Neulich im Laternenlicht
von Gregor Schürer
Neulich bin ich nachts aufgewacht. Nichts Besonderes, das kennen viele, insbesondere ältere Menschen. Nur dieses Mal war es fast taghell in meinem Zimmer, obwohl der Wecker halb drei Uhr morgens zeigte. Ich dachte: Heute hat der Vollmond ganze Arbeit geleistet. Doch beim Gang zur Toilette blickte ich aus dem Fenster und stellte fest: Er war nicht der lichtspendende Übeltäter, es war die Straßenlaterne, die mein Schlafzimmer ausleuchtete.
Statt wieder einzuschlafen, begann ich zu grübeln. Wozu gibt es überhaupt Straßenlaternen? Ich schaute nach. Aufgabe der Straßenbeleuchtung ist es, als Bestandteil der allgemeinen öffentlichen Sicherheit die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer in der Nacht zu verbessern.
Aha, wegen der Verkehrssicherheit. Aber die meisten, nein alle Fahrzeuge vom Auto übers Moped bis zum Fahrrad haben eine Beleuchtung vorne und hinten. Zum Sehen und gesehen werden. Also für die Fußgänger. Doch wer ist um diese Zeit noch per pedes unterwegs? Ich wohne in einem Ortsteil von Bad Neuenahr, also auf dem Dorf. Da kommt die Nachbarin spätestens um 22 Uhr vom Frauenturnen nach Hause. Und wenn der Nachbar nicht um 23 Uhr von der Chorprobe zurück ist, gibt´s Ärger. Danach ist in unserer Seitenstraße niemand mehr zu Fuß unterwegs. Hätten wir Bürgersteige, wären sie hochgeklappt. Allenfalls an Weinfest oder Kirmes sind spätabends oder frühmorgens ein paar Heimkehrer unterwegs. Aber die haben dann ohnehin die Lampe an.
Wozu also brennt die ganze Nacht die Straßenlaterne?
Zumal jeder vernünftige Hausbesitzer eine Lampe mit Bewegungsmelder an seiner Eingangstür montiert hat. Und nahezu jedes Handy eine Taschenlampenfunktion besitzt. Seufzend lasse ich die Rollläden herunter und schlafe ein.
Träume von Stadtwerken, die an Lichtverschmutzung, Energiesparen und Nachhaltigkeit denken. Denen ein Licht aufgeht. Spätestens beim Lesen dieser Kolumne.
