Neulich an der Garderobe
von Gregor Schürer
Neulich haben wir eine Veranstaltung in der Landskroner Festhalle besucht. Schön, wenn man ein kulturelles Highlight – in diesem Fall das Gastspiel des Kabarettisten Jürgen Beckers – direkt vor der Haustüre hat und zu Fuß hingehen kann.
Doch der Heimvorteil geriet zum Nachteil, als wir die Halle nach langem Schlangestehen schließlich betreten hatten. Denn im Saal waren keinerlei Mäntel, Jacken und dergleichen zugelassen, bitte an der Garderobe abgeben. Begründung des Veranstalters: Auflage des Eigentümers (also der Stadt) wegen Brandschutz! Da kannte der Mann am Eingang kein Pardon, auch ein erkältetes Pärchen vor mir erhielt keine Ausnahmegenehmigung.
Also machten sich viele, die mit dem Auto gekommen waren, bei klirrender Kälte zurück zum Wagen, um ihre Winterbekleidung dort zu deponieren. Weniger wegen des happigen Entgelts von 2,50 Euro pro Kleidungsstück. Mehr, um das lange Anstehen zu vermeiden. Denn die beiden Mitarbeiterinnen mühten sich zwar redlich, aber das Abgeben, Abkassieren samt Abreißen der Quittungszettelchen und Aufhängen dauerte einfach. Außerdem knubbelten sich die Wartenden am Garderobentisch mit denjenigen, die am Tresen daneben etwas zu essen und trinken kaufen wollten, zu einem unübersichtlichen Menschenknäuel.
Geduldig wartete ich bis kam, was kommen musste. Irgendwann war der letzte Garderobenhaken besetzt, kein Platz mehr da. Also durfte man dann doch mit seinen Sachen in den Saal. Ein Glück, dass meine Lederjacke schwer entflammbar ist. Viele Besucher holten übrigens ihre Winterkleidung schon in der Pause wieder ab, um nach dem Event nicht erneut Schlange stehen zu müssen.
Vielleicht schreibt der Hausmann, der ja bei vielen seiner Nummern aus dem Leben greift, darüber einen seiner berühmten Witze. Nennen könnte er ihn: Das Garderobenverbot und die normative Kraft des Faktischen.
