegründer und Mentor der weit über Swisttal hinaus bekannten Morenhovener Kabaretttage, überreichte dem diesjährigen Preisträger der „Morenhovener Lupe“ die Auszeichnung, eine antike englische Lupe mit Elfenbeingriff samt Urkunde, in der noch einmal die Begründung der Jury festgehalten ist: „Jürgen Beckers hat den Dialekt der Aachener Region zelebriert, geradezu halsbrecherisch geht er mit seinem Sprachvermögen um. Die große Kunst Beckers besteht darin, alle Einzelteile des Dialektes aufzunehmen und zu einem unterhaltsamen Programm zusammenzufügen. Dazu gehöre zum einen eine große Beobachtungsgabe, zum andern aber auch ein Vortragsspiel, das bühnenreif ist. Jürgen Beckers beherrsche beides in Perfektion“.
Aus dem täglichen Leben
Die Lachsalven, die im Minutentakt durch den ausverkauften Theatersaal rollten, gaben der Jury uneingeschränkt recht. Es waren keine Großereignisse aus der Politik, keine Skandale aus Wirtschaft und Gesellschaft, es war das tägliche Leben, aus dem der Kabarettist große und kleine Ereignisse, Geschichten und Erlebnisse zusammengetragen hat.
Der einstige Gymnasiallehrer für Geschichte, Griechisch und Latein, Jahrgang 1964, agiert seit Jahren äußerst erfolgreich auf drei Bühnen.
Als „Ne Hausmann“ kennen ihn die Karnevalisten von Aachen über Köln bis Düsseldorf, im Fernsehen ist er in vielen Sendungen dabei, ob bei Jupp Stratmanns an der Theke, in der „Zimmer frei“ - WG von Götz Alsmann und Christine Westermann oder in einem eigens vom WDR produzierten Porträt „Jürgen Karl Beckers genannt Hausmann“ zu dessen 50. Geburtstag.
Als es noch die Eckbank gab
Ja, die gute alte Zeit. Im Wohnzimmer Nierentisch und Gummibaum, in der Küche die Eckbank. Dort spielte sich das Leben von Generationen ab, manche wurde dort sogar gezeugt, ohne Handy und Smartphone. „Dort konnte man ganz normal miteinander reden“, so Beckers, und nach dem Essen war die Küche Frauendomäne, während der Mann im Wohnzimmer eine Flasche Bier aufmachte: „Schatz, ich wische mal die Blätter vom Gummibaum ab!“
Nach dem Nierentisch kam der Drehtisch in das Wohnzimmer, da hieß es dann“ Dreh mal hoch, der Kartoffelsalat ist fertig.“
Auch eine Beerdigung war früher - zumindest im Aachener Raum - doch ein ganz anderes Ereignis als heutzutage.
„Nach dem Friedhof ging es heiterer zu als auf einem westfälischen Karnevalszug“, so der Kabarettist. Und als dort mal ein neuer Pastor „eingeführt“ wurde, verkaufte der Bäcker eigens ein Brot in Tüten mit der Aufschrift „Stangenbrot zur Einführung“. Beim Bezahlen meinte der Kirchenvorstand zum Bäcker, „man habe das Brot aber durchaus gegessen“. Von den TV-Serien Schwarzwaldklinik, Flipper oder Bonanza über die Urlaubsfahrt zu fünft im Käfer nach Rimini bis zur „Aufklärung“ durch die Bravo und die dortige Kolumne von Dr. Sommer, Beckers lies keine Entwicklung von der Eckbank bis zum Smartphone aus, sodass die Besucher wie in einer Zeitreise mehr als 50 Jahre Bundesrepublik in nur zwei Stunden erlebten.
Als 28. Preisträger reiht sich Jürgen Beckers in die illustre Reihe bekannter Kabarettisten ein, die bereits mit der Morenhovener Lupe, dem drittältesten deutschen Kleinkunstpreis, ausgezeichnet wurden.
Darunter sind Konrad Beikircher, der erste Preisträger, sowie Hanns Dieter Hüsch, Volker Pispers, Dieter Nuhr, Urban Priol, Gerhard Polt oder Ludger Stratmann.
