Justizvollzugsanstalt Rheinbach hatte doppelt Grund zum Feiern
Neue Anstaltsleiterin Renate Gaddum nahm Schlüssel für Haupthaus Flügel C entgegen
Der 34 Millionen Euro teure zweiflügelige Neubau wurde damit offiziell in Dienst gestellt – 220 Haftplätze modernster Art auf drei Stockwerken
Rheinbach. Gleich doppelt Grund zum Feiern hatte die Justizvollzugsanstalt Rheinbach (JVA). Zunächst übergab der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Biesenbach (CDU) in einem Festakt die Amtsgeschäfte an die neue Anstaltsleiterin Renate Gaddum. Die nahm kurz darauf den symbolischen Schlüssel für den Neubau des „Hafthaus Flügel C“ aus den Händen von Gabriele Willems, Geschäftsführerin des Bau- und Liegenschaftsbetriebes Nordrhein-Westfalen (BLB), und von BLB-Niederlassungsleiterin Elisabeth Wallrath entgegen. Nach dreijähriger Bauzeit wurde das rund 34 Millionen Euro teure zweiflügelige Gebäude damit offiziell Dienst gestellt.
„Die JVA ist kein Stiefkind der Gesellschaft, sondern ein Teil von ihr“, betonte Wallrath. Mit dem Neubau habe ein seit mehreren Jahren währender Modernisierungsprozess an den drei anderen Haupthausbereichen des zentralen Kreuzbaus seinen Abschluss gefunden. Das neue, 14,40 Meter hohe „Hafthaus Flügel C“ besteht aus vier Etagen, wovon die drei oberen für den Haftbereich und das Erdgeschoss als Funktionsbereich der Anstalt vorgesehen ist. Der 80 Meter lange Neubau entstand an der gleichen Stelle des 2015/16 abgebrochenen Altbaus und setzt direkt am Knotenpunkt des zentralen Kreuzbaus an, symmetrisch zum gegenüberliegenden Flügel A. Der zweite Gebäudeschenkel zweigt in nordwestlicher Richtung ab und weist eine Länge von 65 Metern auf. Beide Flügel sind jeweils 15,40 Meter breit und verfügen über je zwei Treppenhäuser und einen gemeinsamen Aufzug. Die dazugehörige Küche, die Wäscherei und einer Werkhalle sind allerdings noch im Bau.
BLB vermietet den Baukörper an das Justizministerium
Der BLB vermietet den winkelförmigen Baukörper nun dauerhaft an das nordrhein-westfälische Justizministerium und bietet auf einer Mietfläche von 6290 Quadratmetern insgesamt 220 Haftplätze. In jedem der drei Stockwerke gibt es 59 Einzel- und zehn Doppelhafträume sowie einige Peripheriezimmer und die Aufsichtsräume für das Wachpersonal. Die Einzelzellen sind jetzt elf Quadratmeter groß und damit drei Quadratmeter größer als die bisherigen Hafträume. Insgesamt verbüßen nach der Fertigstellung rund 600 Insassen aus den verschiedensten Nationen ihre Haftstrafe in Rheinbach. Und das in einer barrierefreien und altersgerechten Einrichtung, wie Wallrath betonte, denn auch die Strafgefangenen würden immer älter.
„Die Inbetriebnahme des größten Flügels des zentralen Haupthauses stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Rahmenbedingungen im Sinne eines modernen Justizvollzuges in Nordrhein-Westfalen dar“, freute sich Justizminister Peter Biesenbach. Das werde den Inhaftierten ebenso wie den tagtäglich engagiert arbeitenden Mitarbeitern zugutekommen. Wenn man allerdings an den Gefängnissen den Zivilisationsgrad einer Gesellschaft erkennen könne, wie es Fjodor Dostojewski formuliert habe, „dann müssen wir noch einiges tun, denn der Zustand der Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen ist grottig - positiv gesprochen.“
Mit Fingernägeln Sand aus den Fugen kratzen
Biesenbach berichtete von einer großen Anzahl von Einrichtungen, in denen man mit den Fingernägeln den Sand aus den Fugen kratzen könne. Um die alle zu sanieren, stehe noch viel Arbeit bevor, und das Land müsse jede Menge Geld dafür aufbringen. „Das soll aber die Freude über den riesigen Neubau nicht mindern“, machte er deutlich. Die 1914 als Zuchthaus errichtete JVA Rheinbach habe ihr Erscheinungsbild bis heute von Grund auf geändert, mit dem Hafthausflügel C sei man einen weiteren wichtigen Schritt vorangekommen. Für die Mitarbeiter und auch für die Strafgefangenen gehe damit eine sehr anstrengende Zeit zu Ende, freute er sich.
Die neue Anstaltsleiterin Renate Gaddum hob hervor, der Neubau eröffne die Möglichkeit, die konzeptionelle Arbeit fortzusetzen und somit die Vollzugsarbeit weiter zu differenzieren. „Die vorhandenen Strukturen müssen insgesamt überdacht und möglicherweise auch neu geschaffen werden“, sagte sie jede Menge Arbeit voraus. So sei es ihr ein großes Anliegen, den offenen Vollzug mit dem geschlossenen Vollzug zu vernetzen, wenn es vertretbar sei. „Das gilt aber nicht für alle Strafgefangenen, sondern muss individuell entschieden werden.“
Offizielle Ernennungsurkunde aus den Händen des Justizministers
Schuld war eine ehrenamtliche Gefangenenbetreuung während ihres Studiums in der JVA Rheinbach, gab Renate Gaddum zu.
„Das gab für mich den Ausschlag, in den Strafvollzug zu gehen.“ Dass sie aber mehr als zwei Jahrzehnte später selbst die Leitung der Rheinbach JVA übernehmen dürfe, habe sie damals wahrlich nicht für möglich gehalten. Und doch war es so: Renate Gaddum erhielt die offizielle Ernennungsurkunde als Anstaltsleiterin aus den Händen von Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Ihr Vorgänger Karl-Heinz Binnenbruck war nach 15 Jahren im Amt Ende August in den Ruhestand gegangen.
Die 54-jährige Volljuristin wurde in Neuwied geboren und studierte Rechtswissenschaften an der Uni Bonn, anschließend schlug sie die Laufbahn im höheren Vollzugs- und Verwaltungsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein. Einschlägige Erfahrungen sammelte die Beamtin bereits in den Justizvollzugsanstalten Düsseldorf, Willich I und Siegburg, bevor sie im Juni 2002 als Behördenleiterin im Justizvollzug eingesetzt wurde. Zunächst leitete Gaddum sieben Jahre die einzige selbstständige Frauenvollzugsanstalt Nordrhein-Westfalens in Willich, bevor sie im November 2009 die Anstaltsleitung der offenen Justizvollzugsanstalt Euskirchen übernahm. Diese hatte sie bis zur Übernahme der Anstaltsleitung in Rheinbach inne. „Ich hoffe, dass ich den hohen Erwartungen gerecht werde - ich weiß aber auch, dass dazu Glück gehört“, sagte sie. Von Binnenbruck wisse sie außerdem, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt hervorragend sei, „und daran würde ich gerne anknüpfen.“
Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz schließlich fand, „die Strafgefangenen können froh sein, dass sie hier sind.“ Eine angemessene Unterbringung und Beschäftigung sei zugleich der Garant für eine erfolgreiche Resozialisierung. „Er wies auch darauf hin, dass die JVA nach wie vor einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt Rheinbach sei. Nicht nur deshalb solle die bisherige vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Stadt und JVA auch unter der neuen Leitung weitergeführt werden. JOST
Justizminister Peter Biesenbach (links) begrüßte zum Festakt anlässlich der Übergabe der Anstaltsleitung zahlreiche Ehrengäste im Festzelt. Foto: Volker Jost
Blick in eine Einzelzelle im Haupthaus Flügel C der Justizvollzugsanstalt Rheinbach. Foto: Volker Jost
So sieht der Gefangenentrakt im neu gebauten Haupthaus Flügel C aus. Foto: Volker Jost
