Allgemeine Berichte | 16.01.2025

Rege Beteiligung an der Infoveranstaltung der Stadt Neuwied

Neuer Busfahrplan: Viel Lob, vereinzelt auch Kritik

Die Stadt Neuwied hatte ins Friedrich-Spee-Haus eingeladen, um über den im Sommer 2024 neu aufgestellten ÖPNV zu informieren und zu diskutieren.  Fotos: FF

Neuwied. Zu einem Infoabend, den neuen Busfahrplan im Stadtgebiet betreffend, in dessen Verlauf sich eine äußert rege Beteiligung der Bürgerschaft entwickelte, hatte die Stadt Neuwied eingeladen. Zur Begrüßung erklärte sich Oberbürgermeister Jan Einig lediglich zum Moderator, in der Sache aber nicht für zuständig. Dennoch läge der Stadt, ebenso wie dem verantwortlichen Landkreis, das Wohl der Bevölkerung am Herzen. Im Jahr 2021 verabschiedete das Land das Nahverkehrsgesetz und übertrug den Landkreisen und kreisfreien Städten den ÖPNV als Pflichtaufgabe. Eingangs der Veranstaltung berichtete der 1. Kreisbeigeordnete Philipp Rasbach, dass die neu ausgeschriebenen Linienbündel und der Fahrplan im Großen und Ganzen gut angekommen sind, eines Feinschliffes aber noch bedürfen. Dennoch, so der 1. Kreisbeigeordnete, sei es unmöglich jeden Bürger zu einhundert Prozent zufrieden zu stellen. Dass er erstens Recht behielt, aber zweitens versucht für Besserung zu sorgen, wurde im Verlauf der zweistündigen Veranstaltung deutlich. Zunächst erläuterte Helga Zoltowski, Abteilungsleiterin Bauen und Umwelt in der Kreisverwaltung, die Hintergründe und rief dabei gruselige Erinnerungen ins Gedächtnis. 2019 stand der Busverkehr in der Stadt vor dem Kollaps. Der zuständige Busbetreiber musste vom Kreis mit mehreren Einhunderttausend Euro vor der Insolvenz gerettet werden. 2023 erfolgte die europaweite Neuausschreibung der Linien. Die Kostensituation hat sich aber keineswegs verändert. Im Gegenteil: 5,1 Mio. Euro muss der Kreis für den ÖPNV im Stadtgebiet aufbringen. Kreisweit verursacht der ÖPNV im Haushalt ein Defizit von 17,2 Mio. Euro. Als Gründe für den erheblichen Kostenanstieg nannte Helga Zoltowski die gestiegenen Dieselkosten und den Anstieg der Gehälter um 30% seit 2020. Das Land bezuschusse den Betrieb mit lediglich 240.000 Euro. Die Corona Jahre hätten ihr Übriges getan. Weniger Einnahmen standen höheren Aufwendungen für eine Entzerrung des Schülerverkehrs gegenüber. Im Schuljahr 2024/25 muss der Kreis Neuwied für die Schulwegkosten 871.000 Euro berappen. Stephan Hajak von der beratenden BPV Consulting GmbH (Koblenz) erläuterte die Veränderungen, die der neue Fahrplan mit sich bringt. Gleichfalls wies er darauf hin, dass das Deutschlandticket die Fahrgastzahlen zwar um bis zu 8% erhöht hat. Dies sei aber nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer. Stephan Hajak informierte über höhere Taktungen wochentags und am Wochenende, besseren Verbindungen in die Stadtteile und Fahrten bis spät abends. Außerdem seien Stadt- und Kreislinien besser aufeinander abgestimmt worden. Teilweise ergebe sich dadurch eine 30-minütige Taktung. Regionale Linien, als auch der Schülerverkehr, könnten mitbenutzt werden. Über das Jahr legen die Busse nun 1,3 Mio. Kilometer zurück. Eine Verbesserung um rund 30%.

Neu: RadBus ins Wiedtal

Ab April werden an den Wochenenden zudem Radbusse (Linie 131) ins Wiedtal starten und dadurch Altwied noch besser anbinden. Ein Pluspunkt besonders für Ausflügler. Nach Auskunft von Stephan Hajak sei es dagegen noch nicht gut gelungen, die Busse auf den Bahnverkehr abzustimmen. Daran werde gearbeitet. Umgesetzt seien mittlerweile die Fahrplanaushänge und Linienverläufe an den Haltestellen. Mit dem QR-Code auf den Fahrplänen könne man zudem Echtzeitfahrpläne in einer App aufrufen. Vom Publikum gab es Lob. Anders als noch vor wenigen Jahren, sei der Busverkehr wieder verlässlich. Helga Zoltowski erläuterte, dass dem Busbetreiber VRM Strafzahlungen bei Unzuverlässigkeit drohen. „Schade, dass so wenige Menschen die Busse nutzen“, bedauerte eine Besucherin und empfahl mehr Werbung zu machen. Ein anderer Bürger erklärte die geringe Nachfrage mit den Anlaufschwierigkeiten und der schlechten Kommunikation zu Beginn. Fehlende Fahrpläne und unbekannte Linien hätten potenzielle Nutzer abgeschreckt. Helga Zoltowski bestätigte die Einwände. Gemeinsam mit anderen Kommunen aus dem Verkehrsverbund werde man demnächst aktiv für den ÖPNV werben. Angesichts der hohen Betriebskosten wollte ein Fragesteller wissen, wieso auf wenig gefragten Strecken bzw. in den Abendstunden große Busse eingesetzt werden? Helga Zoltowski erklärte, dass die „große Flotte“ in den Spitzenzeiten notwendig sei. Kleine Busse würden also einen zusätzlichen Aufwand darstellen und nicht zu Kostensenkungen führen. Viele der Besucher waren Fahrgäste, die zum Teil in der Vergangenheit verwurzelt sind. Moniert wurde die Verknüpfung im alten „Amt Engers“.

Stadtteile besser verknüpfen

Gemeint war der Verkehr von Gladbach ins benachbarte Engers, der nur über Neuwied möglich ist. Den Berg zwischen dem katholischen Gladbach und evangelischen Oberbieber bezeichnete ein Oberbieberer als Maginot-Linie. Obwohl nur 2 Kilometer voneinander entfernt, könne man zwischen den beiden Stadtteilen nicht mit dem Bus verkehren. Auch die Rodenbacher müssen über Neuwied, wenn sie ins benachbarte Feldkirchen wollen. „Das muss verbessert werden“, forderte Ortsvorsteher Sven Gall und wies auf Arztbesuche älterer Mitbürger hin. Helga Zoltowski und Stephan Hajak notierten sich alle Anregungen und versprachen diese zu überprüfen. Ggf. lasse sich das ein oder andere im nächsten Fahrplan umsetzen. Auch ein Stadtteile-Ringverkehr, könne, trotz vermutlich schwacher Auslastung, diskutiert werden. Philipp Rasbach wies vorsorglich schon mal darauf hin, dass alles ein Preisschild haben wird. Einen Busverkehr zu den Neuwieder Attraktionen, wie dem Zoo, wurde aus der Bürgerschaft ebenfalls angeregt. „Da sind wir dran“, versprach Jan Einig. Ansonsten war der Oberbürgermeister an diesem Abend außen vor. Nur bei der permanenten Verschmutzung der Haltestelle vor der Matthiaskirche ist die Stadt Neuwied doch zuständig. „Das schauen wir uns an“, versprach der Oberbürgermeister einer Fragestellerin.

FF

Zahlreiche Bürger/innen meldeten sich zu Wort, um sowohl Kritik zu äußern als auch konstruktive Vorschläge zu machen.

Zahlreiche Bürger/innen meldeten sich zu Wort, um sowohl Kritik zu äußern als auch konstruktive Vorschläge zu machen.

Amtsleiterin Helga Zoltowski (Kreis Neuwied) und Stephan Hajak (BPV Consult GmbH) nahmen Stellung und griffen Anregungen auf.

Amtsleiterin Helga Zoltowski (Kreis Neuwied) und Stephan Hajak (BPV Consult GmbH) nahmen Stellung und griffen Anregungen auf.

Die Stadt Neuwied hatte ins Friedrich-Spee-Haus eingeladen, um über den im Sommer 2024 neu aufgestellten ÖPNV zu informieren und zu diskutieren. Fotos: FF

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