Neulich auf dem klimatisierten Parkplatz
von Gregor Schürer
Ich wollte nichts mehr über parkende Fahrzeuge mit laufendem Motor schreiben. Zum einen habe ich mir dafür die harsche Zuschrift einer Leserin eingehandelt, die mir vorwarf, selbst nicht perfekt zu sein - sie bezog sich auf eine Begegnung im Straßenverkehr - und deshalb solle ich nicht mit dem Finger auf andere zeigen.
Zum anderen ist dazu alles gesagt. Dachte ich, bis mich die Realität einholte und mir zeigte, dass es noch viel schlimmer ist als ich angenommen hatte.
Neulich, an einem der sehr heißen Tage, halte ich abends gegen 20 Uhr auf dem Parkplatz eines Discounters. Ich bin nur kurz im Laden. Als ich zu meinem Auto zurückkehre, höre ich ein Geräusch. Wenige Meter von mir entfernt mir steht ein 3er-BMW mit laufendem Motor. Ich ahne schon Schlimmes und schaue hinein. Der Wagen ist leer, fast. Denn auf der Fahrerseite sitzt – ich schwöre es – ein Hund. So ein kleines, kläffendes Exemplar, das von jedem räudigen Straßenkater gefressen würde. Kopfschüttelnd murmle ich vor mich hin, dass man so etwas allenfalls aus dem USA kenne, da erscheint ein Pärchen. Es geht zur Heckklappe, verlädt seelenruhig die Einkäufe und fährt mit dem klimatisierten Hund davon. Warum hat es das Tier nicht einfach vor dem Laden angebunden, auch so wäre es dem Hitzetod entronnen? Oder warum hat Herrchen nicht vor der Tür mit dem Vierbeiner gewartet, während Frauchen einkauft? Es wird ein ewiges Rätsel bleiben.
Tags darauf besuche ich vormittags einen Baumarkt. Auch hier bemerke ich bei meiner Rückkehr neben mir einen großen BMW mit laufendem Motor. Der Fahrerseite ist unbesetzt, aber im Wagen flegeln sich zwei Teenager, die am Handy spielen, vorne ein Junge, hinten ein Mädchen.
Ich warte einen Moment, noch hoffend, dass jemand kommt, der nur gerade noch seinen Einkaufswagen zurückbringt. Aber es kommt niemand. Vermutlich hatten die Kids keine Lust, Mama oder Papa beim Einkauf zu begleiten, also lässt man sie in der Familienkutsche mit Aircondition zurück.
Ich verzweifle: Schlimm genug, dass die Alten so ticken. Aber warum sagen die Kinder nichts? Meine hätten mich bei solchem Tun mit einem „Papi, das geht gar nicht!“ in der Luft zerrissen.
Es ist so weit, liebe Leserinnen und Leser:
Die Dummheit hat gesiegt, die Gedankenlosigkeit hat gewonnen, die Borniertheit hat triumphiert.
Wir sind verloren, endgültig.
