Der Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach feierte am Samstag Erntedankfest
Neuer Inhaber des Wanderpokals „Goldener Spaten“ ist Hans Fischerkoesen
Rheinbreitbach. Nahezu auf den Tag genau hatte der Obst- und Gartenbauverein Rheinbreitbach am Samstagabend nach der Erntedankfestmesse in der Pfarrkirche Sankt Maria Magdalena zu seinem traditionellen Erntedankfest in den Bürgersaal eingeladen, in dem ein reich gedeckter Tombola-Tisch auf die zahlreichen Mitglieder wartete.
„Für uns Gärtner war es nach einem sehr nassen Winter ein außergewöhnlich trockenes und heißes Jahr“, begann die langjährige Vorsitzende Kartini Klein ihren traditionellen Rückblick. Nach einem vorgezogenen Frühjahr, das Sorge aufkommen ließ, noch drohender Nachtfrost könnte die jungen geöffneten Obstbaumblüten zerstören, sei es fast schon wüstenähnlich warm geworden. „Die Temperaturen lagen bis zu 3,7 Grad über dem 30-jährigen Mittel und auch die Sonnenscheindauer war etwa im Juli mit 275 Sonnenstunden überdurchschnittlich“, erinnerte sie. Dafür sei der für die Region üblich Regen ausgeblieben, sodass die vom Winter noch gut gefüllten Wasserfässer schnell leer geworden seien.
Unter diesen ungewöhnlich Bedingungen hätten vor allem die durstigen Früchte in der Erde, das Getreide und die Wiesen, die nur eine Heuernte hergeben hätten, sodass Viehhalter ihre Tiere in Ermangelung an Winterfutter vorzeitig hätten schlachten müssen. „Dagegen war die Lese extrem reichhaltig und gut. Die Trauben sind besonders süß und haben ein hohes Mostgewicht. Auch Äpfel und Pflaumen gab es ohne Ende und auch bei den Waldbäumen verzeichnen wir ein reichhaltiges Mastjahr“, resümierte Kartini Klein. Nach dem Bauernkalender müsste der kommende Winter entsprechend besonders streng werden.
Daran wollte aber am Samstag noch niemand denken. Nach einer ausgiebigen Stärkung, während der Peter-Josef Euskirchen die „grünen Daumen“ mit herbstlichen Volksliedern unterhielt, ließ die Vorsitzende für die weiblichen Gäste des Erntedankfestes in Form von süßen „Küsschens“ einen kleinen „Nachtisch“ verteilen, mit dem die neue Erntekönigin ermittelt wurde. Den für diesen Ehrentitel ausschlaggebenden Glückscent, der unter dem goldenen Pralinenpapier verborgen war, fand Gisela Führ, die umgehend von Norbert Buchbender, der beim Generationswechsel im Vorstand als Nachfolger des 2. Vorsitzenden Gustl Richarz gewählt worden war, gekrönt wurde. „Den Königswalzer muss er aber noch üben. Deshalb überlässt er diesen seinem Schwager Karl-Willi Menden“, erklärte Kartini Klein, bevor Peter-Josef Euskirchen die „Rude Rusen“ der Höhner anstimmte.
Mit einem Wunschkonzert überbrückte er anschließen die Zeit bis zur Ehrung besonders treuer Mitglieder, nachdem Gabriele Adenauer das Gärtnern gelobt hatte, bevor ihr Norbert Buchbender die Urkunden für 20 Jahre Mitgliedschaft überreichte. Bereits ihr Silberjubiläum konnten die langjährigen Vorstandsmitglieder, Rita Schröder-Stang und Karl-Josef Stang, feiern. Eine entsprechende Urkunde steht Elke Napp zu, die jedoch wie das „35-jährige“ Mitglied Renate Menden verhindert war. Für 35-jährige Mitgliedschaft zeichnete Kartini Klein Martin Peukert und Dieter Uhlig aus. „Leider ist unser ehemaliger Vorsitzende, Aribert Peters, der genauso lange wie die beiden dem Obst- und Gartenbauverein angehört heute nicht anwesend und auch Erwin Bidder kann die Auszeichnung für 40-jährige Mitgliedschaft heute nicht entgegen nehmen, bedauerte die Vorsitzende, um sich dann dem Höhepunkt, der Verleihung des „Goldenen Spatens“ zu widmen.
„Das Mitglied, das heute den Wanderpokal erhalten soll, ist Ihnen wohlbekannt, denn es nimmt fleißig an unseren Veranstaltungen teil, egal ob es sich um Vorträge handelt oder um unsere geselligen Wanderungen“, verriet sie, ohne allzu viel preiszugeben. Da war ihr Hinweis schon, in dem mehrere alte, groß gewordenen Palmen von der Südwand geschützt manche Winter überstanden hätten und dass zudem Zitronen- und Orangenbäumchen gehegt würden. „Aber die Beschäftigung im Hausgarten reicht unserem Mitglied nicht. Um im Herbst reiche Ernte einfahren zu können, hat es ganz in der Nähe einen alten Obstgarten wieder urbar gemacht. Egal ob sich um Früchte der Obstbäume, der Beerensträucher oder aus dem Feld handelt, alles gedeiht unter diesem grünen Daumen optimal“, lobte Kartini Klein den Preisträger, den Insider längst identifiziert hatten.
Dieser verfolge nach getaner Arbeit während eines Päuschens auf der Veranda der kleinen Gartenlaube mit einem Glas Rotwein und einem Zigarillo die untergehende Sonne auf der anderen Rheinseite. „Er kennt alle botanischen Namen der ihn interessierenden Pflanzen auf Latein, was nicht nur unsere Vortragenden immer wieder verblüfft“, verriet die Vorsitzende. Und: Der Preisträger liebe als Fan von Chilischoten, diese teuflisch scharfe Früchtchen. Ganze Heerscharen an Jungpflanzen habe er bereits an Mitglieder verteilt, die nicht nur heiße Ohren bekämen, wenn sie wie er die Schoten so essen würden, so Kartini Klein, nach deren abschließenden Hinweisen auch dem Letzten im Bürgersaal schon vor der unmittelbar bevorstehenden Verleihung des Wanderpokals klar war: Der Goldene Spaten-Träger 2018 kann nur Hans Fischerkoesen sein, der von den grünen Daumen des Ortes frenetisch gefeiert wurde.
DL
