Geschichtsverein Unkel e.V.
Neuer Geschichtsbote
Unkel. Der Geschichtsverein Unkel (GVU) gibt einen neuen Geschichtsboten heraus. Der GB34 beschäftigt sich mit der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. In dieser Zeit bestimmte Bürgermeister Josef Decku die Kommunalpolitik in Unkel. Er wurde 1919 auf Lebenszeit ernannt und 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt. Decku wurde 1889 in Köln geboren und war später in der Kommunalverwaltung unter Konrad Adenauer tätig. Wie dieser gehörte Decku dem Zentrum an. In Unkel trieb er vor allem den Ausbau der Infrastruktur voran: Eine Straße nach Bruchhausen und eine Umgehungsstraße wurden gebaut, ebenso die Flutbrücke in Heister. Die Wasserversorgung wurde ausgebaut, Schule und Christinenstift modernisiert.
Die GB34 beleuchtet diese Zeit anhand von Briefen und Dokumenten aus den 20er Jahren sowie Kurzbiographien wichtiger Zeitgenossen, in denen Mitstreiter und Widersacher Deckus‘ vorgestellt werden. Der Unkeler Stadtarchivar Wielfried Meitzner und Wolfgang Ruland haben zahlreiche Dokumente aus der Weimarer Zeit zusammengetragen, über die das Unkeler Archiv verfügt. Wichtige Erkenntnisse lieferten auch die Chronik des damaligen Hauptlehrers Peter Josef Wies, Unterlagen der Kirchengemeinde und Akten aus dem Landeshauptarchiv Koblenz. Sie bilden die Grundlage für das Theaterstück „Josef Decku - Bürgermeister zwischen Weltkrieg und Diktatur“, das die Theatergruppe des GVU im Sommer 2022 aufführen wird. Der vollständige Text des Stücks von von Giesela Meitzner und Elisabeth Bovy wurde in den Geschichtsboten aufgenommen und durch zahlreiche Fotos ergänzt. Giesela Meitzner, eine entfernte Verwandte von Deckus, konnte zudem auf Berichte ihrer Familie zurückgreifen. Die beiden Autorinnen erzählen auch, wie die Idee und wie das Theaterstück entstand.
Stadtarchivar Wilfried Meitzner hat auf der Grundlage des genannten Quellenmaterials eine umfassende Darstellung der Amtszeit von Deckus in einem Vortrag zusammengefasst, der ebenfalls im GB34 abgedruckt ist. Decku war im katholischen Milieu seiner Gemeinde verwurzelt. Er führte die Unkeler durch schwierige Zeiten: durch Hunger und Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg, durch drei Rheinhochwasser 1919-20, 1924 und 1926, durch die französische Besatzung 1921-23 und die beginnende Weltwirtschaftskrise. Sein Schicksal ist ein Beispiel dafür, wie die nationalsozialistischen Machthaber unliebsame Beamte aus ihren Ämtern vertrieben. Dieser Politik fielen zahlreiche Bürgermeister, Landräte, Richter und Polizeibeamte zum Opfer.
Nach seiner Entmachtung widmete sich Decku vor allem seiner Leidenschaft: der Heraldik oder Wappenkunde. Bereits in den 20er Jahren hatte er Ortswappen für Bruchhausen und Rheinbreitbach entworfen. Nach seiner Vertreibung aus dem Amt siedelte Decku mit seiner Familie ins Saarland über und entwickelte sich dort zu einem anerkannten Experten der Heraldik. BA
