Historische Spuren entdeckt
Neue Hinweise auf verschollene Siedlung „Dörfchen Berg“ bei Rheinbreitbach
Rheinbreitbach. Seit vielen Jahren hält sich unter Heimatforschern und Geschichtsinteressierten in Rheinbreitbach die Überlieferung eines verschwundenen Ortes namens „Berg“. Erwähnungen in der Dorfchronik sowie mündliche Überlieferungen deuten darauf hin, dass zwischen Rheinbreitbach und Unkel-Scheuren einst eine kleine Ansiedlung existiert haben könnte, die möglicherweise während oder nach dem Dreißigjährigen Krieg aufgegeben wurde. Auch Eintragungen in historischen Kirchen- und Geburtenregistern sollen auf die Existenz des Ortes hinweisen.
Bislang fehlten jedoch konkrete Hinweise auf dessen tatsächliche Lage. Neue Auswertungen historischer Luftbilder und moderner Geländedaten könnten nun erstmals nähere Anhaltspunkte liefern.
Ein erster Hinweis findet sich in einem Zeitungsbericht aus der Honnefer Volkszeitung von 1895, in dem von einem Keramik- und Geschirrfund auf einem Acker zwischen Rheinbreitbach und Scheuren berichtet wird. Demnach sollen auf dem Feld versteckte Geschirrteile entdeckt worden sein, die Datierungen aus der Zeit 1320 trugen. Ein genauer Fundort wurde damals allerdings nicht dokumentiert.
Neue Aufmerksamkeit erhielt das Gebiet nun im Rahmen von Recherchen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes in Rheinbreitbach. Dabei tauchte ein Luftbild der US-Armee aus dem März 1945 auf, das große Teile der damals noch unbebauten Flächen zwischen Rheinbreitbach und Unkel-Scheuren zeigt. Auf dem Bild ist im Bereich eines bewachsenen Geländes eine auffällige rechteckige Struktur erkennbar, die auf einen umlaufenden Graben sowie eine zentrale Erhebung hindeuten könnte.
Da die Stelle heute dicht bewachsen ist, blieb eine genaue Einordnung allein anhand der historischen Luftaufnahmen schwierig. Zusätzliche Hinweise liefert nun jedoch eine moderne LiDAR-Geländedarstellung. Diese Technik ermöglicht es, Geländeformen selbst unter dichter Vegetation sichtbar zu machen. Auf den aktuellen Daten zeichnet sich an der betreffenden Stelle erneut eine annähernd quadratische Struktur mit möglichem Grabenverlauf ab.
Ob es sich dabei tatsächlich um Überreste des überlieferten „Dörfchens Berg“ handelt, lässt sich derzeit jedoch nicht sicher belegen. Ebenso offen bleibt die Frage, welche Funktion die Anlage ursprünglich hatte. Denkbar wären neben einer kleinen Siedlung auch ein befestigter Hof, eine ältere Wirtschaftsfläche oder eine kleinere Befestigungsanlage.
Auch der Ortsname „Berg“ lässt verschiedene Deutungen zu. Ob sich daraus Hinweise auf eine befestigte Anlage ableiten lassen, müsste durch weitere historische und sprachwissenschaftliche Untersuchungen geprüft werden.
Klar ist bislang vor allem eines: Die neuen Luftbild- und LiDAR-Auswertungen liefern erstmals konkrete Hinweise darauf, dass sich zwischen Rheinbreitbach und Unkel-Scheuren eine bislang nicht näher untersuchte historische Struktur befinden könnte. Gewissheit darüber könnten letztlich nur archäologische Untersuchungen bringen. Da sich das Gelände auf Privatgrund befindet, wären solche Untersuchungen allerdings nur mit Zustimmung der Eigentümer möglich.
