Theaterverein Dohr präsentiert amüsante Komödie
Neue Bürgermeisterin mutiert zur Krawallschachtel
Dohr. Die Bühne des örtlichen Theatervereins hat heuer die Gestalt einer Amtsstube im heimischen Rathaus angenommen. Hier führt normalerweise Bürgermeisterin Anne Volkmann die Amtsgeschäfte, doch die packt gerade ihre sieben Sachen zusammen. Sie ist der anspruchsvollen Tätigkeit nebst ihrer schminksüchtigen Vorzimmerdame Mandy Schick müde geworden und schickt sich an, im Anschluss an die bevorstehende Bürgermeisterneuwahl, den Ruhestand anzutreten.
Auf ihren Posten ist der bisherige Hauptamtsleiter Horst Müller-Vorfelder scharf, dessen Umgang mit der Beleg- und Kundschaft allerdings zu wünschen übrig lässt. Da kommt dem Rathausteam und der Bürgerschaft mit der zugereisten Susi Kies als Neubewerberin um besagtes Amt, diese gerade gelegen. Denn sie verspricht im Rahmen einer Wahlvorstellung der Ortsgemeinschaft wie ihrem Kollegium das Blaue vom Himmel. Während Müller-Vorfelder das Hundeverbot im Dohrer Grüngürtel auch auf Jugendliche ausweiten will, stellt Kies unter anderem den Bau einer „Toni-Göbel-Halle“ sowie die Erschließung eines Industriegebietes in Aussicht. Vorzimmer-Barbie Mandy ist davon ebenso begeistert wie die Leiterin des Rechnungsamtes, Vera Knauser. Gleiches gilt für die Bio-Öko-Vollkorn-Tante Claudia Tritthin vom Dohrer Klima-Tier- u. Pflanzenschutz e.V., der Kies ein eigenes Reservat für den vom Aussterben bedrohten achtbeinigen Kartoffelkäfer verspricht. Der arbeitsscheuen und übelriechenden Apolonia Flodder sagt sie überdies ein festes Grundgehalt zu und auch ein olympiataugliches Stadion mit Rasenheizung will die Neue in ihrer Amtszeit bauen lassen.
Bei der anstehenden Wahl scheitert Müller-Vorfelder erwartungsgemäß kläglich. Denn die Friedhofsmauer als Schwebebalken für den Sportverein zur Verfügung stellen zu wollen und die DLRG zur Sanierung des Dorfbrunnens zu verdammen, kommt nicht gut an. Doch kaum ist Frau Kies in Amt und Würden, mutiert sie zur widerlich-kratzbürstigen Krawallschachtel. Sie staucht nicht nur permanent die gesamte Belegschaft zusammen, sondern ordert zusätzlich als Dienstwagen einen Ferrari für sich. Dies ruft bei der sparsamen Rechnungsamtsleiterin Knauser Atemnot hervor, während Müller-Vorfelder seinen Kummer in Alkohol ertränkt. Auch von den Versprechungen gegenüber der Umwelt-Tussi Tritthin und Frau Flodder will sie nichts mehr wissen. Stattdessen fährt sie bei einer Probefahrt den Ferrari zu Schrott und meldet sich krank. Der betrunkene Müller-Vorfelder ist frustriert und übermalt das Wahlplakat von Kies in deren Büro mit „Stirb du Sau“. Als er sich anschließend beim Kuchenanschneiden mit dem Messer verletzt, fließt in der Amtsstube sogar Blut. Auf dieses und das damit ebenfalls beschmierte und zerknüllte Wahlplakat, trifft Rathaus-Putze Irmgard. Die vermutet sofort ein Tötungsdelikt und alarmiert die Polizei. Letztere tritt mit Ermittlerin Schlotter auf den Plan und sieht sich mit diversen Tatverdächtigen konfrontiert.
Über den turbulenten Showdown, in den dann auch noch Rechtsanwalt Dr. Salesch eingreift, sei bei einem vermeintlichen Happy End hier nicht zu viel verraten. Denn es finden noch weitere Vorstellungen statt. Und die haben es in sich. Denn mit ihrer neuen Komödie „Ohne Kies ist´s mies“ von Brigitte Wiese & Patrick Siebler, ziehen die trefflich agierenden Bühnenaktiven erneut alle Register eines spielfreudigen Ensembles. In diesem Zusammenhang hinterlassen die Protagonisten vor allem durch ihre exzellente Besetzung in den jeweiligen Parts, eine beeindruckende Überzeugungskraft sowie willkommenen Wortwitz, durchweg erfreute Theaterbesucher. Die danken den Laienschauspielern vor einer ansprechenden Kulisse und dem finalen Vorhang mit anhaltendem Applaus.
Als Darsteller erfreuen: Nadja Lenz-Fritzen, (Susi Kies) - Mirko Röhr, (Horst Müller-Vorfelder) - Jacqueline Lescher, (Vera Knauser) - Stephie Erdmann, (Mandy Schick) - Annemarie Becker, (Apolonia Flodder) - Sabine Jansen, (Claudia Tritthin) - Ilse Lauxen, (Putzfrau Irmgard von Dohr) - Peter Lauxen, (Rechtsanwalt Dr. Salesch) - Ines Grundmann, (Altbürgermeisterin/Polizistin).
TE
